den Bergen in das ebene Land , und erst nach Monaten kam er wieder in die Heimat ; und wenn er dann seine Studien beendet , wer weiß , in welche Ferne er dann gehen mußte . Da rief ihn die Mutter zu sich und ging mit ihm in die Schlafkammer oben , um ihm ungestört ihre Abschiedsworte zu sagen . Sie machte ein Gleichnis und sprach : Wenn du einen Tropfen Essig schüttest in ein Faß edlen Weines , so wird der Essig zu Wein ; und umgekehrt , wenn du einen Tropfen Wein gießest in ein Faß mit Essig , so verliert er seine Natur und wird zu Essig . Also ist auch der Menschen Natur , denn wenn ein guter Mansch kommt in böse Gesellschaft , so verliert er alsbald seine Art und nimmt schlechte Art an , gleichwie ein Böser , der in gute Gesellschaft kommt , sich zu guter Art schlägt . Dieses bedenke und hüte dich vor lockeren Buben , die du viele treffen wirst auf der hohen Schule und in der großen Stadt . Denn wir , ich , dein Vater , deine Großmutter und unsre Magd Dorrel haben uns getreulich bemüht , daß du ein guter Mensch werdest ; jetzt aber müssen wir dich ziehen lassen , mit Furcht und Sorgen , daß du uns nicht verdorben werdest und zurückkehrest als ein nichtsnutziger und verkommener Mensch . Und laß dich auch nicht verführen durch Neugierde und Eitelkeit , daß du zu tun bekommst mit solchen Buben , und du meinst , es soll nur auf kurze Zeit sein , nachher aber gedenkst du sie zu meiden ; sondern denke , daß das Böse sich an den Menschen hängt wie Kletten , auch durch leise Berührung , und schwer ist es , daß sich einer wieder befreit von dem Unkrautsamen an seinem Gewande . Besonders aber warne ich dich vor der Eitelkeit ; denn du weißt wohl , daß die Bösen spotten über die Guten und ihnen vorwerfen , sie seien unfrei , weil sie nicht tun wie sie und hören auf erfahrene Leute , dahingegen doch die Bösen selbst unfrei sind , denn wohl tun sie die ersten Schritte ohne Zwang , alle weiteren aber als Knechte ihrer früheren Taten ; ein Trinker kann nicht mehr lassen vom Trinken und ein Hurer vom Huren , sondern ihr Teufel zieht sie hinter sich her an ihren Haaren . Du mußt aber wissen , daß dieses die besondere Verblendung des Satans ist , daß er macht , daß seine Knechte sich für frei halten ; denn sie lügen nicht , wenn sie der andern spotten , sondern reden aus ihrer wahren Meinung . Und wirst du nicht bloß böse Buben finden , sondern auch schlechte Mädchen , die dich verführen wollen zu Unkeuschheit und Werken der Wollust . Dazu wird deine eigne Begierde wach werden , denn du bist jetzt in die Jahre gekommen , da der Mann sich nach dem Weibe sehnt , und geschieht diese Verführung aus dem natürlichen Menschen und ist deshalb stärker wie die andre zum Trinken , Spielen und Balgen . Deshalb denke , daß du keusche und reine Eltern gehabt hast , denn dein Vater ist in das Ehebett gestiegen als ein unbefleckter Jüngling , gleichwie ich als reine Jungfrau . Und denke ferner , daß du einst ehelichen wirst und Kinder haben ; aber was für Kinder wirst du bekommen , wenn du deine Kräfte ausgibst in jungen und unfertigen Jahren ! Wenn du dich vergleichst mit deinem Vater , so wirst du finden , daß du einmal größer und stattlicher sein wirst , wenn du in dein Alter kommst , obwohl du viel in der Stube und über Büchern hast sitzen müssen ; dessen Ursache ist das ehrbare und ordentliche Leben deines Vaters , der sich zusammengehalten hat in seiner Jugend , damit sein Sohn einst tüchtig sein solle . Aber wenn du diese beiden Gefahren vermeidest , so wird dir eine dritte begegnen . Denn du wirst in der Stadt Mädchen finden , die sind zwar ehrbaren Wandels und ordentlichen Herkommens , und man kann ihnen nichts nachsagen ; aber sie mögen nicht an sich selbst schaffen , sondern sind leichten Herzens und denken nicht an die Zukunft , und meinen , alles sei gut , wenn sie nur einen Mann haben , den sie lieb haben können . Hüte dich , daß du dich mit solchen Mädchen einläßt und etwa denkst : ich will mich verloben jetzt , und wenn ich fertig bin mit meinen Arbeiten , so will ich sie heiraten , und denkst : ich habe sie lieb , und sie hat mich lieb , und wir werden ein gutes , christliches Ehepaar sein , ehrlich leben und unsre Kinder gut aufziehen . Dieser Liebe sollst du mißtrauen , obwohl sie mit großer Schmeichelei deiner Natur und Seele daherkommt . Denn ein junger Mensch hat keine Erfahrung und weiß nicht , wie schwer es ein Hausvater hat , und was ein Haus kostet , und wie tüchtig ein Mädchen sein wird als Hausmutter . Deshalb öffne deine Augen und betrachte die Menschen , die sich frühzeitig verloben und verheiraten ; da wirst du finden , daß das alles ein leichtes Volk ist , das sich freut ein Jahr lang , und das andre Leben bringt es hin mit Sorgen und Borgen . Auch ich , deine Mutter , habe eine Liebe gehabt , wie ich achtzehn Jahre alt war , zu einem jungen Kaufmann , und wie mein Vater nichts wissen wollte von dieser Liebe und der Bewerber traurig von ihm ging , da meinte ich , daß ich sterben müßte vor Kummer , und wäre ins Wasser gegangen , wenn ich nicht Gottes Wort gehabt hätte . Heute segne ich meinen Vater im Grabe , daß er hart gegen mich war aus Liebe , denn der Mann ist leichtsinnig gewesen und hat sein Vermögen vertan durch törichtes Bauen und übermäßige Erweiterung