gern etwas gegen deine Eltern , denn ich weiß , daß es sich nicht schickt , und weiß auch , daß es dich bei deinem eigentümlich starren Charakter « ( Otto lächelte ) » nur noch in dieser deiner Starrheit bestärken wird ; aber man darf die Schicklichkeitsfragen , ebenso wie die Klugheitsfragen , nicht über alles stellen . Und das täte ich , wenn ich länger schwiege . Die Haltung deiner Eltern ist in dieser Frage geradezu kränkend für mich und fast mehr noch für meine Familie . Denn sei mir nicht böse , Otto , aber wer sind am Ende die Treibels ? Es ist mißlich , solche Dinge zu berühren , und ich würde mich hüten , es zu tun , wenn du mich nicht geradezu zwängest , zwischen unsren Familien abzuwägen . « Otto schwieg und ließ den Teelöffel auf seinem Zeigefinger balancieren , Helene aber fuhr fort : » Die Munks sind ursprünglich dänisch , und ein Zweig , wie du recht gut weißt , ist unter König Christian gegraft worden . Als Hamburgerin und Tochter einer Freien Stadt will ich nicht viel davon machen , aber es ist doch immerhin was . Und nun gar von meiner Mutter Seite ! Die Thompsons sind eine Syndikatsfamilie . Du tust , als ob das nichts sei . Gut , es mag auf sich beruhen , und nur soviel möcht ich dir noch sagen dürfen , unsre Schiffe gingen schon nach Messina , als deine Mutter noch in dem Apfelsinenladen spielte , draus dein Vater sie hervorgeholt hat . Material- und Kolonialwaren . Ihr nennt das hier auch Kaufmann ... ich sage nicht du ... , aber Kaufmann und Kaufmann ist ein Unterschied . « Otto ließ alles über sich ergehen und sah den Garten hinunter , wo Lizzi Fangball spielte . » Hast du noch überhaupt vor , Otto , auf das , was ich sagte , mir zu antworten ? « » Am liebsten nein , liebe Helene . Wozu auch ? Du kannst doch nicht von mir verlangen , daß ich in dieser Sache deiner Meinung bin , und wenn ich es nicht bin und das ausspreche , so reize ich dich nur noch mehr . Ich finde , daß du doch mehr forderst , als du fordern solltest . Meine Mutter ist von großer Aufmerksamkeit gegen dich und hat dir noch gestern einen Beweis davon gegeben ; denn ich bezweifle sehr , daß ihr das unsrem Gast zu Ehren gegebene Diner besonders zupaß kam . Du weißt außerdem , daß sie sparsam ist , wenn es nicht ihre Person gilt . « » Sparsam « , lachte Helene . » Nenn es Geiz ; mir gleich . Sie läßt es aber trotzdem nie an Aufmerksamkeiten fehlen , und wenn die Geburtstage da sind , so sind auch ihre Geschenke da . Das stimmt dich aber alles nicht um , im Gegenteil , du wächst in deiner beständigen Auflehnung gegen die Mama , und das alles nur , weil sie dir durch ihre Haltung zu verstehen gibt , daß das , was Papa die Hamburgerei nennt , nicht das Höchste in der Welt ist und daß der liebe Gott seine Welt nicht um der Munks willen geschaffen hat ... « » Sprichst du das deiner Mutter nach , oder tust du von deinem Eignen noch was hinzu ? Fast klingt es so ; deine Stimme zittert ja beinah . « » Helene , wenn du willst , daß wir die Sache ruhig durchsprechen und alles in Billigkeit und mit Rücksicht für hüben und drüben abwägen , so darfst du nicht beständig Öl ins Feuer gießen . Du bist so gereizt gegen die Mama , weil sie deine Anspielungen nicht verstehen will und keine Miene macht , Hildegard einzuladen . Darin hast du aber unrecht . Soll das Ganze bloß etwas Geschwisterliches sein , so muß die Schwester die Schwester einladen ; das ist dann eine Sache , mit der meine Mama herzlich wenig zu tun hat ... « » Sehr schmeichelhaft für Hildegard und auch für mich ... « » ... Soll aber ein andrer Plan damit verfolgt werden , und du hast mir zugestanden , daß dies der Fall ist , so muß das , so wünschenswert solche zweite Familienverbindung ganz unzweifelhaft auch für die Treibels sein würde , so muß das unter Verhältnissen geschehen , die den Charakter des Natürlichen und Ungezwungenen haben . Lädst du Hildegard ein und führt das , sagen wir einen Monat später oder zwei , zur Verlobung mit Leopold , so haben wir genau das , was ich den natürlichen und ungezwungenen Weg nenne ; schreibt aber meine Mama den Einladungsbrief an Hildegard und spricht sie darin aus , wie glücklich sie sein würde , die Schwester ihrer lieben Helene recht , recht lange bei sich zu sehen und sich des Glücks der Geschwister mitfreuen zu können , so drückt sich darin ziemlich unverblümt eine Huldigung und ein aufrichtiges Sichbemühen um deine Schwester Hildegard aus , und das will die Firma Treibel vermeiden . « » Und das billigst du ? « » Ja . « » Nun , das ist wenigstens deutlich . Aber weil es deutlich ist , darum ist es noch nicht richtig . Alles , wenn ich dich recht verstehe , dreht sich also um die Frage , wer den ersten Schritt zu tun habe . « Otto nickte . » Nun , wenn dem so ist , warum wollen die Treibels sich sträuben , diesen ersten Schritt zu tun ? Warum , frage ich . Solange die Welt steht , ist der Bräutigam oder der Liebhaber der , der wirbt ... « » Gewiß , liebe Helene . Aber bis zum Werben sind wir noch nicht . Vorläufig handelt es sich noch um Einleitungen , um ein Brückenbauen , und dies Brückenbauen ist an denen , die das größere Interesse daran haben . « » Ah « , lachte Helene . »