mehr . Indessen , er war ein guter Steiger , und schon um vier war er wieder auf dem Koppenkamm und um sechs in Wolfshau . Die Mutter , die die Siebenhaarsche Predigt unten in Arnsdorf nicht versäumt hatte , stand am Herd und hielt just einen Bunzlauer Kaffeetopf und ein Stück Streuselkuchen in Händen , als Lehnert unter Kopfnicken eintrat . » Guten Tag , Mutter ! « » Tag , Lehnert ! « » Weiter nichts , Mutter ? Du bist doch sonst nicht so kurz . Nichts Neues ? Nichts vorgefallen ? Keine Menschenseele dagewesen ? Der Streusel da kann doch nicht durch den Schornstein gekommen sein wie der Klapperstorch oder der Gottseibeiuns . « » Ach , rede doch nicht von dem , der kommt doch , der kommt auch so . « » Durch die Tür , meinst du ? « Sie nickte , tat einen Zug und starrte dann wieder schweigend vor sich hin , ohne Lehnert anzusehen . Der schwieg auch . Endlich sagte sie : » Opitz ist noch nicht da . « » So ? « » Die Frau war hier und weinte . « » Warum ? « » Weil sie glaubt , daß ihm was passiert sein könne . « Lehnert lachte . » Dann muß eine Förstersfrau jeden Tag weinen . « » Und dann fragte sie nach dir ... « » So , so . Und was sagtest du ? « » Daß du nach dem Waldhaus gewollt hättest und vom Waldhaus nach Arnsdorf ... vielleicht von wegen dem Has ' ... zum Grafen . Aber ich wüßt es nicht genau . « » Das ist recht , Mutter , daß du das gesagt hast , daß du gesagt hast , du wüßtest es nicht genau . Das ist immer das beste , das mußt du immer sagen . Und nun gib mir einen Schluck von dem Kaffee da . Nein , laß lieber , ein Teller Milch ist mir besser . Ich bin verhungert und verdurstet . Seit heute früh keinen Bissen und keinen Tropfen . « Beide standen auf , Lehnert , um sich umzuziehen und die Gamaschen abzutun , die Mutter , um ihm die Milch zu holen , die nach Landesbrauch in einer vom Ufer aus vorgebauten Steinhütte stand , durch die nun die Lomnitz hindurchschoß und Kühle gab . Als Lehnert wieder treppab kam , sah er , daß die Mutter ihm das Abendbrot vor dem Hause hergerichtet hatte , neben dem Rosenbusch , unter dessen überhängendem Gezweig er am liebsten saß . Drüben aber , in der Haustür der Försterei , stand die gute Frau Opitz und sah abwechselnd nach dem Gehänge hinauf und dann wieder in die tiefrot untergehende Sonne . » Nicht hier , Mutter . « » Aber es ist doch deine Lieblingsstelle . « » Ja , sonst . Aber heute nicht . « Und er hieß sie den Tisch mit anfassen , und beide trugen ihn mit leichter Mühe durch den Flur , bis vor die Küchentür . Da nahm er nun Platz und aß . Als er damit geendet hatte , stand er auf und ging wieder in die Vorderstube , in der jetzt völlige Dämmerung herrschte . Die Mutter war noch draußen , und so schritt er auf und ab und überlegte , was werden würde . Mit einemmal aber war es ihm , als würde die Klinke leis geöffnet und wieder ins Schloß gedrückt , und als er sich umsah , sah er , daß Christine vor ihm stand . » Da , Lehnert ! « Und sie hielt ihm bei diesen Worten ein nach Art eines amtlichen Schreibens zweimal zusammengefaltetes Papier hin . Als er es auseinandergeschlagen und , ans Fenster tretend , einen Blick hineingeworfen hatte , sah er , daß es der Bericht war , in dem Opitz seinen Strafantrag gestellt hatte . » Zerreiß es ! « sagte Christine . » Ich hab es gefunden . Es lag auf seinem Schreibtisch . « » Aber er wird es suchen , wenn er nach Hause ... wenn er wiederkommt « . » Er kommt nicht wieder « . Und damit war sie fort , und er sah nur , wie sie rasch über den Steg hinhuschte , wieder der Försterei zu . Dreizehntes Kapitel » Er kommt nicht wieder « , hatte Christine gesagt ; - sie konnte nicht wissen , was geschehen war , und sie wußt es doch . Daß er von ihr nichts zu befürchten habe , das bewies das Papier , das er in Händen hielt , und doch konnt er sich eines Gefühls banger Unruhe nicht entschlagen . Erst hatte die Mutter in Andeutungen gesprochen und nun Christine . Wenn er vor aller Welt der war , gegen den sich der Verdacht wie von selbst richten mußte , so war er verloren oder hatte doch auf lange hin einen schweren Stand . Er war müde von dem vielstündigen Bergauf und Bergab , aber seine Erregung war doch so stark , daß es ihn zu Hause nicht litt . Er mußte wieder hinaus , und die Frage war nur , » wohin ? « Am nächsten lag ihm Vater Brauner , in dessen Ausschank » Zur Rabenklippe « die Holzknechte zu verkehren und sich bei einer Stonsdorfer oder einem Ingwer gütlich zu tun pflegten ; aber das war keine Gesellschaft , die heute für ihn paßte . » Was macht Opitz ? « oder » Ist Opitz noch immer gut bei Wege ? « Das waren Fragen , die sich hier in zurückliegender Zeit , und noch ganz vor kurzem , mehr als einmal und mitunter mit ganz besonderer Betonung an ihn gerichtet hatten , und er erschrak bei dem Gedanken , daß sie sich auch heute wieder an ihn richten könnten . Das sollte nicht sein , und so beschloß er denn , statt in die » Rabenklippe « lieber ein paar tausend Schritte weiter