Donnerwetter ! « Er zog sein Taschentuch hervor und fuhr sich damit über die Stirn , erst nach einem minutenlangen Schweigen sagte er mit einer gewissen Wehmut : » Da hat dieser Mensch , der Ernst , nun zehn Jahre lang in Heilsberg gesessen , mitten unter den Philistern , und ich habe ihm vorgehalten , daß er auch einer geworden ist , und jetzt geht er so ins Zeug und schlägt unter die ganze edle Raubrittergesellschaft , daß die Funken nur so fliegen ! Das sind ja fürchterliche Dinge , die er diesem Ronald da in das Gesicht schleudert ! Und die geehrten Herren von der Hochfinanz bekommen auch bittere Wahrheiten zu hören ! « Er sprang plötzlich auf und jetzt schlug seine Stimmung in hellen Jubel um . » Das ist er wieder , wie er leibt und lebt , mein alter Jugendgenosse ! So stand er damals vor den Schranken , als er die armen Teufel verteidigte , die in den Streik hineingehetzt waren und nun wegen Landfriedensbruch verurteilt werden sollten . So riß er einst mit seinen flammenden Worten alles hin und berief sich auf die Menschenrechte gegen den starren Buchstaben des Gesetzes . – Ja , ja , Onkel Treumann , dir und deinen braven Heilsbergern werden die Augen übergehen , wenn ihr ihn erst zu Gesicht bekommt , euren Sankt Georg , aber behalten werdet ihr ihn nicht lange mehr in eurem historischen Neste . Jetzt ist er los von dem Bann , jetzt ist er aufgewacht ! Der geht euch durch , so wahr ich Arnold Hartmut heiße ! Hurra ! « Er schwenkte das Heft ebenso triumphierend wie vorhin der Herr Notar , aber es kam ein ganz merkwürdiges Echo zurück . » Hurra , Onkel Hartmut ! « tönte eine helle Kinderstimme . Droben auf der Steintreppe stand die kleine Lisbeth von Maiendorf und schwenkte mit beiden Händen ihr Strohhütchen , dann sprang sie die Stufen herab und eilte dem Major jubelnd entgegen . » Kleiner Wildfang , weißt du es schon , daß man einstimmen muß , wenn Hurra gerufen wird ? « fragte er lachend , indem er sie auffing . » Wo kommst du her , Lisbeth ? Ist die Mama auch hier ? « » Die Mama ist bei dem Onkel Notar in der Kanz – lei , « berichtete Lisbeth , der das Wort noch einige Mühe machte . » Und da hat der Onkel gesagt , ich sollte in den Garten laufen zu dir , er käme nach mit der Mama . O da bin ich gelaufen ! Ich bin so froh , daß du wieder da bist ! « » Ich auch , « sagte Hartmut sehr aufrichtig und hochbefriedigt von der Mitteilung . Er nahm die Kleine auf seine Kniee ; sie fing sofort an , mit der größten Zutraulichkeit zu plaudern und mit sichtbarem Stolze zu erzählen , daß sie jetzt gemalt werde . » Ein so großes , schönes Bild ! Und ein weißes Kleidchen hab ' ich an und einen Strauß in der Hand – « » Und der Max Raimar malt dich , « ergänzte Arnold . » Ja , ich weiß es schon . Magst du ihn denn leiden , das angehende Genie – den Maxl meine ich ? « Lisbeth verzog schmollend das Gesicht und schüttelte sehr entschieden das Köpfchen . » Nein , ich mag ihn gar nicht . Er will immer nur bei der Mama sein und mit ihr reden . Mit mir will er nie spielen . Er ist so dumm ! « » Was das Kind schon für eine Menschenkenntnis hat ! « sagte der Major bewundernd . » Also er spricht immer mit der Mama , auch wenn er dich malt ? « » Ja immer , und dann macht er solche Augen , « und Klein-Lisbeth verdrehte ihre hellen Äuglein in einer ganz beängstigenden Weise , um den schwärmerischen Aufblick des jungen Künstlers wiederzugeben . » Dachte ich es doch ! Ich drehe dem dummen Jungen noch nächstens den Hals um ! « rief Hartmut wütend , ohne daran zu denken , daß die Kleine zuhörte ; diese aber sagte ganz ernsthaft : » Das darfst du nicht thun , dann wird ja das schöne Bild nicht fertig . « » Das male ich fertig , « behauptete der Major mit unfehlbarer Sicherheit , » und den Maxl brauchen wir dann nicht mehr , der fliegt hinaus ! « Lisbeth guckte ihn von der Seite an , sie schien doch einiges Mißtrauen in seine malerische Begabung zu setzen , plötzlich aber lachte sie hell auf . Sie fand es äußerst belustigend , daß der Maxl aus Gernsbach hinausfliegen sollte . Nach zehn Minuten war bereits ein Spiel im Gange . Das kleine Fräulein von Maiendorf lernte , mit einem Stock bewaffnet , die militärischen Griffe und den Parademarsch , und Herr Major Hartmut war so entzückt von ihren Fortschritten , daß er einmal über das andere versicherte : » Lisbeth , du verdientest wahrhaftig ein Soldatenkind zu sein ! « Sie waren beide so vertieft , daß sie es gar nicht bemerkten , wie Raimar mit Frau von Maiendorf in den Garten trat , bis der erstere lachend rief : » Aber Arnold – übst du hier Rekruten ein ? « » Ach , gnädige Frau – ich bitte um Verzeihung ! « fuhr Arnold auf , Wilma lächelte nur . Als ob es bei einer Mutter der Entschuldigung bedürfte , wenn man ihrem Kinde eine Freundlichkeit erweist ! Aber sie erwiderte seinen Gruß mit einer gewissen Befangenheit , und nun stellte sich auch noch Lisbeth vor sie hin und sagte in einem sehr vorwurfsvollen Tone : » Mama , Onkel Hartmut sagt , ich verdiente ein Soldatenkind zu sein – warum bin ich denn kein Soldatenkind ? « Die junge Frau wurde purpurrot , und ein Blick des Majors , den sie auffing , steigerte noch ihre Verwirrung ; glücklicherweise