betrunken « , sprach der Junge , machte sich los von Virgils krampfhaftem Umklammern und stieg über den Zaun in den Garten . Am nächsten Morgen erwachte Pavel aus tiefem Schlafe . Die Tür der kleinen Kammer , die ihm der Lehrer als Wohnstube angewiesen hatte , war aufgerissen worden ; im Dämmerschein des grauenden Herbsttages stand der Schulmeister da und rief : » Steh auf ! beeil dich - du mußt die Sterbeglocke läuten . « » Für wen denn ? « fragte Pavel und regte die schlummerschweren Glieder . » Für den Bürgermeister . « Der Junge sprang empor wie angeschossen . » Er ist tot , ich gehe hin , besorg du das Läuten « , sprach Habrecht und eilte hinweg . Pavels erste Empfindung war Schrecken und Staunen . Der Bürgermeister , dem er gestern das Mittel gebracht hat , das ihn gesund machen sollte , nicht genesen ? gestorben - nicht genesen ? ... Das Mittel hat nicht geholfen ! Gott hat ' s nicht gewollt , darum vielleicht nicht , weil er ' s wohlmeint mit Pavel , dieser gute Gott . Er hat vielleicht den Bürgermeister sterben lassen , damit der Pavel nicht zwingen könne , noch länger bei Virgil zu bleiben . Der Junge flog aus dem Hause und über den Hof , die Treppe zum Glockenturm hinauf und läutete , läutete mit Andacht , mit Inbrunst , mit feierlicher Langsamkeit . Und dabei betete er still und heiß für das Seelenheil des Verstorbenen . Als er vom Turme herunterkam , traf er den Herrn Pfarrer , der , auf dem Heimweg aus dem Sterbehaus , den verdeckten Kelch in den Händen , eben im Begriff war , in die Kirche zu treten . Pavel sank auf die Knie vor dem heiligen Viatikum , und der Priester ließ im Vorübergehen einen Blick so voll Verdammnis und Verwerfung über ihn hingleiten , daß er erschrocken zusammenfuhr , an die Brust schlug und sich fragte : Ist er bös auf mich , weil er sich vielleicht auch denkt , daß der Bürgermeister meinetwegen hat sterben müssen ? Er ging in die Schule zurück und nach seiner Stube und hatte dieselbe kaum erreicht , als auch schon Vinska hereinstürzte , verstört , ganz außer sich . Sie hatte die Kleider nur hastig übergeworfen , das Tüchlein fiel ihr vom zerrauften Haar in den Nacken , ihr Gesicht war totenbleich , und mit den Gebärden wilder Verzweiflung warf sie sich vor Pavel hin . » Erbarm dich ! « rief sie , » du bist besser als wir alle . Guter Pavel , weil du so gut bist , erbarm dich unser ... Wir waren immer schlecht gegen dich , aber erbarm dich doch , erbarm dich meines alten Vaters , meiner alten Mutter , erbarm dich meiner ! « Sie preßte das Gesicht an seine Knie , die sie umschlungen hatte , und sah flehend zu ihm empor . Er war noch bleicher geworden als sie , eine unheimliche Wonne durchschauerte ihn : » Was willst du ? « fragte er . » Pavel « , antwortete sie und drückte sich fester an ihn , » das Fläschchen , das du gestern gebracht hast , hat der Tote , wie sie ihn gefunden haben , in der Hand gehalten , und die Leute sagen - und der Peter sagt auch , es ist Gift . « » Gift ? « Die nächtliche Szene mit Virgil fiel ihm plötzlich ein ; » ja , von Gift hat dein Alter geredet ... Otterngezücht ! Ihr habt den Bürgermeister vergiften wollen ... « » So wahr Gott lebt « , beteuerte Vinska , » ich hab von nichts gewußt ... Und auch , so wahr Gott lebt : Es ist nichts Böses geschehen ... Glaub mir - der Bürgermeister ist an seiner Krankheit gestorben , nur früher , als der Doktor gemeint hat , und das Mittel , das du gebracht hast , war ein gutes Mittel ... Man wird es schon sehen bei Gericht , denn es kommt vors Gericht , der Peter will ' s ! « Keuchend , in namenloser Aufregung , brachte sie diese Worte hervor , und ihr starrer Blick hielt den seinen fest . » Wenn ' s so ist « , entgegnete Pavel , » vor was fürcht ' st dich ? « » Vor was ? Weißt nicht , wie die Leute sind ? ... Wenn die Mutter vors Gericht kommt und wird zehnmal losgesprochen , deswegen heißt ' s doch , losgesprochen ist nicht unschuldig ... Die Mutter darf nicht vors Gericht kommen , Pavel - Pavel ! « Sie wiederholte seinen Namen in allen Tonarten des Jammers , ihr zarter Körper schmiegte sich schlangenmäßig an ihm empor , und er , mit widerstrebender Seele , voll Argwohn und Groll , verschlang sie mit den Augen . » Ich kann nicht helfen « , murmelte er . » Du kannst ! Du brauchst nur zu wollen , du brauchst nur zu sagen ... sag es , Pavel , guter , guter Pavel ! « » Was denn ? was soll ich sagen ? « » Daß dich niemand geschickt hat « , stammelte sie zagend , » daß du von selbst zu ihm gegangen bist . « » Von selbst ? « brach er aus ; » was werd denn ich von selbst zu ihm gehen ? was werd denn ich ihm bringen von mir selbst ? Ich weiß ja nichts . « » O Lieber , Allerliebster ! ein Hirt weiß immer was . Du hast oft Kräuter gekocht für die kranken Ziegen und Schafe und hast halt gemeint , was für die so gut ist , kann auch für einen kranken Menschen gut sein ... Das sag , Pavlicek , wenn sie dich fragen . « Sie küßte ihn , der ihr nicht mehr wehrte , auf seine brennenden Lippen . » Das sag , und dann