, einreitend , seine Gestalt aus den Zollbeamten hervorragen sah , mit denen er sich herumstritt . Weder begrüßte er mich , noch verbarg er sich . Die Vermessenheit seiner Haltung hatte etwas Beleidigendes . Eure Mühe wird umsonst sein , fürchte ich , Madonna . Der Verlorene wird nicht weichen wollen – so stirbt er . – Schade um ihn . Er ist ein vorzüglicher Jurist . « Der Herzog erhob sich von der Tafel und verabschiedete sich bei der Herzogin , die der Übung gemäß sich für eine Woche zu den Klarissen zurückzog , um für das Seelenheil des verblichenen Bruders zu beten . Dann verabredete er mit ihr noch leise , unter welchen Worten verborgen , sie ihm durch den Haushofmeister das Ergebnis ihrer Unterredung mit Strozzi melden sollte . Diese fand in einem kleinen Rundzimmer unter den drei Flämmchen einer schwebenden Ampel in Gegenwart Angelas statt und war kurz und stürmisch . Ungestüm trat Strozzi auf mit flammenden Augen und eherner Stirn , gebräunt von Wind und Sonne des Feldzugs . Ungeladen rückte er sich einen Schemel zu Füßen der Herzogin . Diese war völlig ohne Furcht . Ihr von den reichlich vergossenen Tränen gebadetes Angesicht war hell und friedlich . Strozzi täuschte sich keinen Augenblick darüber , daß er mit dem Tode Don Cesares für sie zu einem Schatten , zu einem Nichts geworden war . Und doch war er gesonnen , durch den Gefallenen ewig mit ihr verbunden , nicht von ihr zu weichen . » Erzähle ich Euch « , fragte er , » die letzten Augen blicke des Bruders ? « » Nein , Strozzi . Ich weiß , daß er nach der Art seines Hauses tapfer unterging , und weiß , daß er in Pampelona mit allen christlichen Gebräuchen bestattet wurde – der Ärmste . « Von jetzt an nannte Lucrezia den Dämon , der ihr Bruder gewesen war , nicht anders mehr als den Ärmsten , so wie sie ihr Ungeheuer von Vater längst den Guten nannte . Dann fuhr sie mit einem Seufzer fort : » Der arme Bruder bedarf der Fürbitte ! Und noch heute nacht werde ich mich , um dieser Pflicht zu genügen , zu den Klarissen zurückziehen , in Übereinstimmung mit dem Ermessen meines erlauchten und geliebten Gemahls . « So sagte sie , und es war ihr Ernst , ohne sich von dem Hohngelächter in den Augen des Richters über die Frömmigkeit Lucrezia Borgias und ihre Liebe zu Don Alfonso im mindesten stören zu lassen . Eine Pause entstand . » Ich habe einen Auftrag meines Gemahls an Euch « , sagte die Herzogin . » Ihr habt Euch schwer gegen ihn vergangen , Strozzi , seinem Befehl geradezu entgegenhandelnd . Auch gegen mich , indem Ihr meiner Torheit gehorchtet , obwohl Ihr sehen mußtet , daß mich die flehende Forderung meines Bruders aus den Schranken der Pflicht geschleudert hatte . Wehe dem Manne , der einer Pflichtlosen traut ! Die Engel haben mich Stürzende gerettet und ich , mit der Gnade Gottes , möchte Euch retten . Der Herzog will Euch die zweifache Schuld gegen ihn und mich vergeben , unter einer einzigen Bedingung , Strozzi ! einer leichten Bedingung ... daß Ihr Ferrara verlasset noch diese Nacht und nimmermehr zurückkehret . Benutzet diese seltene Gunst ! Es ist ganz gegen die Weise des Herzogs , einen vorzüglichen Diener , wie Ihr seid , zu entlassen und einem andern italienischen Staate zu gönnen ! Denn nicht einmal Italien sollt Ihr meiden ... « » Du verlierst deine Mühe , Lucrezia « , unterbrach sie Strozzi zügellos , » ich weiche nicht aus Ferrara , noch von dir ! Wir gehören zusammen , Don Cäsars Wille hat uns vermählt ! « Lucrezia lächelte schwach . Dann flehte sie , den durchsichtigen Schleier der Scheinheiligkeit , in den sie sich verhüllt hatte , abwerfend , mit bittenden und trauernden Augen : » Wenn ich dir wert bin , Herkules , so rette dich ! Ich mag und will dich nicht auf der Seele haben ! ... Liebst du mich « , lispelte sie , » so fliehe ! « Da empörte sich die stille Angela gegen diese Verführung – selbst zum Guten , zur Rettung . » Richter « , wandte sie sich mit heißen Wangen gegen Strozzi , » es ist schmachvoll , daß Ihr zaudert . Fort aus Ferrara ! Wie ? ein Mann , den die Jugend als ihr Vorbild bewundert , ein Lehrer des Rechts , hat nicht die Kraft , mit dem Bösen zu brechen und den Zauber eines armen Weibes zu fliehen ! – Errötet ! ... « » Was träumt diese da von Gut und böse ? « überschäumte Strozzi und sprang in die Höhe . » Was phantasiert sie von Recht und Unrecht ? ... Es gibt kein Recht ! ... Dieser schöne Frevel hier « , er blickte auf Lucrezia , » hat es getötet ! Du aber , Mädchen , schweige ! Was verstehst du von Liebe ! eine , die den Liebsten blendet – einkerkern läßt – seinen Kerkermeister nicht besticht – sich nicht in seine Arme schleicht – nicht sein Weib , seine Magd wird – was weiß eine solche von Liebe ! Denn Liebe « , flüsterte er geheimnisvoll , » läßt ihr Ziel nicht ! Nimmermehr ! Nimmerdar ! Morde mich , Lucrezia ! Hier ! « und er zeigte auf sein Herz . Sie starrte den Richter mit bleichen Augen an und alle Lieblichkeit war von ihr gewichen . In diesem Augenblick ging der Türvorhang auseinander und auf der Schwelle stand der höchst würdevolle Haushofmeister mit dreierlei Anliegen . Er meldete die Sänfte der Herzogin ; dann trug er die Frage vor , ob sie schon morgen bei den Klarissen den Besuch des Herzogs erwarte . Sie verneinte es , und dieses Nein mochte wohl für den Herzog bedeuten , daß der Richter seine Gnade von sich stoße . Zuletzt