gestreut : mein ganzer Grimm und Schmerz , die Gewißheit ihrer Heirat , - alles war vergessen , und ich glich einem Kind , das da glaubt , es müßt seinen Willen durchsetzen um allen Preis der Welt , - ich hatte nur noch einen Wunsch und ein Verlangen , daß ich sie wieder wie ehemals um den Hals nehmen durft und mein herzliebes Kathreinl heißen . Trug mich also mit dem Gedanken und hatte das Herz voller Gier , mein unsinnigs Verlangen zu stillen , dabei ich aber nach außen hin vor den Leuten ein gar ruhigs und ehrbars Wesen zur Schau trug . Indes fuhren draußen zwei Chaisen vor : dem Weidhofer seine , die den Häuslpauli brachte , und die vom Lackenschuster , darin der Anderl selber kutschierte . Gleich liefen alle Mannsleut hinaus , und indes die Bräute sich eilends in eine Kammer versteckten , empfingen sie die beiden Hochzeiter mit Juchzen und Schreien und führten sie ins Haus , da es dann abermals an ein Grüßen und Plärren , Glückwünschen und Juchzen ging , daß man sein eigens Wort kaum mehr verstund . Da kam der Hochzeitlader scharf angeritten , band sein Rößl an den Brunnen und lief hinein in das Haus ; und derweilen die beiden Hochzeiter geschwind aus der Stube verschwanden , öffnete er die Tür und rief : » Grüaß enk der Himmel und grüaß enk Gott ! Heunt sechts mi alle in ara großen Not : I hätt zwee Jungherrn von Sonnareuth epps Wichtigs zum Sagn Und kunnt s ' um alls in der Welt nindascht findn oder dafragn ; Drum hätt i halt jetzand a großmächtige Bitt an enk Leut ; Geh , leicht ' s ma zwee Kuahglocken , daß i fleißig damit läut , Und daß i s ' de zwo Hochzeiterinnen um ' n Hals umma bind , Damit daß a jede no vor der Kopulier ihren Hochzeiter findt ! « Ging also einer der Knechte hinaus , brachte zwei von unsern Kuhglocken und läutete damit durchs Haus . Da kamen die beiden Hochzeiter lachend wieder in die Stube und führte jeder sein Bräutl an der Hand . Darüber schien der Lader , oder was er mich dünkte , der Bandelnarr , gar erfreut und steckte einen großmächtigen Rosmarinzweig zu seinen vielen Bändern auf den Hut , juchzte und machte allerhand Sprüch und Reime . Derweil hatten die Weibsleut den Tisch aufgedeckt und die Weidhoferin etliche Schüsseln mit Voressen , Kraut und Würsten hereingetragen , was man den Eingang heißt ; und es wurde nun fröhlich gegessen und dazu Bier und Schwarzkirschenschnaps getrunken . Darnach klopfte der Bandlnarr mit seinem langen , reichverzierten Stab etlichemal auf den Boden ; da standen alle vom Tisch auf , und der Lader machte den Abdank . Das ist eine gar schöne Red in guten Reimen , darin auch der dahingegangenen Eltern und lieben Freund gedacht wird . Hab sie aber leider nicht in meinem Sinn gehalten können , denn ich bei diesem Abdank gleich den andern hab so viel schneuzen , krigeln und augenwischen müssen , daß mir davon alles entfallen ist . Unterdessen begann es von der Kirch zum Amt zu läuten , und alles stellte sich in Ordnung : Die Fuhrwerke wurden vor die Haustür gebracht , und es stiegen die Hochzeiter in die eine , die Bräut in die ander Kutschen ; die Knecht und Mägd aber samt der Weidhoferin und den Kostkindern saßen nach gutem Verschluß des Hauses auf den gezierten Leiterwagen , davor vier Rösser gespannt waren . Und es ritt der Hochzeitlader voran und führte den Zug durch das ganze Dorf , obgleich die Kirch schier an dem Weidhof lehnte ; doch gings ohne Juchzen und ohne Musik mit großem Ernst dahin , indes vom Turm alle Glocken läuteten und vom Berg die Böller krachten . Hochzeit Unter dem Vordach der Kirche stand schon der alte Pfarrer mit meinem Ziehvater , dem Meßmer , als wir aus den Fuhrwerken stiegen und in den Gottsacker traten . Da ward nun von dem Priester eine Red im Freien gehalten und darnach gefragt , ob einer aus der Gemeind was auszubringen hätt gegen die Brautleut , das ein Hindernis wär , dessentwegen sie einander nicht heiraten kunnten . Und da niemand was wußte , wurden die Beiständer oder Zeugen herbeigerufen , was gewesen sind : der alt Vetter vom Lackenschuster , genannt Simmer vom Tal , und der Rumpl von Reuth für den Anderl und die Kathrein , der Jackl , unser Oberknecht , und der Hausl vom Weidhof für den Pauli und die Nandl . Wie denn nun alles wohl in der Ordnung war , der Hochzeitlader auch allerhand Schreibebriefe aus dem Hutfutter zog und dem Pfarrer übergab , wurde zur Kopulierung geschritten ; fragte also der Priester alle vier nacheinander , ob sie in den heiligen Stand der Eh eingehen wollten , darauf dann erst der Anderl , drauf die Jungfer , hernach der Pauli und am End die Nandl antworteten : Ja . Wurden also alle vier eingesegnet und ihnen das Sakrament der Eh gespendet , darnach die Kirchtür geöffnet und alle hineingeführt ; und es begann der Schulmeister die Orgel zu traktieren in forti und fortissimi , der Meßmer schwang das Rauchfaß , daß alle Heiligen samt den Altären in blaue Dünste und Nebel gehüllt wurden , und alle nahmen in den Kirchenstühlen Platz . Darnach ward ein festlichs Amt gehalten , das an die vierzig Gulden kostete , und den Hochzeitsleuten der feierliche und kräftige Brautsegen gespendet , den Abgeschiedenen aber am Friedhof ein Memento und Requiem gesungen und ihre Grabhügel mit Rauch und Weichbrunn gesegnet . Dabei ich der guten Irscherin gedachte , die auch ohne solche Benediktion ihre Ruh gefunden hatte und eine leichte Erde samt dem Frieden . Mag auch nicht vergessen , daß ich benenn den Opfergang beim Amt , da dann erst die Manner um den Altar gehen mußten , darnach die Frauen , und mußten in