, für ein Mädchen im Arbeitskittel mit hartgearbeiteten Händen . Aber stand es der , welche da neben dem Hochmütigen im bräutlichen Liebreiz lächelte , auf der weißen Stirn geschrieben , daß sie adligen Blutes gewesen war ? – Durfte sich das Mädchen mit dem dunkeln Haargewoge nicht kühnlich an die Seite dieser Blonden stellen ? War sie nicht ebenso schön , und hatte sie nicht auch diesen seelenvollen , bezwingenden Blick , der hier im Bild und dort unter dem verhüllenden Tuch hervor , das er mit kecker Hand zurückgestreift , so sonderbar an sein Herz gerührt ? – Mochte es draußen noch so schwül sein , es breiteten sich doch weite Wiesenflächen hin , über denen der hohe , blaue Himmel stand , und lange Weglinien schafften den wandernden Füßen Raum im Walde – hier erdrückte ihn die niedere Decke auf den engen vier Wänden ... Er griff nach seinem Hut . Die hingeschleuderte Feder lag in einer Tintenlache auf einem halbbeschriebenen , sauberen Briefbogen , und verschiedene leichte Zettel waren bei seinem hastigen Aufspringen von der Tischplatte herab auf den Boden geflogen . Er hatte keinen Blick für diese Unordnung . Mochte der Buchhalter daheim noch so dringend der erbetenen Weisungen bedürfen , der Chef der großen Firma Markus , sonst der strengste und gewissenhafteste Arbeiter seines Kontors , stürmte hinaus , achtlos die geschäftlichen Interessen hinter sich lassend . 11. Er schlug ohne weiteres den am Fichtengehölz hinlaufenden Weg ein . Seine Vorsätze , aus eigenem Antrieb das Vorwerk nicht wieder aufzusuchen , waren verweht wie die leichten Staubwölkchen , welche die dicke , heiße , träge dahinstreichende Nachmittagsluft von dem ausgedörrten Feldweg aufnahm und vor seinen Augen zerblies . – Er scheute sich auch nicht , nachdem er die linke Flanke des Gehöftes umschritten , vor den geschlossenen Torflügeln halt zu machen und in den Hof durch dieselben Bretterspalten zu sehen , vor welchen zwei Tage früher der Bettler gekauert , dem die Armut ein paar Zehrpfennige hingeworfen hatte . Über dem weißgebleichten Pflaster des öden Hofes , das seit vielen Tagen kein fallender Regentropfen benetzt hatte , flimmerte die brütende Sonnenglut . Das Federvieh mochte sich von den glühenden Steinen in dunkle Stallecken zurückgezogen haben , und der angekettete Hund , der jenseits der Mauer bei den nahenden Schritten des Gutsherrn einen schwachen Kläffversuch gemacht , hatte es auch wieder aufgegeben , bei der Hitze zu lärmen . In dem Zimmer der alten Leute dagegen , die das alte feuchte Gemäuer des niederen Wohnhauses Tag und Nacht anfröstelte , schien der heiße Brodem willkommen zu sein – zwei Fenster standen weit offen . An dem einen saß lesend der Amtmann , und durch das andere sah Herr Markus die Kranke mit gefalteten Händen still in ihren Kissen liegen . Die beiden Alten waren allein ; hinter den vorhanglosen Fenstern zur Rechten der geschlossenen Haustür rührte und regte sich nichts , und das Dachstubenfenster streifte der Blick des Suchenden nur flüchtig – es war ihm sehr gleichgültig , ob Fräulein Erzieherin hinter den Rosenstücken sitze oder nicht ; er hatte nur einen Gedanken , nur den einen ! Und der trieb ihn an , nun auch nach rechts das Gehöft zu umgehen und das Küchenfenster zu besichtigen . Aber auch hier war es still und einsam , wie im Garten , den er gleich darauf durchschritt , wie auf dem ganzen , zum Vorwerk gehörenden Gelände , das er über den Weißdorn hinweg übersehen konnte . Er nagte zornig an der Unterlippe – sollte er wirklich nach dem Grafenholz gehen , um zu erfahren , daß er ein Narr sei , daß er demütigenderweise das Nachsehen habe ? ... Wenn sie das zu Hause gewußt hätten ! – Das Triumphgeschrei seiner Bekannten , die er so oft mit ihrem » Liebesfieber « gehänselt , die Entrüstung seiner Stiefmutter , die eine Geheimratstochter war , das boshafte Gekicher der jungen Damen , denen gegenüber er oft genug den ganzen Übermut eines Unbesiegten geltend gemacht , er malte sich das alles in den lebhaftesten Farben ; aber dabei durcheilte er immer hastiger sein eigenes Waldrevier und arbeitete sich schließlich durch das Gestrüpp nach dem Schlupfwinkel hinter der Buche , von welchem aus er das Forstwärterhaus beobachten konnte . Er begriff , daß es stets wie eine Art Rettung des Leibes und der Seele empfunden werden müsse , das wüste , staubumwirbelte Gehöft am Fichtenhölzchen mit dem roten Hause da , wenn auch nur für Stunden , zu vertauschen . Wie ein schmucker , rotglänzender Würfel lag es da auf grüner Rasendecke , die kein sonnenversengtes Hälmchen entstellte , mitten im dunkelnden Buchengrün , hinter sich die himmelhohe , steile , quellenreiche Waldwand , die strotzendes Leben in rieselnden Wasseradern zu Tale schickte . Heute hatte es sein Äußeres in etwas verändert ; die Vogelkäfige mit ihren lärmenden Insassen hingen nicht am oberen Giebelfenster , und alle Fenster der Eckstube , welche der Forstwärter für die Kranke auf dem Vorwerk aufheben wollte , waren durch niedergelassene Rollvorhänge verdunkelt – eine tiefe Ruhe webte um das Haus , eine so behütete Stille , daß man hätte meinen können , die nervenleidende alte Dame sei bereits hierher übergesiedelt . Jedenfalls lag die Wohnung unter festem Verschluß – es war niemand daheim , und deshalb verließ der Gutsherr nach kurzem Verweilen seinen Beobachtungsposten , um zurückzukehren – in diesem Augenblick machte ein plötzliches schallendes Gelächter seinen Fuß stocken . Es kam von der Hausecke mit den verhüllten Fenstern her – ein anhaltendes , tolles , ausgelassenes Lachen , das , in die tiefe Waldruhe hineinklingend , roh und verletzend das Ohr berührte . – Darauf folgte erregtes Stimmengemurmel , und der eine Rollvorhang flog ein wenig auf , als bewege ihn ein unruhiges Treiben im Inneren der Stube ... Der Herr Forstwärter hatte Besuch , eine Gesellschaft guter Freunde , die es sich im kühlen Zimmer wohl sein ließen . Wie Herr Markus meinte , mochten da drüben in der traulichen