Dich , Tini . « - » Bonjour , Martha . « - » Ah , Sie auch da , Gräfin ? « - » Bist Du für den Ostersonntag schon vergeben ? « - » Guten Tag , Durchlaucht , vergessen Sie nicht , daß wir Sie Montag Abend zu einer kleinen Tanzerei erwarten . « - » Warst Du gestern bei den Dominikanern in der Predigt ? - » Nein , ich war im Sacré-coeur , wo meine Töchter eine Retraite machen . « - » Die nächste Probe zu unserer Wohlthätigkeitsvorstellung ist Dienstag um zwölf Uhr , lieber Baron , seien Sie ja pünktlich . « - » Die Kaiserin hat wieder superb ausgesehen . « - » Hast Du bemerkt , Lori , wie der Erzherzog Ludwig Viktor immer zu der Götter-Fanny herüberschielte ? « - Madame , j ' ai l ' honneur de vous présenter mes hommages . « - » Ah , c ' est vous , marquis ... charmée . « - » I wish you good morning , Lord Chesterfield . - » Oh , how are you ? Awfully fine woman , your Empress . « - » Haben Sie schon eine Loge gesichert für die Vorstellung der Adelina Patti ? Ein ganz wunderbarer aufgehender Stern ... « - » Die Nachricht von der Verlobung des Ferdi Drontheim mit der Bankierstochter soll sich also doch bestätigen - es ist ein Skandal ! « Und so schwirrte es hin und her . Ein unbefangener Horcher hätte diesen Gesprächen wohl kaum angemerkt , daß sie der Nachstimmung einer eben verrichteten Demutsandacht entsprangen . Endlich traten wir vor das Thor hinaus , wo unsere Wagen warteten und eine Menge Volk versammelt war . Diese Leute wollten wenigstens diejenigen sehen , welche so glücklich waren , den Allerhöchsten Hof gesehen zu haben ; sie konnten dann ihrerseits als diejenigen , welche die Gesehenhabenden gesehen hatten , wieder minder Bevorzugten sich sehen lassen . Kaum waren wir hinausgetreten , so stand Tilling vor mir . Er verneigte sich . » Ich muß Ihnen noch danken , Gräfin Dotzky , für den herrlichen Kranz . « Ich reichte ihm die Hand - aber konnte kein Wort sprechen . Unser Wagen war vorgefahren ; wir mußten einsteigen und Rosa drängte mich vorwärts ; Tilling führte die Hand an die Mütze und wollte zurücktreten . Da machte ich eine heftige Anstrengung und sagte mit einer Stimme , die mir selber ganz fremd klang : » Sonntag zwischen zwei und drei , werde ich zu Hause sein . « Er verneigte sich stumm und wir stiegen ein . » Du mußt Dich erkältet haben , Martha , « bemerkte meine Schwester , als wir davonfuhren ; » Deine Aufforderung klang furchtbar heiser . Und warum hast Du mir diesen schwermütigen Stabsoffizier nicht vorgestellt ? Ich habe noch selten ein weniger aufheiterndes Gesicht gesehen . « Am bestimmten Tage und zur bestimmten Stunde ließ sich Tilling bei mir anmelden . Vorher hatte ich in die roten Hefte folgende Eintragung gemacht : » Ich ahne , daß der heutige Tag über mein Schicksal entscheiden wird . Mir ist so feierlich und bang , so süß erwartungsvoll zu Mute . Diese Stimmung muß ich in diesen Blättern fixieren , damit , wenn ich einst nach langen Jahren darin blättere , ich mir recht lebhaft die Stunde ins Gedächtnis zurückrufen könne , welcher ich jetzt so bewegt entgegensehe . Vielleicht kommt es ganz anders , als ich denke - vielleicht auch genau so ... jedenfalls wird es mich einst interessiren , zu sehen , wie weit Voraussicht und Wirklichkeit sich deckten . - - - Der Erwartete liebt mich - das bewies mir sein am Sterbelager der Mutter geschriebener Brief ; er ist wiedergeliebt - das muß ihm das Röslein im Totenkranz verraten haben ... Und nun kommen wir zusammen - ohne Zeugen - im Innersten bewegt - er trostbedürftig - ich vom Wunsche zu trösten durchdrungen : ich glaube , es wird gar nicht viel Worte geben ... Thränen in unserer beiden Augen , zitternd vereinte Hände - und wir werden uns verstanden haben ... Zwei liebende , zwei glückliche Menschen - ernsthaft , weihevoll , leidenschaftlich , andächtig glücklich - während in der Gesellschaft die Sache gleichgültig und trocken etwa so verkündet wird ! » Wissen Sie schon ? die Martha Dotzky hat sich mit Tilling verlobt - eine miserable Partie . « ... Es ist zwei Uhr und fünf Minuten - jetzt kann er jeden Augenblick eintreten . - Die Glocke ... dieses Herzklopfen dieses Zittern , ich fühle , daß - - « So weit war ich gekommen . Die letzte Zeile ist mit beinahe unleserlichen Buchstaben gekritzelt , ein Zeichen , daß » dieses Herzklopfen , dieses Zittern « keine bloße rhetorische Figur war . Voraussicht und Wirklichkeit deckten sich nicht . Tilling verhielt sich während seines halbstündigen Besuches ganz zurückhaltend und kalt . Er bat mich um Verzeihung für die Kühnheit , welche er gehabt , an mich zu schreiben ; ich möge dieses Beiseitesetzen der Etikette der Unzurechnungsfähigkeit zu gute halten , welche einen Menschen in so schmerzlichen Augenblicken befallen kann . Dann erzählte er mir noch einiges von den letzten Tagen und aus dem Leben seiner Mutter ; aber von dem , was ich erwartet hatte - kein Wort . Und so wurde auch ich immer zurückhaltender und kälter . Als er sich zum Gehen erhob , machte ich keinen Versuch , ihn zu halten und forderte ihn auch nicht auf , wiederzukommen . Und als er draußen war , stürzte ich wieder zu den noch offen liegenden roten Heften hin und schrieb den unterbrochenen Satz weiter : » Ich fühle , daß - alles aus ist ... daß ich mich schmählich getäuscht habe , daß er mich nicht liebt und jetzt auch glauben wird , daß er mir ebenso gleichgültig ist , wie ich ihm . Beinahe abstoßend habe ich mich benommen . Ich