wollte erst nicht mehr die Lippen voneinander bringen , warf aber schließlich mit scheinbarer Gleichgültigkeit hin : » Welchen Preis will Er denn für sein Mittel haben ? Vorausgesetzt , daß es wirklich hilft und etwas Neues ist ! « Listig gab ich zur Antwort : » Erst muß ich wissen , ob der Patient mehr oder minder wohlhabend ist , alsdann werde ich mein Medikament jedesmal zu einem angemessenen Preise verkaufen . « Überrascht sah mir Schmirsel ins Auge , lachte dann säuerlich und reichte mir die Hand . » Ich will ' s mit Ihm versuchen ! Abgemacht ! Geh Er nun sogleich in mein Haus , um die Ecke links am Ringe gelegen , und installier Er sich . « Drauf ließ der Medikus Feder , Tinte und Papier bringen und schrieb ein Briefel an seine Haushälterin . Ich zahlte meine Zeche und neigte mich sowohl vor meinem neuen Herrn als vor der Jungfer , die mir Glück wünschte . So brachte mich verliebte Torheit auf jene Bahn , wo Susanne und Schmirsel , Rausch und Habgier herrschten . Was ich bei meinem Lehrmeister trieb , gewährte keinen anderen Lohn als Geld und Geld . Schmirsel , der mit meinem geheimen Mittel einen hohen Herrn kuriert hatte , verlangte immer häufiger danach , und immer kunstvoller machte ich aus Antimonium mein Medikament zurecht , vermengte es mit wohlriechenden Kräutern , fürgebend , diese Kräuter seien das Heilkräftige , damit nämlich Schmirsel nicht hinter das Geheimnis komme . Auch mengte ich das Antimon mit eingemachten Zitronen , Zimt und Rosenzucker zusammen . Solche Apothekerwaren wurden von Schmirsel nicht bloß für seine eignen Patienten verwendet , sondern sogar in den Handel gebracht , wo sie unter dem Namen » Schmirsels Morsellen « und » Gicht-Pillulen « berühmt wurden . Für mich wie für ihn fiel genung Geldes ab . Doch weil ich mich von Susannens eitlem Herzen leiten ließ , verwandte ich meine Einnahme auf Tand , kaufte Kleider à la mode , rauchte Tobak aus einer holländischen Pfeife und war jeden Abend in der Äpfelkammer zu finden , wo ich trinkend , auch spielend mein Geld vertat und einen Umgang hatte , den ich besser gemieden hätte . Um Susannen zu gefallen , stund ich vor dem Spiegel , kämmte mein langes Flachshaar und drehte das sprossende Bärtlein . Mit den stutzerhaften Kleidern und neuen Gewohnheiten hatte ich einen andern Menschen angezogen . Vergessen und verschollen lag das Tüchtige hinter mir , so mir in früheren Jahren , fürnehmlich durch meines Vaters Wort und Beispiel , zugekommen war . Meine Verliebtheit ließ nicht locker und ward ein rechter Plagegeist , der alle Ruhe und Besonnenheit störte . Susanne bewegte mich , wie der Puppenspieler am Drahte seine Puppe . In einem fort trieb sie mich , für meinen Wohlstand zu sorgen . Leichtgläubig erwartete sie , jene Prophezeiung der Zigeunerin werde sich erfüllen . Zwar dachte sie an keinen Schatz , der aus verwunschenen Schlössern gehoben wird , hoffte indessen , meine alchymistischen Versuche würden eines Tages gelingen . Ich hatte diesen Glauben genährt , zu nächtlicher Stunde von Goldmachergeschichten schwätzend . Der berüchtigte Chymikus Sebaldus Schwertzer war verstorben , und wie nun seine Hauseinrichtung zu Geld gemacht werden sollte , bestätigte sich das Verslein : » Goldmacher lassen ihren Erben Zerbrochne Gläser nur und Scherben . « Aus dem Plunder des Nachlasses gelangten alchymistische Scharteken für geringe Zahlung an mich . In einer las ich das Rezept einer Tinktur , die geringes Metall zu Golde wandle . An den Rand freilich hatte der Verstorbene eigenhändig geschrieben : » Werde nicht gierig ; denn obwohl mir die Goldbereitung gelungen , hat sie Unheil über Unheil gebracht . « Ich ließ mich nicht warnen und suchte den beschriebenen Prozeß zustande zu bringen . Etliche Kräutlein , die das Rezept angibt , verschaffte ich mir , verbrannte sie und tat die Asche mit Essig und Eisenfeilspänen zusammen in ein Glas , das wohl versehentlich nicht ausgespült war . Es begab sich aber gleich hinterher , daß ich auf Geheiß meines Herrn Schmirsel eine Reise tat , die mich einen Monat fernhielt . Wie ich nun in meine Stube zurückkehre , kommt mir ein köstlicher Geruch entgegen , als seien Ambra und Moschus in jenem Glase , und an der Oberfläche der Mischung schwimmt ein rosenfarben Öl gleich der beschriebenen Tinktur . Ich experimentiere damit , wie es die Anweisung vorschreibt . Tue ein halb Lot Silberkalk in einen Tiegel , tunke Baumwolle in mein Öl und lege sie zum Silberkalk . Nachdem im heißen Ofen der Silberkalk mit dem Öl sich verbunden hat , scheide ich den Kalk heraus und traue meinen Augen nicht , dieweilen ich ein Quäntlein allerschönsten Goldes behalte . Schier närrisch vor Freude gehe ich daran , mit meinem Öl eine größere Masse Silbers zu tingieren . Da mir aber der Rausch in Kopf und Hand gedrungen ist , so schütte ich aus Versehen mein Öl ins Feuer , daß es alsobald mit starkem Dufte verfliegt . Vergebens hab ich mich seitdem abgemüht , die kostbare Tinktur von neuem zu destillieren . Es bildete sich kein rosenfarben Öl . Hiezu mußte wohl jene Flüssigkeit notwendig sein , von der ein Rest in dem ungespülten Glas geblieben war . Vergebens grübelte ich , was das für eine Flüssigkeit gewesen . Den Narrheiten , die ich beging , fügte ich eine besonders unheilvolle hinzu , indem ich Susannen von meinem Erfolge berichtete und das Quäntlein Gold , eingeschlossen in ein silbern Herzlein , ihr zum Angebinde gab . Dabei hatte ich nicht mit der weibischen Geschwätzigkeit und Prahlsucht gerechnet . Wider mein Geheiß sprach Susanne etlichen bevorzugten Gästen davon , mir sei die Goldbereitung gelungen , wobei der sichtbare Beweis herumgereicht ward . Von Schmirsel zur Rede gestellt , gab ich ausweichenden Bescheid , jedoch so , daß ich den Glauben an meine Kunst nur verstärkte . Wochenlang plagte mich Schmirsel mit Fragen , auch mit Spionieren auf