» Fest der Handwerker « und Holteis » Altem Feldherrn « und den » Wienern in Berlin « zum besten , sondern sang ihnen auch allerlei Lieder und Arien vor : » War ' s vielleicht um eins , war ' s vielleicht um zwei , war ' s vielleicht drei oder vier . « Und dann wieder : » In Berlin , sagt er , mußt du fein , sagt er , immer sein , sagt er « etc. Denn er besaß eine gute Tenorstimme . Besonderes Glück aber , weit über die Singspiel-Arien hinaus , machte er mit dem Leierkastenlied von » Herrn Schmidt und seinen sieben heiratslustigen Töchtern « , dessen erste Strophe lautete : Herr Schmidt , Herr Schmidt , Was kriegt denn Julchen mit ? » Ein Schleier und ein Federhut , Das kleidet Julchen gar zu gut . « Dies Lied von Herrn Schmidt und seinen Töchtern war das Entzücken Kunickes , das verstand sich von selbst , aber auch Schulze Woytasch versicherte jedem , der es hören wollte : » Für Hradscheck ist mir nicht bange ; der kann ja jeden Tag aufs Theater . Ich habe Beckmann gesehn ; nu ja , Beckmann is gut , aber Hradscheck is besser ; er hat noch so was , ja wie soll ich sagen , er hat noch so was , was Beckmann nicht hat . « Hradscheck gewöhnte sich an solchen Beifall , und wenn es sich auch gelegentlich traf , daß er bei seinem Berliner Aufenthalte , während dessen er allemal eine goldene Brille trug , keine Novität gesehen hatte , so kam er doch nie mit leeren Händen zurück , weil er sich nicht eher zufriedengab , als bis er an den Schaufenstern der Buchläden irgendwas Komisches und unbändig Witziges ausgefunden hatte . Das hielt auch nie schwer , denn es war gerade die » Glaßbrenner-oder Brennglas-Zeit « , und wenn es solche Glaßbrenner-Geschichten nicht sein konnten , nun , so waren es Sammlungen alter und neuer Anekdoten , die damals in kleinen dürftigen Viergroschen-Büchelchen unter allerhand Namen und Titeln , so beispielsweise als » Brausepulver « , feilgeboten wurden . Ja diese Büchelchen fanden bei den Tschechinern einen ganz besondern Beifall , weil die darin erzählten Geschichten immer kurz waren und nie lange auf die Pointe warten ließen , und wenn das Gespräch mal stockte , so hatte Kunicke den Stammwitz : » Hradscheck , ein Brausepulver . « Es war Anfang Oktober , als Hradscheck wieder mal in Berlin war , diesmal auf mehrere Tage , während er sonst immer den dritten Tag schon wieder nach Hause kam . Ede , der mittlerweile das Geschäft versah , paßte gut auf den Dienst , und nur in der Stunde von eins bis zwei , wo sich kaum ein Mensch im Laden sehen ließ , gefiel er sich darin , den Herrn zu spielen und , ganz so wie Hradscheck zu tun pflegte , mit auf den Rücken gelegten Händen im Garten auf und ab zu gehen . Das tat er auch heute wieder , zugleich aber rief er nach Jakob und trug ihm auf , und zwar in ziemlich befehlshaberischem Tone , daß er einen neuen Reifen um die Wassertonne legen solle . Dann sah er nach den Starkästen am Birnbaum und zog einen Zweig zu sich herab , um noch eine der nachgereiften » Franzosenbirnen « zu pflücken . Es war ein Prachtexemplar , in das er sofort einbiß . Als er aber den Zweig wieder losließ , sah er , daß die Jeschke drüben am Zaune stand . » Dag , Ede . « » Dag , Mutter Jeschke . « » Na , schmeckt et ? « » I worümm nich ? Is joa ' ne Malvasier . « » Joa . Vördem wihr et ' ne Malvesier . Awers nu ... « » Nu is et ' ne › Franzosenbeer ‹ . Ick weet woll . Awers dat ' s joa all een . « » Joa , wer weet , Ede . Doa is nu so wat mang . Heste noch nix maarkt ? « Der Junge ließ erschreckt die Birne fallen , das alte Weib aber bückte sich danach und sagte : » Ick meen joa nich de Beer ' . Ick meen sünnsten . « » Wat denn ? Wo denn ? « » Na , so rümm um ' t Huus . « » Nei , Mutter Jeschke . « » Un ook nich unnen in ' n Keller ? Hest noch nix siehn o ' r hürt ? « » Nei , Mutter Jeschke . Man blot ... « » Un grapscht ook nich ? « Der Junge war ganz blaß geworden . » Joa , Mutter Jeschke , mal wihr mi so . Mal wihr mi so , as hüll mi wat an de Hacken . Joa , ick glöw , et grapscht « . Die Jeschke sah ihren Zweck erreicht und lenkte deshalb geschickt wieder ein . » Ede , du bist ' ne Bangbüchs . Ick hebb joa man spoaßt . Is joa man all dumm Tüg . « Und damit ging sie wieder auf ihr Haus zu und ließ den Jungen stehn . Drei Tage danach war Hradscheck wieder aus Berlin zurück , in vergnüglicherer Stimmung als seit lange , denn er hatte nicht nur alles Geschäftliche glücklich erledigt , sondern auch die Bekanntschaft einer jungen Dame gemacht , die sich seiner Person wie seinen Heiratsplänen geneigt gezeigt hatte . Diese junge Dame war die Tochter aus einem Destillationsgeschäft , groß und stark , mit etwas hervortretenden , immer lachenden Augen , eine Vollblut-Berlinerin . » Forsch und fidel « war ihre Losung , der auch ihre Lieblingsredensart » Ach , das ist ja zum Totlachen « entsprach . Aber dies war nur so für alle Tage . Wurd ihr dann wohliger ums Herz , so wurden es auch ihre Redewendungen , und sie sagte dann :