ein wenig stumpf ins Weite , und die kleinen Hände griffen nicht nach dem Stöckchen , das der Vater ihr hinhielt . Hauke achtete nicht darauf , er wußte auch nichts von so kleinen Kindern ; nur Elke , wenn sie das helläugige Mädchen auf dem Arm ihrer Arbeitsfrau erblickte , die mit ihr zugleich das Wochenbett bestanden hatte , sagte mitunter schmerzlich : » Das Meine ist noch nicht so weit wie deines , Stina ! « Und die Frau , ihren dicken Jungen , den sie an der Hand hatte , mit derber Liebe schüttelnd , rief dann wohl : » Ja , Frau , die Kinder sind verschieden ; der da , der stahl mir schon die Äpfel aus der Kammer , bevor er übers zweite Jahr hinaus war ! « Und Elke strich dem dicken Buben sein Kraushaar aus den Augen und drückte dann heimlich ihr stilles Kind ans Herz . – – Als es in den Oktober hineinging , stand an der Westseite die neue Schleuse schon fest in dem von beiden Seiten schließenden Hauptdeich , der bis auf die Lücken bei dem Priele nun mit seinem sanften Profile ringsum nach den Wasserseiten abfiel und um fünfzehn Fuß die ordinäre Flut überragte . Von seiner Nordwestecke sah man an Jevershallig vorbei ungehindert in das Wattenmeer hinaus ; aber freilich auch die Winde faßten hier schärfer ; die Haare flogen , und wer hier ausschauen wollte , der mußte die Mütze fest auf dem Kopf haben . Zu Ende November , wo Sturm und Regen eingefallen waren , blieb nur noch hart am alten Deich die Schlucht zu schließen , auf deren Grunde an der Nordseite das Meerwasser durch den Priel in den neuen Koog hineinschoß . Zu beiden Seiten standen die Wände des Deiches ; der Abgrund zwischen ihnen mußte jetzt verschwinden . Ein trocken Sommerwetter hätte die Arbeit wohl erleichtert ; aber auch so mußte sie getan werden , denn ein aufbrechender Sturm konnte das ganze Werk gefährden . Und Hauke setzte alles daran , um jetzt den Schluß herbeizuführen . Der Regen strömte , der Wind pfiff ; aber seine hagere Gestalt auf dem feurigen Schimmel tauchte bald hier , bald dort aus den schwarzen Menschenmassen empor , die oben wie unten an der Nordseite des Deiches neben der Schlucht beschäftigt waren . Jetzt sah man ihn unten bei den Sturzkarren , die schon weither die Kleierde aus dem Vorlande holen mußten und von denen eben ein gedrängter Haufen bei dem Priele anlangte und seine Last dort abzuwerfen suchte . Durch das Geklatsch des Regens und das Brausen des Windes klangen von Zeit zu Zeit die scharfen Befehlsworte des Deichgrafen , der heute hier allein gebieten wollte ; er rief die Karren nach den Nummern vor und wies die Drängenden zurück ; ein » Halt ! « scholl von seinem Munde , dann ruhte unten die Arbeit ; » Stroh ! ein Fuder Stroh hinab ! « rief er denen droben zu , und von einem der oben haltenden Fuder stürzte es auf den nassen Klei hinunter . Unten sprangen Männer dazwischen und zerrten es auseinander und schrien nach oben , sie nur nicht zu begraben . Und wieder kamen neue Karren , und Hauke war schon wieder oben und sah von seinem Schimmel in die Schlucht hinab und wie sie dort schaufelten und stürzten ; dann warf er seine Augen nach dem Haff hinaus . Es wehte scharf , und er sah , wie mehr und mehr der Wassersaum am Deich hinaufklimmte und wie die Wellen sich noch höher hoben ; er sah auch , wie die Leute trieften und kaum atmen konnten in der schweren Arbeit vor dem Winde , der ihnen die Luft am Munde abschnitt , und vor dem kalten Regen , der sie überströmte . » Ausgehalten , Leute ! Ausgehalten ! « schrie er zu ihnen hinab . » Nur einen Fuß noch höher ; dann ist ' s genug für diese Flut ! « Und durch alles Getöse des Wetters hörte man das Geräusch der Arbeiter : das Klatschen der hineingestürzten Kleimassen , das Rasseln der Karren und das Rauschen des von oben hinabgelassenen Strohes ging unaufhaltsam vorwärts ; dazwischen war mitunter das Winseln eines gelben Hundes laut geworden , der frierend und wie verloren zwischen Menschen und Fuhrwerken herumgestoßen wurde ; plötzlich aber scholl ein jammervoller Schrei des kleinen Tieres von unten aus der Schlucht herauf . Hauke blickte hinab ; er hatte es von oben hinunterschleudern sehen ; eine jähe Zornröte stieg ihm ins Gesicht . » Halt ! Haltet ein ! « schrie er zu den Karren hinunter ; denn der nasse Klei wurde unaufhaltsam aufgeschüttet . » Warum ? « schrie eine rauhe Stimme von unten herauf ; » doch um die elende Hundekreatur nicht ? « » Halt ! sag ich « , schrie Hauke wieder ; » bringt mir den Hund ! Bei unserm Werke soll kein Frevel sein ! « Aber es rührte sich keine Hand ; nur ein paar Spaten zähen Kleis flogen noch neben das schreiende Tier . Da gab er seinem Schimmel die Sporen , daß das Tier einen Schrei ausstieß , und stürmte den Deich hinab , und alles wich vor ihm zurück . » Den Hund ! « schrie er ; » ich will den Hund ! « Eine Hand schlug sanft auf seine Schulter , als wäre es die Hand des alten Jewe Manners ; doch als er umsah , war es nur ein Freund des Alten . » Nehmt Euch in acht , Deichgraf ! « raunte der ihm zu , » Ihr habt nicht Freunde unter diesen Leuten ; laßt es mit dem Hunde gehen ! « Der Wind pfiff , der Regen klatschte ; die Leute hatten die Spaten in den Grund gesteckt , einige sie fortgeworfen . Hauke neigte sich zu dem Alten . » Wollt Ihr meinen Schimmel halten , Harke Jens ? « frug er ; und