, was mir mein Herz eingab . Und was ich dir noch sagen wollte , Botho , und warum ich dir die paar Schritte nachgelaufen bin : es bleibt doch bei dem , was ich dir gestern abend sagte . Daß ich diesen Sommer leben konnte , war mir ein Glück und bleibt mir ein Glück , auch wenn ich von heut ab unglücklich werde . « » Lene , Lene , sprich nicht so ... « » Du fühlst selbst , daß ich recht habe ; dein gutes Herz sträubt sich nur , es zuzugestehen , und will es nicht wahrhaben . Aber ich weiß es : gestern , als wir über die Wiese gingen und plauderten und ich dir den Strauß pflückte , das war unser letztes Glück und unsere letzte schöne Stunde . « Mit diesem Gespräche hatte der Tag geschlossen , und nun war der andre Morgen , und die Sommersonne schien hell in Bothos Zimmer . Beide Fenster standen auf , und in den Kastanien draußen quirilierten die Spatzen . Botho selbst , aus einem Meerschaum rauchend , lag zurückgelehnt in seinem Schaukelstuhl und schlug dann und wann mit einem neben ihm liegenden Taschentuche nach einem großen Brummer , der , wenn er zu dem einen Fenster hinaus war , sofort wieder an dem andern erschien , um Botho hartnäckig und unerbittlich zu umsummen . » Daß ich diese Bestie doch los wäre . Quälen , martern möcht ich sie . Diese Brummer sind allemal Unglücksboten und so hämisch zudringlich , als freuten sie sich über den Ärger , dessen Herold und Verkündiger sie sind . « In diesem Augenblicke schlug er wieder danach . » Wieder fort . Es hilft nichts . Also Resignation . Ergebung ist überhaupt das beste . Die Türken sind die klügsten Leute . « Das Zuschlagen der kleinen Gittertür draußen ließ ihn während dieses Selbstgesprächs auf den Vorgarten blicken und dabei des eben eingetretenen Briefträgers gewahr werden , der ihm gleich danach , unter leichtem militärischen Gruß und mit einem » Guten Morgen , Herr Baron « , erst eine Zeitung und dann einen Brief in das nicht allzu hohe Parterrefenster hineinreichte . Botho warf die Zeitung beiseite , zugleich den Brief betrachtend , auf dem er die kleine , dichtstehende , trotzdem aber sehr deutliche Handschrift seiner Mutter unschwer erkannt hatte . » Dacht ich ' s doch ... Ich weiß schon , eh ich gelesen . Arme Lene . « Und nun brach er den Brief auf und las : » Schloß Zehden . 29. Juni 1875 Mein lieber Botho . Was ich Dir als Befürchtung in meinem letzten Briefe mitteilte , das hat sich nun erfüllt : Rothmüller in Arnswalde hat sein Kapital zum 1. Oktober gekündigt und nur aus alter Freundschaft hinzugefügt , daß er bis Neujahr warten wolle , wenn es mir eine Verlegenheit schaffe . Denn er wisse wohl , was er dem Andenken des seligen Herrn Barons schuldig sei . Diese Hinzufügung , so gut sie gemeint sein mag , ist doch doppelt empfindlich für mich ; es mischt sich soviel prätentiöse Rücksichtnahme mit ein , die niemals angenehm berührt , am wenigsten von solcher Seite her . Du begreifst vielleicht die Verstimmung und Sorge , die mir diese Zeilen geschaffen haben . Onkel Kurt Anton würde helfen , wie schon bei frührer Gelegenheit , er liebt mich und vor allem Dich , aber seine Geneigtheit immer wieder in Anspruch zu nehmen hat doch etwas Bedrückliches und hat es um so mehr , als er unsrer ganzen Familie , speziell aber uns beiden , die Schuld an unsren ewigen Verlegenheiten zuschiebt . Ich bin ihm , trotz meines redlichen mich Kümmerns um die Wirtschaft , nicht wirtschaftlich und anspruchslos genug , worin er recht haben mag , und Du bist ihm nicht praktisch und lebensklug genug , worin er wohl ebenfalls das Richtige treffen wird . Ja , Botho , so liegt es . Mein Bruder ist ein Mann von einem sehr feinen Rechts- und Billigkeitsgefühl und von einer in Geldangelegenheiten geradezu hervorragenden Gentilezza , was man nur von wenigen unsrer Edelleute sagen kann . Denn unsre gute Mark Brandenburg ist die Sparsamkeits- und , wo geholfen werden soll , sogar die Ängstlichkeitsprovinz , aber so gentil er ist , er hat seine Launen und Eigenwilligkeiten , und sich in diesen beharrlich gekreuzt zu sehen hat ihn seit einiger Zeit aufs ernsthafteste verstimmt . Er sagte mir , als ich letzthin Veranlassung nahm , der uns abermals drohenden Kapitalskündigung zu gedenken : Ich stehe gern zu Diensten , Schwester , wie du weißt , aber ich bekenne dir offen , immer da helfen zu sollen , wo man sich in jedem Augenblicke selber helfen könnte , wenn man nur etwas einsichtiger und etwas weniger eigensinnig wäre , das erhebt starke Zumutungen an die Seite meines Charakters , die nie meine hervorragendste war : an meine Nachgiebigkeit ... Du weißt , Botho , worauf sich diese seine Worte beziehen , und ich lege sie heute Dir ans Herz , wie sie damals , von Onkel Kurt Antons Seite , mir ans Herz gelegt wurden . Es gibt nichts , was Du , Deinen Worten und Briefen nach zu schließen , mehr perhorreszierst als Sentimentalitäten , und doch , fürcht ich , steckst Du selber drin , und zwar tiefer , als Du zugeben willst oder vielleicht weißt . Ich sage nicht mehr . « Rienäcker legte den Brief aus der Hand und schritt im Zimmer auf und ab , während er den Meerschaum halb mechanisch mit einer Zigarette vertauschte . Dann nahm er den Brief wieder und las weiter . » Ja , Botho , Du hast unser aller Zukunft in der Hand und hast zu bestimmen , ob dies Gefühl einer beständigen Abhängigkeit fortdauern oder aufhören soll . Du hast es in der Hand , sag ich , aber , wie ich freilich hinzufügen muß , nur kurze Zeit noch , jedenfalls