gedankt , als dies Leben – am Altar ! “ Ottfried hörte fast erstarrt zu , das schien ihm denn doch jedes Maß der Undankbarkeit und Unverschämtheit zu übersteigen , und sein Vater , an den sich all diese Beleidigungen richteten , der seine Gnade verschmäht , seine Wohlthaten mit Füßen getreten sah , Graf Rhaneck stand da , ohne sich zu regen , ohne auch nur mit einem Worte den wilden Ausbruch zu zügeln . Kein Zorn , nur eine immer zunehmende Angst sprach aus seinem Antlitz , als thue sich etwas Niegeahntes , Furchtbares vor ihm auf , und als Benedict die letzten Worte mit unverkennbarem Hasse herausschleuderte , da wendete er sich erbleichend ab und legte die Hand über die Augen . Aber wenn irgend etwas im Stande war , Benedict zur Besinnung zu bringen , so that es dies stumme Abwenden , seine Lippen zuckten . „ Sie werden meine Undankbarkeit himmelschreiend nennen , und Sie thun Recht daran ! “ sagte er ruhiger . „ Ich habe nur Gutes von Ihnen empfangen und lohne Ihnen so dafür , es ist verdammungswerth , ich weiß es , aber ich kann nicht anders ! “ Er neigte sich gegen den Grafen und wandte dann den Beiden den Rücken , Ottfried sah ihm nach , sah dann auf den Vater und schüttelte den Kopf , die Scene blieb ihm unbegreiflich . „ Papa , ist es möglich , das läßt Du Dir sagen ! Du ? – und schweigst dazu ? “ Der Graf richtete sich auf , er hatte auf einmal seine ganze Energie wieder . „ Schweig Du selbst , Ottfried ! “ sagte er befehlend , „ das sind Dinge , über die nur mir allein die Beurtheilung zusteht , aber vor Einem will ich Dich doch noch warnen . Du wirst Bruno nie wieder feindlich gegenübertreten , hörst Du ? Niemals ! Ich werde sorgen , daß es auch von seiner Seite nicht mehr geschieht . Wenn Ihr Euch nun einmal durchaus nicht vertragen könnt , so bleibt fern von einander , hassen dürft und sollt Ihr Euch nicht , und beleidigen , “ hier flammte sein Blick auf ’ s Neue drohend , „ beleidigen wirst Du ihn nicht wieder , oder ich fordere Rechenschaft von Dir . “ Ottfried schwieg , aber zum ersten Male stieg ein argwöhnisches , grübelndes Nachdenken in ihm auf , welchen Grund denn sein Vater hatte , diesen seinen Schützling fortwährend mit einer Schonung und Nachsicht zu behandeln , die sonst keineswegs in seinem Charakter lag und deren sich der eigne Sohn fast niemals erfreute . Er und Benedict waren sich sonst stets fremd geblieben , nur in der Kinderzeit hatte man sie bisweilen zusammengeführt , und Ottfried hatte nie erfahren , wie weit die Fürsorge des Vaters für Jenen eigentlich ging . Jetzt zum ersten Male sah er sich gegen den Fremden offenbar zurückgesetzt , sah , wie mit augenscheinlicher Vorliebe für diesen Partei genommen ward , gegen ihn . – Was war es denn eigentlich mit diesem Benedict ? „ Und jetzt komm ! “ schloß der Graf hastig , als wolle er den Eindruck der eben durchlebten Scene verwischen , „ laß uns nach Rhaneck zurückkehren , es ist hohe Zeit ! “ Ottfried gehorchte , zuvor jedoch nahm er Benedict ’ s Spinoza von dem Feldsteine , auf dem er bisher gelegen , und schickte sich mit einiger Ostentation an , den Band in seine Jagdtasche zu stecken . „ Was hast Du da ? “ fragte der Graf zerstreut . „ Die Lieblingslectüre des Herrn Pater Benedict ! “ entgegnete Ottfried boshaft , ihm das Buch hinüberreichend . Der Graf schlug den Titel auf und fuhr zurück . „ Auch das noch ! Allmächtiger Gott , was soll daraus werden ! “ Er steckte das Buch zu sich und wendete sich dann kurz zu seinem Sohne . „ Du schweigst gegen den Oheim , ich werde selbst mit Bruno darüber sprechen ! Jetzt laß uns gehen . “ Ottfried folgte mit verbissenem Zorn , er sah , daß dem gehaßten Mönche nicht beizukommen war , der Vater war offenbar entschlossen , ihn mit seiner ganzen Macht zu schützen . – Lucie hatte inzwischen den Garten von Dobra erreicht , wo Fräulein Reich sie mit einer Strafpredigt über ihr eigenmächtiges Davonlaufen und allzu langes Ausbleiben empfing , aber schon bei dem ersten Satze stockte Franziska , als sie die verweinten Augen und die niedergeschlagene Miene des jungen Mädchens gewahrte . „ Um Gottes willen , Kind , was ist denn vorgefallen ? “ rief sie erschreckt . „ Ist etwas passirt ? Hat Ihnen Jemand irgend etwas zu Leide gethan ? “ Lucie schüttelte den Kopf , sie wollte den alten übermüthigen Ton wieder anschlagen , wollte mit irgend einem Scherz ausweichen , aber die Lippen versagten ebenso sehr das Lächeln , als die Stimme den Scherz . Sie warf noch einen Blick zurück nach dem Walde , dann schlang sie plötzlich beide Arme um den Hals Franziskas , verbarg den Kopf an deren Brust , und brach ohne ein Wort , ohne eine Erklärung auf ’ s Neue in ein bitterliches Weinen aus . Das Stift feierte eines der hohen katholischen Kirchenfeste , und wie stets bei solchen Gelegenheiten , bot die große prachtvolle Stiftskirche den Mittelpunkt und Versammlungsort für die Andächtigen der ganzen Umgegend . Die weiten Hallen der Kirche vermochten kaum die herbeigeströmte Menge zu fassen , die sich dort Kopf an Kopf drängte . Der Prälat , unter Assistenz der gesammten Geistlichkeit seines Stiftes , hielt heute selbst das Hochamt , mit all dem kirchlichen Pomp und Glanz , der dem hohen Festtage ziemte . Von draußen her fiel der helle Sonnenschein durch die hohen Bogenfenster und die prachtvollen Glasmalereien warfen purpurfarbene und tiefblaue Lichter auf den Marmorboden . Vom Chore hernieder rauschte die Musik in vollen mächtigen Accorden , und der Gesang wehte an den hohen Wölbungen hin