Sträubens über die Backen . „ Sie haben mir viel Gutes gethan in den drei Jahren ; wenn ich zurückkomme , will ich ’ s redlich wieder gut machen , wenn nicht – vergelt ’ s Gott ! “ Damit drückte und schüttelte er mit seiner Riesenfaust die dargereichten Hände , nahm noch eine Ermahnung und ein paar gute Rathschläge in Empfang , schwenkte die Mütze und polterte die Treppe hinab , seinem Herrn nach , der bereits von dem Ehepaare Abschied genommen hatte und noch auf einen Augenblick in den Garten gegangen war . Der Professor stand am äußersten Ende desselben , auf die Gitterthür gestützt , und blickte träumend und unverwandt auf eine jetzt trockene Stelle des Heckenganges , der ihn von dem vorüberrauschenden Strome schied . Die Sonne war bereits untergegangen und das letzte Abendroth verglommen , am Himmel glänzten matt die ersten Sterne , zwischen den Bäumen und Gebüschen lagerten schon dämmernde Schatten , kühl strich der Nachthauch darüber hin . Von drüben her tönte das leise Murmeln und Rauschen der Wellen , die alte , liebe , vertraute Stimme flüsterte ihm den Abschiedsgruß , ob von der Heimath , ob vom ganzen Leben ? gleichviel – es war der letzte , den er zu erwarten hatte . Da rauschte es auf einmal auch von der anderen Seite , aber lauter , heftiger , wie ein seidenes Frauengewand , das den Kies des Ganges streifte ; Fernow wandte sich um , von einer Ahnung durchzuckt ; vor ihm stand Jane , todtenbleich , den Blick zu Boden geheftet , die Hände fest ineinander geschlungen und mit einem Ausdruck , als gelte es jetzt das Furchtbarste in ihrem ganzen Leben . Die Brust hob und senkte sich krampfhaft , die Lippen zuckten , sie wollten nicht gehorchen , und endlich öffneten sie sich doch zu dem verhängnisvollen Worte : „ Ich – ich bitte um Verzeihung ! “ „ Miß Forest ! Johanna ! “ rief er in ausbrechender Leidenschaft ; aber da hatte sie sich schon gewandt und floh , wie gejagt , den Gang hinauf . Er wollte ihr nachstürzen , da hallte die Stimme Friedrich ’ s laut durch den ganzen Garten . „ Herr Professor , wir müssen fort ! Herr Professor , wo sind Sie ? Wir haben keine Minute mehr Zeit ! “ Fort ! In diesem Augenblicke ! Die neue Pflicht forderte das erste schwere Opfer , ein minutenlanger Kampf , dann war es überstanden ! „ Ich komme ! “ klang es in festem Tone zurück . Er eilte dem Hause zu . Unter dem Weinlaub des Balcons dunkelte es bereits , nur die Umrisse der hellen Gestalt waren noch sichtbar , die sich zur Hälfte darunter verbarg ; einen Moment lang zögerte der Fuß des Professors , nur einen einzigen , und heiß und innig klang das nun endlich erzwungene Abschiedswort zu ihr hinauf : „ Lebe wohl ! “ Wochen und Monate waren vergangen , seit der erste Ruf zu den Waffen erklungen , und noch immer tobte das Kriegswetter mit unverminderter Gewalt , aber der Pfeil war auf den zurückgeschnellt , der ihn abgesandt . Am Rhein reifte friedlich die Traube und färbte sich dunkler von Tag zu Tag , auf den Feldern wogte die goldene Ernte , in den Städten flatterten die Siegesbanner , aber drüben in Frankreich , da sanken die Rebenhügel , verwüstet und blutgetränkt , da zerstampften Mann und Roß die blühenden Fluren , da schlug der Brand der Dörfer in flammender Lohe zum Himmel empor . All die Schrecknisse , die den Rheinlauben zugedacht waren , sie trafen jetzt den eigenen Boden , ein spätes , aber furchtbares Strafgericht für die einst so frevelhaft verheerte Pfalz , selbst der Sieger vermochte es nicht mehr zu hemmen , das einmal entfesselte Verderben nahm seinen Lauf , hinweg über Schuldige und Unschuldige , und das zuckende Land empfand jetzt endlich selbst die ganze Schwere des Wortes , mit dem es sich oft genug von jeder Verantwortung freigesprochen – c ’ est la guerre ! Ununterbrochen vorwärts ging der Siegeszug der deutschen Heere , vom Rhein zur Mosel , von der Mosel zur Maas , von der Maas zur Seine , Alles niederwerfend , was ihm im Wege stand . Stadt für Stadt öffnete ihre Thore , Festung auf Festung fiel nach längerem oder kürzerem Widerstande , die heiße Augustsonne brannte nieder auf sieben Schlachtfelder , sie begrüßte ebensoviel Siegesdenkmale , und das erste kühlere Wehen des September strich über jenen Boden , wo der weichende Feind , von allen Seiten umzingelt , eingeschlossen , erdrückt , sich endlich bezwungen gab . Ein ganzes französisches Heer , das einst gefürchtete Haupt an der Spitze , hielt nun wirklich den so sicher verheißenen Einzug in Deutschland , aber – ohne Wehr und Waffen , indeß seine Ueberwinder weiter vordrangen , mit rastlos eiserner Beharrlichkeit , nach dem Herzen Frankreichs , nach Paris ! In der Departementshauptstadt N. herrschte , trotzdem die eigentliche Kriegswoge längst darüber hinaus war , ein reges militärisches Leben . Die Stadt lag als eine der Hauptstationen auf der großen Militär- und Etappenstraße , die jetzt von Deutschland in das Innere Frankreichs führte . Nachrückende Regimenter , endlose Proviant- und Munitionscolonnen kreuzten sich hier mit den rückkehrenden Transporten von Kranken und Verwundeten , mit Ambulancen und Courieren , alle Straßen waren vollgepfropft mit Menschen , Wagen und Pferden , alle Quartiere überfüllt , und die beiden Reisenden , dem Anscheine nach Amerikaner oder Engländer , welche gestern angelangt waren , konnten , obwohl sie unzweifelhaft zu den Reichen gehörten , noch von Glück sagen , in einem Hôtel zweiten Ranges ein hochgelegenes , dürftig ausgestattetes Zimmer für einen unmäßigen Preis zu erhalten . Es war am Morgen nach ihrer Ankunft , der Fremde saß im Sopha , während seine junge Begleiterin am geöffneten Fenster stand und auf die Straße hinabblickte , wo sich auch heute wieder ein wirres Durcheinander von Fußgängern und