, gehen Sie nach Hause . Ich muß auch gehen ; Hans erwartet mich . « Hilmar gehorchte . Er stand einen Augenblick unschlüssig da , etwas arbeitete und kämpfte in ihm , dann wandte er sich kurz um und lief den Abhang hinab . Doralice lächelte , als sie ihm nachschaute . Sie erhob sich , fuhr sich mit der Hand über die Augen und trat den Heimweg an , jetzt wieder ruhig und getröstet . Hans wartete schon ungeduldig auf Doralice . Mit großen Schritten ging er um den gedeckten Mittagstisch herum und schalt leise vor sich hin ... » Ich komme zu spät , bist du böse ? « sagte sie , als sie eintrat . Er lächelte gutmütig : » Ja , ich war sehr böse , aber jetzt , wo du da bist , hat das keinen Sinn mehr . Agnes ! die Suppe . Ich habe einen Hunger , komm , setzen wir uns . « Agnes brachte die Suppe , sehr ernst , denn sie hatte Doralicens Zuspätkommen nicht verziehen . Sie füllte die Teller und stellte sich dann wie jeden Tag neben dem Tische auf , um aufmerksam zuzusehen , wie Hans aß . » Nun also « , begann Hans gut gelaunt die Unterhaltung , » wie war deine Einsamkeit oben im Heidekraute ? « » Hübsch war es dort « , antwortete Doralice , » der Baron Hamm kam vorüber und plauderte einen Augenblick . « - » Ah ! « Hans schien ganz von seiner Suppe hingenommen . » Was sagte er denn ? « » O nichts ! « meinte Doralice , sie könnte ja erzählen , was sich dort droben zugetragen , dachte sie , aber wozu , Hans würde doch nur sagen , das reiche nicht an sie heran , und würde von reineren Gesetzen und von Freiheit sprechen . Hans lehnte sich in seinen Stuhl zurück und begann : » Ja , das verstehen diese Leute , zu sprechen und nichts zu sagen . Das ist mir auch gestern aufgefallen . Einmal ein guter Witz , eine gute Bemerkung , aber meist nur Füllnis , wie bei jungen Taubenbraten , wenig Fleisch und viel Farce . « » Ja , belehrend sind sie natürlich nicht « , bemerkte Doralice ein wenig gereizt . » Nein , das verlange ich auch nicht « , sagte Hans beruhigend . » Ich greife die Leute übrigens nicht an . In ihrer Art sind sie gewiß nette , kluge Leute , man muß sich vielleicht an ihre Art gewöhnen . « Doralice erwiderte nichts ; es ärgerte sie , daß er plötzlich den Abgeklärten und Gerechten spielte . Warum schalt er nicht drauf los wie früher ? Agnes nahm die Teller und ging hinaus , um das Brathuhn zu holen . » Muß Agnes hier stehen und bewachen , wie du ißt ? « fragte Doralice . » Stört dich das ? « sagte Hans . » Ich müßte vielleicht sagen , daß sie es läßt , aber ich fürchte , es ist die größte Freude ihres Lebens , mich essen zu sehen . « - » O dann « , meinte Doralice und nachdenklich fügte sie hinzu : » Mich liebt sie nicht , sie sieht nie hin , wie ich esse . « Hans lachte : » Die arme Agnes braucht eben ihre ganze Liebesfähigkeit für mich auf , aber sie wird doch fest zu dir halten , wie zu allem , was mir gehört . Sie ist wie ein Hund , dem der Stock seines Herrn auch nicht sympathisch ist und der ihn doch bewacht und verteidigt . « » Es ist nicht besonders angenehm , dein Stock zu sein « , bemerkte Doralice . Dann kam Agnes zurück und brachte das Huhn . Die Unterhaltung geriet ins Stocken . Doralice fragte nach der Bootfahrt und was der Geheimrat gesagt hatte . » Der Geheimrat sprach von mir « , erwiderte Hans . » Er sagte mir , wie ich bin . « » Wie bist du denn ? « Doralice schaute neugierig auf . » Es scheint , ich bin sehr gut « , berichtete Hans , » aber wie alle sehr guten Menschen lebe ich von Mißverständnissen . « » Ach was , der Knirps « , meinte Doralice ungeduldig . Als dann beim Kaffee Hans sich eine Zigarette anzündete , wurde er schläfrig . Er reckte sich , gähnte diskret , die Nacht auf dem Meere lag ihm doch noch in den Knochen . Endlich stand er auf . Es sei doch das beste , er lege sich noch ein wenig nieder , meinte er . Doralice rückte ihren Sessel an das geöffnete Fenster . Draußen hatte es zu regnen begonnen , ein feiner , dichter Regen , der einen bleifarbenen Vorhang vor das Fenster zog . Das Zimmer füllte sich mit einem grauen nüchternen Lichte . Agnes räumte das Geschirr ab , stapfte ab und zu , schlug die Türen , dann war auch sie fort . Doralice bewegte ihren Kopf langsam auf der Rücklehne des Stuhles hin und her , wie es ihre Gewohnheit war , wenn sie sich einsam fühlte . Gewiß , dieser Regen , dieses graue Licht im engen Zimmer , dieses Mittagessen bewacht von Agnes ' freudlosen Blicken , diese ganz aussichtslose Alltäglichkeit , all das war traurig und Doralice wußte , daß sie auch gleich traurig werden würde , noch aber fühlte sie sich von alledem seltsam losgelöst . Es war eine Traurigkeit und Alltäglichkeit , die nicht zu ihr gehörten , die an ihr vorübergingen . Sie kam sich vor wie ein Reisender , der auf irgendeiner kleinen verschollenen Station liegen bleibt und nun in dem häßlichen Stationszimmer sitzt und sich für eine Weile von der Melancholie eines Lebens eingefangen sieht , das nicht zu ihm gehört . Denn der Zug würde kommen und die kleine Station mit ihrer grauen Langeweile würde hinter ihm versinken