sich einen Feldzugsplan entworfen , und dabei ihrer Freundin Wundel gedacht . - » Richtig , « sprach sie zu sich selber , » die soll es ausbaden ; was brauche ich die Wundel zu schonen . Und wenn er ihr auf den Leib geht , da soll sie sehen , wie sie sich herauslügt . - Ich wußte gleich , « wandte sie sich an Arthur , » daß das eine delikate Sache sei , glauben Sie mir , Herr Baron , « - dabei faltete sie ihre Hände und blickte gen Himmel - » Unsereins hat auch Gewissen ; und ich hatte immer das Vergnügen , die Familie Staiger als eine anständige Familie zu kennen . - Gott ! die Clara , der arme Aff , wie mußte sich abplagen , damit ihre Geschwister nur etwas zu beißen hatten . « » Weiter ! « sprach Arthur finster . » Sie kam oft daher . « » Zu Ihnen ? « » Eigentlich zu der unglücklichen Marie . Ach Gott ! Herr Baron , Sie kennen ja wohl das Unglück , das uns betroffen , heute roth - morgen todt ! - Da liegt sie im Nebenzimmer und sie erweisen ihr die letzte Ehre . « - Hier holte sie ihr Schnupftuch hervor und fing auffallend heftig an zu weinen . - » O du lieber Gott im Himmel ! « schluchzte sie , » daß ich das erleben mußte ! Meine arme Marie ! mein Stolz , meine Stütze ! - Aber mich soll der Himmel bewahren , Herr Baron , daß ich Sie mit meinen Klagen aufhalten will . Gewiß nicht ; ich bezwinge meinen Schmerz . « Dies schien auch der Frau Becker leicht zu werden , denn ein paar Sekunden nach diesem Erguß waren ihre Augen wieder vollkommen trocken , ihr Gesicht gänzlich beruhigt . - » Also ich hatte zu viel Gewissen , « fuhr sie fort , » die Sache mit dem Mädchen auf eigene Hand zu unternehmen . « » Und wer half Ihnen ? « fragte Arthur dringend . » Von Helfen ist eigentlich nicht die Rede , « erwiderte listig das schlaue Weib ; » sondern ich übergab die ganze Sache einer Bekannten . « » Und darf ich Sie um den Namen dieser Bekannten ersuchen ? « » O gewiß ! warum nicht ! Nur bitte ich , Herr Baron , daß ihr nichts geschieht . « » Nein , nein - wer ist ' s ? « » Es ist die Frau Wundel ; sie wohnt in der Balkenstraße Numero vierzig . « » Ah ! im gleichen Hause . « » Ganz richtig , wo auch Clara wohnt . « » Und die hat das Geschäft geleitet ? « » Sie konnte es am besten , da sie sich auf gleichem Boden mit der Familie Staiger befindet . « » Richtig ! o du mein Gott ! Das war gut überlegt . Da konnte man Stunde um Stunde arbeiten . Wenn ich es auch nicht begreife , so fange ich doch an , die Fäden dieses Gewebes zu verstehen . « » S - s - st ! « machte Frau Becker ; » man kommt . « Die Thüre des Nebenzimmers öffnete sich langsam und - Clara trat herein . Siebenzigstes Kapitel . Marie und Clara . Ob das Erschrecken Arthurs bei ihrem Anblick oder das Erstaunen des jungen Mädchens größer gewesen , als Beide sich nun so auf einmal hier Auge gegen Auge gegenüber standen , ist wohl schwer anzugeben . Aus Beider Herzen stiegen seltsame Gedanken , aus dem seinen bittere , traurige , und auch ihre Ueberraschung war keine frohe zu nennen . - » Was macht er hier , « dachte sie , » in dem Hause , das ich nur scheu und zitternd betreten , einzig und allein in der edlen Absicht , der dahin geschiedenen Freundin den letzten Liebesdienst zu erzeigen ? « Er biß heftig auf seine Lippen , indem er zu sich sagte : » Ah ! es ist Alles so , wie ich erfahren ; sie geht hier ein und aus . « Obgleich Madame Becker aus dem vorhergehenden Gespräch wohl entnommen , daß er ein Interesse an dem Mädchen nahm , so hatte sie doch keine Ahnung davon , wie genau Beide mit einander bekannt seien , und hielt es auf alle Fälle für schicklich , » den Herrn Baron - einen ihrer Bekannten « der Tänzerin vorzustellen . Zuerst wollte Arthur gegen den Titel eines Bekannten protestiren und hätte es vor ein paar Tagen noch lachend und eifrig gethan , jetzt aber , von der Untreue und Schlechtigkeit Clara ' s überzeugt , dachte er : » Ei , das wird mich in ihren Augen nicht heruntersetzen , und es soll mir ganz gleichgiltig sein , ob ich auf diese Art vor ihr kompromittirt werde . « Die Vorstellung der Madame Becker und der plötzliche Anblick Arthurs hier in diesem Hause hatten aber auf das junge Mädchen erschreckend gewirkt ; sie war , jedoch unmerklich , zusammen gezuckt , ein tiefes , unerklärliches Weh durchzog ihr Herz , und ihr Gesicht , ohnedies heute nicht frisch und rosig wie sonst , sah bleich und erschreckt aus . Ihm waren das Beweise ihrer Schuld , und wenn sich auch seine Hand unter dem Tische krampfhaft zusammenballte , so bezwang er sich doch , stand lächelnd auf und sagte , indem er eine leichte Verbeugung machte , es freue ihn sehr , die schöne Tänzerin , Fräulein Clara Staiger - hier so unverhofft zu sehen . Dem Mädchen war dieser Ton und der kalte Blick , womit er begleitet war , freilich räthselhaft ; daß er unter diesem Besuche hier im Hause etwas Anderes vermuthen könnte , fiel ihr gar nicht ein ; sie begriff nicht , daß Arthur im Stande wäre , ihr reines Herz , das sie ihm so offen hingelegt , zu verkennen