Blütenpracht lag der Garten unter der Mittagssonne vor ihr , einsam und still allenthalben . Dann flog ein Schatten über ihre Züge . Dort hinten , unter den Kastanien , wo die Sonnenstrahlen wie goldene Flocken durch das Blättergewirr brachen , ging ein Mensch . Kein Zweifel – 134 er war es , der aus Tante Rosas Stübchen . Wie kam er dazu , in den Garten einzudringen ? – Wo hatte sie doch seinen Namen schon gehört ? Sie schreckte empor , als hätte sie etwas Unangenehmes berührt . » Wolff « – der Name stand auf der Visitenkarte , die dem Blumenkorbe beigegeben war , der am Hochzeitsabend – ja freilich ! Aber sie hatte den Mann auch schon gesehen – wo doch gleich ? Vielleicht bei Artur , draußen in der Fabrik ? Es konnte sein . Sie hob den Kopf , und ihre Augen leuchteten wieder . Dort bog der Wagen in das Gittertor . Er lenkte die Pferde und im Fond des leichten Gefährts saß , neben dem erwarteten Freunde , Onkel Heinrich und schwenkte sein rotes Taschentuch . Die Herren waren in allerbester Stimmung ; es wurde eine lebhafte Begrüßung . » Jetzt sieht ' s hier anders aus , Franz « , sagte der kleine Amtsrichter und klopfte Linden auf die Schulter und schüttelte der jungen Frau die Hand . Er war so vergnügt , daß er sich sogar nach Tante Rosa erkundigte . » Oh , siehst du , Kind « , entschuldigte Onkel Heinrich sein Kommen , » ich wäre nicht schon wieder hier , aber der Wirt im › Deutschen Hause ‹ ist gestorben heute früh , ich kann da nicht essen , ' s ist mir nicht möglich . Du hast doch Spargel ? « » Wird nichts verraten , Onkelchen ! « Sie legte ihren Arm in den des alten Herrn und schritt zwischen ihren Gästen die Stufen hinauf . Oben 135 wandte sie den Kopf zurück und trat dann rasch an die Brüstung der Veranda . Dort stand dieser Wolff wie hingezaubert vor ihrem Manne , den Hut devot in der Hand , und sein Gesicht war eitel Lächeln . » O la la ! « sagte Onkel Heinrich , » wo kommt der her , Trudchen ? « Der Amtsrichter sah unter seiner blauen Brille hervor mit gespannter Aufmerksamkeit auf die beiden Herren . Jetzt winkte Linden kurz mit der Hand und sie schritten den Weg entlang , der nach dem Gittertor und zum Hofe führte . Wolff immer eifrig sprechend . Trudchen bog sich weit über das Eisengeländer . Es kam ihr vor , als ob Franz unwillig sei . Nun standen sie still , Franz öffnete die Gittertür und wies plötzlich mit einer nicht mißzuverstehenden , sehr energischen Gebärde hinaus . Herr Wolff zögerte , er sprach wieder . Da noch einmal , noch heftiger die stumme Gebärde , und wie ein Blitz verschwand der kleine Mann . Klirrend fiel die Tür ins Schloß , und Franz kam zurück , aber langsam , als müsse er sich erst sammeln , und dunkelrot , wie nach heftigem Ärger . Sie ging ihm entgegen , aber fragte nicht . Vor den Gästen wollte sie ihn nicht zum Reden bringen . Sie drückte nur verstohlen seine Rechte und sprach heiter über die Freude , Besuch zu haben . » Scharmant ! « sagte er zerstreut , » aber bitte 136 Trudchen , unterhalte dich mit Onkel Heinrich . Richard , komm einen Augenblick – ich muß – ich will dir deine Stube zeigen . « Und die Freunde gingen zusammen hinaus . » Weißt du auch , daß du nachmittag noch mehr Gäste bekommst ? « fragte der alte Herr , sich behaglich im Salon niederlassend . » Deine Mutter und Fredrichs . Sie sind gestern zurückgekehrt . Tausend Wetter , sieht Frau Jenny fesch aus ! Und , Gott sei Dank , ist auch das Milchgesicht , der Artur , ein bißchen von der Sonne angebräunt . « » Ja « , sagte Trudchen , » er war noch vier Wochen mit ihnen an den italienischen Seen . « Und als besinne sie sich jetzt erst : » Wie es mich aber freut , daß Mama gleich herauskommen will ! Ach , Onkel , wenn sie sich doch mit Franz aussöhnte ! « » I was , Trudchen , sorge dich nicht , wird sich schon machen . Er ist nicht der Mann , der sich etwas gefallen läßt . « » Was nur dieser Wolff von ihm wollte ? « » Hm ! – Wo , um ' s Himmels willen ! bleiben sie denn aber ? « fragte ungeduldig der Onkel . » Hungert dich ? « erkundigte sie sich zerstreut . » Hungern ? Wie kann man so plebejisch fragen ! für den Hunger tut ' s ein Gericht Schweinefleisch mit Rüben . Ich habe Appetit , mein Kind ! O la la – der Spargel wird schlecht werden , wenn die beiden so lange bleiben . « – Es war ein sehr behagliches Bild , das sich der 137 Frau Baumhagen darbot , als sie nebst Jenny und Artur vor den Stufen der Veranda anlangte . Man saß eben noch beim Nachtisch , und Onkel Heinrich , die Serviette im Knopfloch , das erhobene Champagnerglas in der Hand , rief ihnen an der Saaltür ein kräftiges » Willkommen ! « entgegen , während das junge Paar eilig die Stufen hinabschritt . Trudchen mit purpurroten Wangen . Sie war so stolz , so glücklich . Frau Baumhagen sah erstaunt auf ihr Kind . Das blasse , stille Mädchen war aufgeblüht wie eine Rose ; » es sind doch die Flitterwochen « , sagte sie sich , und unablässig folgten an diesem Tage ihre Augen der jüngsten Tochter . Unter der Kastaniengruppe stand der Kaffeetisch ; es war ein köstliches Fleckchen . Über den grünen Rasenflächen , an prächtig belaubten Bäumen vorbei schweifte der