in ihrem falbelreichen lila Seidenkleid war augenscheinlich wenig an Bergpartien gewöhnt und begrüßte Fritz wie einen Retter in höchster Gefahr . » Ach , mein lieber , junger Freund ! « stöhnte sie , » welch ein Glück , daß ich Sie gefunden habe ! Ich habe Ihretwegen diese halsbrecherische Partie unternommen ! Hörte durch Trinette , daß heute Ihr Geburtstag ist , wollte Ihnen Glück wünschen . Nett von mir , was ? Ohne Gefolge durchgebrannt , was sagen Sie ? « » Vorzüglich , Hoheit , « rief Fritz , » wie soll ich für solche Gnade danken ? « Sie hatte ihre Fröhlichkeit schon wieder gewonnen und kicherte jugendlich kokett , indem sie sich schwer auf ihn stützte ; trotzdem glitten ihr die Füße aus , und sie mußte , auf der einen Seite von Fritz , auf der andern vom Lakaien halb gestützt und halb getragen , auf der Wiese und auf sicherm Terrain angelangt sein , ehe sie wieder zu Atem kam . » Nun sagen mir Hoheit , « fragte sie Fritz , » warum Hoheit diesen unbequemen Weg wählen statt des gutgeebneten Waldwegs , der vom Schloß hierher führt , denn ich nehme doch nicht an , daß Hoheit von Nassenstein aus zu Fuß gekommen sind ? « » Ach , was trauen Sie mir zu . Sie junger Springinsfeld , « rief die Prinzessin und erzählte , ihr Wagen warte vor dem Schloß . Dort habe man ihr mitgeteilt , wo sie die Familie finden werde , und so sei sie denn nach dem Wald aufgebrochen . Ein schmaler , moosiger , grüner Seitenpfad , der ihr so viel romantischer geschienen als die breite Straße , habe sie in die Irre gelockt , und so sei sie auf diesen unbequemen Abstieg geraten . Fritz führte die fürstliche Dame mit der liebenswürdigen Sorglichkeit , die ihm Frauen gegenüber eigen war , nach dem Pavillon und zu einem bequemen Stuhl , in dem sie sich erschöpft und ächzend niederließ . » Mon Dieu , bin ich echauffiert ! « Er neigte sich über ihre Hand und küßte sie ehrfurchtsvoll etwas länger und zärtlicher , als es die Etikette gerade geboten hätte . » Hoheit sehen mich sehr beglückt von so viel unverdienter Gnade , « beteuerte er dabei . Die Prinzessin Karoline betrachtete mit einem wehmütig komischen Gesichtsausdruck ihren Handrücken , der den Kuß empfangen hatte , nickte ein wenig mit dem Kopf und sagte weich und träumerisch : » Ach Jugend , Jugend ! « Fritz fand es nötig , sie ihren gefährlichen Träumereien nicht zu lange zu überlassen , und fragte , ob er nicht Tante Trinette rufen dürfe , sie müsse sich irgendwo in der Nähe auf der Ameisenjagd befinden . Die Prinzessin aber zog Fritz unbefangen an der Hand auf den Sitz neben sich , hielt die kräftige Männerhand zwischen ihren weichen , warmen Fingern und strich mütterlich zärtlich darüber hin , » nein , nein , lassen Sie Tante Trinette nur , wo sie ist . Ich bin nicht Tante Trinettens wegen gekommen . « Plötzlich aber blickte sie ängstlich um sich . » Kunze , schnell meinen Umhang , es zieht hier ein wenig ! Ach , so wird man gemahnt ! Gicht , Rheuma – Trinettens Ameisenspiritus ! Ach , man ist eine alte , fette Ruine ! « Sie blickte Fritz mit ihren sonst so muntern Augen kläglich und hilfesuchend an , als könnte er sie auf irgendeine Weise von diesem unabwendbaren Schicksal befreien , und er wußte sie nicht besser zu trösten , als indem er sich aufs neue über ihre Hand beugte und noch einen Kuß darauf drückte . Dies schien ihr auch wohlzutun . Sie blickte um sich und bemerkte nun erst Herrn Theodor Debberitz , der seinerseits höchst spannende Augenblicke durchlebt hatte . Er , Thete Debberitz , stand kaum drei Schritte von einem wahrhaftigen Mitglied seines angestammten Fürstenhauses ! Obschon er in Berlin der freisinnigen Partei angehörte und den vorgeschrittensten Grundsätzen huldigte , überfiel ihn dieses Bewußtsein wie ein berauschendes Glück . Was hatte man nicht seinerzeit für Geschichten von der Prinzessin Karoline zu berichten gewußt ! Wie oft war nicht ihr Name tuschelnd von Ohr zu Ohr geführt worden unter der tugendsam entrüsteten Bürgerschaft von Langenrode-Hirschburg-Nassenstein . So mischte sich denn in Theodor Debberitz die atembeklemmende Achtung vor dem hohen Range der Dame mit einem pikanten Interesse an ihrer Person . Es war abscheulich , daß er vor Spannung und Erregung ganz verlegen wurde , von einem Fuß auf den andern trat und nicht wußte , ob er sich durch irgendeine Anrede bemerkbar machen dürfe oder bescheiden warten müsse , bis Fritz ihn vorstellen würde . Indessen ließ dieses Ereignis auch nur wenige Sekunden auf sich warten . Dann legte Fritz den Arm um seine Schultern , zog ihn näher zu der Prinzessin heran und fragte sie , ob er die Ehre haben dürfe , ihr seinen alten Jugendfreund Herrn Theodor Debberitz aus Berlin vorzustellen . Die Prinzessin nahm die Lorgnette vor die Augen und betrachtete mit der Versicherung , daß sie Jugendfreunde rührend finde , den prächtigen Herrn Debberitz von oben bis unten . Er hatte sich mit strahlendem Gesicht tief verneigt und stammelte als Erwiderung die Entschuldigung , man sei ja sozusagen auf dem Lande . Womit er wahrscheinlich andeuten wollte , daß er bedauere , nicht sofort in Frack und weißer Binde vor der Hoheit erscheinen zu können . » Es muß Hoheit aufs äußerste interessieren , « rief Fritz eindringlich erklärend , » in Theodor Debberitz einen jener Männer kennenzulernen , deren geschäftliches Genie einen großen Anteil hat an dem kolossalen Aufschwunge , den unser Vaterland in den letzten Jahren genommen hat , und der die ganze übrige Welt mit Furcht und Bewunderung erfüllt . « Hier fand Herr Debberitz , von der Fülle dieses Lobes überwältigt , es an der Zeit , einzugreifen und zu erklären , daß er ein bescheidener Mann sei , obschon