Herrn hinterbracht , wie der Bischof zunehme und groß werde im Volke der Sachsen und seine gleisnerischen Hände überall und allezeit hilfreich und segnend ausstrecke . Er unterwühle das Reich mit einem heimlich brütenden frommen Aufruhr der Seelen , gefährlicher als ein offener und körperlicher , weil er sich nicht mit Waffen niederwerfen lasse . Wurde dem König solcher Argwohn eingeraunt , so gab der Gereizte seinem liebsten Rüden einen Tritt und behandelte auch mich unwirsch , besonders wenn ich ihm eines jener subtilen Schreiben überreicht hatte , in welchen der Primas mir der ängstlichen Linken zurücknahm , was seine großmütige Rechte gegeben . Dann geschah es wohl , daß der Herr das trügliche Schriftstück fluchend in der Faust zerdrückte und zur Jagd blasen ließ , ob er seinen Unmut auf freier Heide verwinde . Aber es gelang ihm nicht . Wurde ihm der Edelhirsch zugetrieben und reichte ich ihm die Armbrust , so erblickte er statt des geängstigten Wildes seinen Verfolger , stöhnte qualvoll : › Hüte dich , Thomas Schlankhals ! ‹ und durchbohrte dem Tiere das Herz . Endlich entschloß sich Herr Heinrich , forderte den Primas vor ein Gericht seiner Barone , ließ ihn als Reichsverräter verurteilen und vertrieb ihn auf ewig aus seinen Landen Am selben Tage aber , da Herr Thomas wie ein Verbrecher über Meer entfliehen mußte , wich Frau Ellenor von ihrem Gemahl und verließ Schloß Windsor mit einem weit vernehmbaren Wehegeschrei . Jetzt begann das Ohr meines Herrn und Königs Tag und Nacht über Meer zu lauschen , was Herr Thomas drüben beginne . Zuerst verlautete , der Kapetinger habe ihn an der jenseitigen Küste mit Ehrfurcht empfangen und um seinen Segen gebeten Ihn versichernd , er , als ein christlicher Fürst , habe wahrlich sein Leben lang nie einen Mönch beleidigt , geschweige einen Bischof . Das war König Ludwig , den sie den Jüngling nannten , weil er als ein unbärtiger Knabe den Thron bestieg , und der Name blieb ihm , da er es nie zu einer herzhaften Männlichkeit gebracht hat ; wie denn auch Frau Ellenor , die er als seine Königin heimgeführt hatte , in der Gärung ihrer übermütigen Jugend sich bitterlich beklagte , man habe sie mit einem heiligen Mönche vermählte . Dieser Herr war ein geborner Freund der Geistlichkeit und beschwor den Vater der Christen mit Beilegung goldener Pfennige , die Sache des heiligen Primas an die Hand zu nehmen gegen Herrn Heinrich , welcher sein und seines Hauses Erbfeind war und den er mit den Waffen der Kirche wirksamer zu bekriegen hoffte , als mir seinen weltlichen . Seinerseits hielt der Heilige Vater die Waage in sorgsamer Hand , beflissen seine Gnade je und je in diejenige der Schalen zu legen , die durch das Gewicht hineingelegten Goldes herabgezogen werde . Diese päpstliche Weisheit gedieh meinem Könige in jener Zeit zum Nachteil , da ihn seine Kriege in Irland ein schweres Geld kosteten und ihm weniger als früher für den Vater der Christenheit übrigblieb . Dennoch zögerte der Heilige Vater , für Herrn Thomas ohne Rückhalt einzutreten . Er konnte kein rechtes Vertrauen zu ihm fassen und in seinem Geiste den verfolgten Bischof von dem ehemaligen Kanzler nicht sondern . Diesen hatte er wiederholt als einen durchtriebenen Staatsmann erfahren und es erschien ihm verdächtig , daß er jetzt von seiner Kunst keinen Gebrauch mache , sondern sich verfolgen lasse wie ein großer Apostel der ersten Kirche oder ein schwärmerischer Ketzer der jüngsten Zeit . Es wurde mir von glaubwürdigen Zeugen versichert , und wie ich Herrn Thomas kannte , hielt ich es für Wahrheit , er habe seine Sache heilig gehalten und seine Hände rein von jedem Verrat an seinem Herrn und Könige , den Papst nicht weiter in Anspruch genommen und vom Kapetinger nichts verlangt als eine Klosterzelle , wohin er sein Haupt berge . Dergestalt ging er denn , vom Heiligen Vater aufgeopfert , die Hoflager des Kapetingers vermeidend , am Wanderstabe des Elends von Kloster zu Kloster , und oft verloren sich seine Spuren . Während so seine Leiblichkeit in Frankreich abnahm und schwand , wuchs seine Macht und geistige Gegenwart in Engelland und stand über den trauernden Sachsen wie der Vollmond in der Nacht . Oder , wenn Ihr lieber wollt , Herr Thomas wohnte wie das Christkind im Stalle , niedrig und prächtig , in allen englischen Hütten und Herzen . Er herrschte dort als König und vertrieb die Furcht aus den Seelen . Diese meine Augen haben es gesehen , wie die Sachsen und mehr noch ihre Weiber jetzt , da Herr Heinrich den Primas gerichtet hatte , seiner Majestät Ehrfurcht und Kniebeugung verweigerten , sich abkehrend wo der vorüberritt . Noch ist mir ein Stücklein davon erinnerlich . Mein König lustwandelte eines Tages in seinen Gärten , wo sie sich gegen Wald und Fluß ins Freie verlieren , und ich ging nach meiner Gewohnheit von ferne in seinen Stapfen . Da kroch aus den blühenden Büschen ein blondes Sachsenkind hervor und geriet dem König zwischen die Füße . Der heute gutgelaunte Herr hob den Buben auf , liebkoste ihn und drückte ihm ein Silberstück in das Händchen . › Halte fest , mein Junge ! ‹ sagte er . Da sprang die Mutter , die sich in einer ersten Anwandlung von Ehrfurcht und Zittern hinter einen Baumstamm geduckt hatte , mit brennenden Augen hervor , entriß dem Kinde die Münze und warf sie entsetzt ins Dickicht , als wäre es einer der dreißig verfluchten Silberlinge . Ich eilte herbei , um die Freche , welche mit dem Kinde auf dem Arme davonrannte , zu ergreifen . Herr Heinrich aber sprach : › Hans , laß sie laufen ! ‹ und wandelte fürbaß mit verdorbener Laune , seufzend und nachdenklich . Tag und Nacht ging alles Träumen und Sinnen meines Königs darauf hin , wie er Herrn Thomas seiner Primaswürde , an der , wie er sich einredete , die Verehrung der Sachsen hing , rechtsgültig und