leere Formalität , weiter nichts , aber sie ist nun mal nötig . Also , bitte ! « Der Alte überlegte noch immer . Seine arbeitenden Züge ließen auf den schwersten Seelenkampf schließen . Sam nahm eine finstere Miene an . » Ich glaube gar , Herr Büttner traut mir nicht ! « sagte er zu der Bäuerin . » In diesem Falle nehme ich mein Geld lieber zurück ! Aufdrängen will ich mich nicht , nein ! Ich dachte nur , ich könnte dem Herrn eine Gefälligkeit erweisen . Aber , wenn er nicht will ... « Mit seiner rotbehaarten Hand griff er bereits nach den Scheinen . » Traugott ! « rief die Bäuerin und stieß ihren Mann in die Seite . » Bis ne verrickt ! Unterschreib ack das Briefel ! « Dann zog sie ihn am Ärmel und raunte ihm zu : » Ar wird glei biese warn , wenn de no lange machst . « Sie reichte ihm selbst die Feder . » Hier , bitte , an dieser Stelle , Herr Büttner ! - Weiter rechts ! ... Hier ! ... Bloß den Namen . « Der Händler wies mit dem Finger genau auf den Fleck . Und so unterschrieb der Büttnerbauer den Wechsel . VIII. Pauline ließ volle vierzehn Tage ins Land gehen , ehe sie der Aufforderung von Komtesse Ida , sie im Schlösse aufzusuchen , nachkam . Sie wäre möglicherweise überhaupt nicht dorthin gegangen , wenn nicht ihre Mutter sie unausgesetzt dazu angetrieben hätte . Eines Nachmittags also zog sie ihr Kirchenkleid an und setzte den neuen Hut auf , den sie sich von Gustavs Gelde angeschafft hatte . So ging sie in ihrem Feiertagsstaat nach dem Schlosse . Die Herrschaft Saland lag ungefähr eine halbe Stunde Wegs von Halbenau entfernt . Ein eigentliches Dorf war nicht vorhanden ; aber das Schloß mit seinen Nebengebäuden bildete an sich einen stattlichen Häuserkomplex . Ein ausgedehnter Park mit Rasenplätzen , Teichen , Gebüschen und Baumgruppen umgab das Herrenhaus . Die eigentlichen Grenzen dieses Parkes waren kaum festzustellen , da er sich in die ausgedehnten Wälder der Herrschaft verlief . Pauline ging auf der großen Heerstraße , die unfern vom Schlosse vorüberführte , hin . Sie bog nicht in den breiten Fahrweg ein , der sich in Schlangenlinien durch den Park zog und schließlich über einen jetzt trocken gelegten Wallgraben vor dem Portal des Schlosses führte . Sie wählte vielmehr einen schmalen Seitenpfad . Das Mädchen war mit den Gebräuchen und Sitten des gräflichen Haushaltes bekannt . Sie wußte , daß gewöhnliche Leute vom Kastellan gar nicht erst zum vorderen Portal eingelassen wurden . Für ihresgleichen gab es einen besonderen Eingang durch das Hinterportal . Sie wollte auch zunächst nur die gräfliche Wirtschafterin besuchen , Mamsell Bumille , die mit ihrer Mutter gut bekannt war , und die sie selbst auch kannte von jener Zeit her , wo sie auf dem Hofe gearbeitet hatte . Mit Mamsell Bumille wollte sie erst Rücksprache nehmen und hören , ob Komtesse Ida überhaupt anwesend und ob sie allein sei . Das Mädchen war sich noch gar nicht im reinen darüber , ob sie den Besuch bei der Komtesse nicht schließlich doch unterbleiben lassen solle . So näherte sie sich auf Seitenpfaden dem Schlosse , einem mächtigen Steinviereck mit hohen , kahlen Wänden , kleinen , weißeingerahmten Fenstern und einem klobigen Turm , der jäh aus einer Ecke aufsprang wie ein schützender Riese . Von geschmackvoller Gliederung war an diesem Bau nichts zu spüren , aber das Ganze wirkte durch seine Masse und Wucht imponierend . Dem Mädchen klopfte das Herz gewaltig . Der Anblick des Schlosses hatte immer etwas Erdrückendes für sie gehabt . Daß es auch nur ein Bau sei , von Menschen aufgeführt , zur Behausung für Menschen bestimmt , nur größer und fester als ihre armselige Hütte , ein solcher Gedanke war ihr noch nie gekommen . Das Schloß war eben das Schloß für sie . Seinesgleichen gab es nicht auf der Welt , und seine Bewohner waren höhere Wesen , die mit gewöhnlichen Sterblichen zu vergleichen , ihr nicht im Traume eingefallen wäre . Der hintere Torweg war offen . Pauline gelangte durch eine gewölbte Einfahrt in den viereckigen Schloßhof , der mit großen Steinplatten ausgelegt war . Die Innenwände des Schlosses waren von hundertjährigem Efeu bis zum dritten Stockwerk dicht überzogen . Nur die Fenster wurden freigelassen von dem dunkelgrünen Geranke . Dicht am Erdboden zeigten diese Efeustöcke einen Durchmesser von Armesstärke . Über Türen und Fenstern waren Hirschgeweihe von beträchtlicher Endenzahl angebracht . Ein Paar dorische Säulen , die das Portal flankierten , trugen einen steinernen Löwen , der in aufrechter Haltung dräuend das gräfliche Wappen in seinen Vorderpranken hielt . Pauline kreuzte diesen Hof . Sie wagte nicht links noch rechts zu blicken , ihr war zumute , als sei sie auf verbotenen Wegen . - Gott sei Dank , niemand begegnete ihr ! Dann schlüpfte sie durch eine kleine Pforte in einer Ecke des Hofes , die , wie sie wußte , auf den Küchengang führte . Hier stand sie nun klopfenden Herzens und wartete , bis jemand von dem Gesinde sie bemerken würde . Ein Mädchen , das aus der Küche kam , sah sie stehen und forschte , was sie hier wolle . Pauline fragte in schüchternem Tone nach Fräulein Bumille . Die Bedienstete klopfte an die nächste Tür . » Mamsell , hier is jemand , der zu Sie will ! « Die Wirtschafterin erschien in der Tür , die Öffnung mit ihrer stattlichen Figur nahezu ausfüllend . » Katschners Pauline ! « rief sie . » Sieh ' eins an ! Na , Mädel , läßt du dich auch mal wieder blicken . Ich sagte noch gestern - oder war ' s vorgestern - sagte ich : was nur mit der Pauline sein mag . Und Komtesse Ida hat auch schon befohlen , wenn Pauline Katschner kommt , soll sie gleich zu ihr geführt werden