erwähnte , werden mutmaßlich folgen . Alles in diesem anonymen Angriff ist klug berechnet , und klug berechnet ist auch der Einfall , das Gift nicht gleich auf einmal zu geben . Es wird seine Wirkung nicht verfehlen , und nur auf das › Wie ‹ haben wir zu warten . Tout à vous . S. « In der Tat , die Besorgnis , die Sander in diesen Zeilen an Bülow ausgesprochen hatte , sollte sich nur als zu gerechtfertigt erweisen . Intermittierend wie das Fieber , erschienen in zweitägigen Pausen auch die beiden andern Blätter und wurden , wie das erste , von jedem Vorübergehenden gekauft oder wenigstens begafft und besprochen . Die Frage Schach-Carayon war über Nacht zu einer cause célèbre geworden , trotzdem das neubegierige Publikum nur die Hälfte wußte . Schach , so hieß es , habe sich von der schönen Mutter ab- und der unschönen Tochter zugewandt . Über das Motiv erging man sich in allerlei Mutmaßungen , ohne dabei das Richtige zu treffen . Schach empfing auch die beiden andern Blätter unter Couvert . Das Siegel blieb dasselbe . Blatt zwei hieß » La gazza ladra « oder » Die diebische Schach-Elster « und stellte eine Elster dar , die , zwei Ringe von ungleichem Werte musternd , den unscheinbareren aus der Schmuckschale nimmt . Am weitaus verletzendsten aber berührte das den Salon der Frau von Carayon als Szenerie nehmende dritte Blatt . Auf dem Tische stand ein Schachbrett , dessen Figuren , wie nach einem verlorengegangenen Spiel und wie um die Niederlage zu besiegeln , umgeworfen waren . Daneben saß Victoire , gut getroffen , und ihr zu Füßen kniete Schach , wieder in der persischen Mütze des ersten Bildes . Aber diesmal bezipfelt und eingedrückt . Und darunter stand : » Schach – matt . « Der Zweck dieser wiederholten Angriffe wurde nur zu gut erreicht . Schach ließ sich krank melden , sah niemand und bat um Urlaub , der ihm auch umgehend von seinem Chef , dem Obersten von Schwerin , gewährt wurde . So kam es , daß er am selben Tag , an dem , nach gegenseitigem Abkommen , seine Verlobung mit Victoire veröffentlicht werden sollte , Berlin verließ . Er ging auf sein Gut , ohne sich von den Carayons ( deren Haus er all die Zeit über nicht betreten hatte ) verabschiedet zu haben . Vierzehntes Kapitel In Wuthenow am See Es schlug Mitternacht , als Schach in Wuthenow eintraf , an dessen entgegengesetzter Seite das auf einem Hügel erbaute , den Ruppiner See nach rechts und links hin überblickende Schloß Wuthenow lag . In den Häusern und Hütten war alles längst in tiefem Schlaf , und nur aus den Ställen her hörte man noch das Stampfen eines Pferds oder das halblaute Brüllen einer Kuh . Schach passierte das Dorf und bog am Ausgang in einen schmalen Feldweg ein , der , allmählich ansteigend , auf den Schloßhügel hinaufführte . Rechts lagen die Bäume des Außenparks , links eine gemähte Wiese , deren Heugeruch die Luft erfüllte . Das Schloß selbst aber war nichts als ein alter , weißgetünchter und von einer schwarzgeteerten Balkenlage durchzogener Fachwerkbau , dem erst Schachs Mutter , die » verstorbene Gnädige « , durch ein Doppeldach , einen Blitzableiter und eine prächtige , nach dem Muster von Sanssouci hergerichtete Terrasse das Ansehen allernüchternster Tagtäglichkeit genommen hatte . Jetzt freilich , unter dem Sternenschein , lag alles da wie das Schloß im Märchen , und Schach hielt öfters an und sah hinauf , augenscheinlich betroffen von der Schönheit des Bildes . Endlich war er oben und ritt auf das Einfahrtstor zu , das sich in einem flachen Bogen zwischen dem Giebel des Schlosses und einem danebenstehenden Gesindehause wölbte . Vom Hof her vernahm er im selben Augenblick ein Bellen und Knarren und hörte , wie der Hund wütend aus seiner Hütte fuhr und mit seiner Kette nach rechts und links hin an der Holzwandung umherschrammte . » Kusch dich , Hektor . « Und das Tier , die Stimme seines Herrn erkennend , begann jetzt vor Freude zu heulen und zu winseln und abwechselnd auf die Hütte hinauf- und wieder hinunterzuspringen . Vor dem Gesindehause stand ein Walnußbaum mit weitem Gezweige . Schach stieg ab , schlang den Zügel um den Ast und klopfte halblaut an einen der Fensterläden . Aber erst als er das zweite Mal gepocht hatte , wurd es lebendig drinnen , und er hörte von dem Alkoven her eine halb verschlafene Stimme : » Wat is ? « » Ich , Krist . « » Jott , Mutter , dat ' s joa de junge Herr . « » Joa , dat is hei . Steih man upp un mach flink . « Schach hörte jedes Wort und rief gutmütig in die Stube hinein , während er den nur angelegten Laden halb öffnete : » Laß dir Zeit , Alter . « Aber der Alte war schon aus dem Bette heraus und sagte nur immer , während er hin und her suchte : » Glieks , junge Herr , glieks . Man noch en beten . « Und wirklich nicht lange , so sah Schach einen Schwefelfaden brennen und hörte , daß eine Laternentür auf- und wieder zugeknipst wurde . Richtig , ein erster Lichtschein blitzte jetzt durch die Scheiben , und ein Paar Holzpantinen klappten über den Lehmflur hin . Und nun wurde der Riegel zurückgeschoben , und Krist , der in aller Eile nichts als ein leinenes Beinkleid übergezogen hatte , stand vor seinem jungen Herrn . Er hatte , vor manchem Jahr und Tag , als der alte » Gnäd ' ge Herr « gestorben war , den durch diesen Todesfall erledigten Ehren- und Respektstitel auf seinen jungen Herrn übertragen wollen , aber dieser , der mit Krist das erste Wasserhuhn geschossen und die erste Bootfahrt über den See gemacht hatte , hatte von dem neuen Titel nichts wissen wollen . » Jott , junge