nicht bloß ja ? Was fehlt ? Ein Mann wie Sie , Liebling fünf Meilen in der Runde , gehalten von der Gemeinde , geschätzt von der Behörde - wie wenige dürfen sich dessen rühmen ! Und wenn dann das Jubiläum kommt ... « » Das kommt nicht . « » Warum nicht ? « » Weil ich den Dienst quittiert habe . « » Wie das ? Aber freilich ... Pardon ... ich entsinne mich ; Ihr Freund und Verehrer , der Herr Emeritus , hat uns schon in Thale davon erzählt und auch den Grund genannt , der Sie bestimmte . Gewissensbedenken , um nicht zu sagen Gewissensbisse . « Der Alte lächelte . » Nun ja , Gewissensbisse , das auch . Aber das alles , offen gestanden , blieb doch bloß die kleinere Hälfte . Die Hauptsache war , ich wollte dem Ehrentag entgehen , demselben Ehrentag , dessen der Herr Oberst eben erwähnte . « » Dem Jubiläum ? aber weshalb ? « » Weil ich der sogenannten Auszeichnung entgehen wollte . « » Aus Bescheidenheit ? « » Nein , aus Dünkel . « » Aus Dünkel ? Ich bitte Sie , wer geht einer Auszeichnung aus dem Wege ? « » Die wenigsten . Und ich auch nicht . Aber Auszeichnung und Auszeichnung ist ein Unterschied . Ein jeder freut sich seines Lohnes . Gewiß , gewiß . Aber wenn der Lohn kleiner ausfällt , als man ihn verdient hat oder wenigstens verdient zu haben glaubt , dann freut er nicht mehr , dann kränkt er . Und das war meine Lage . Man wollte mir ein Bändchen geben an meinem Jubiläumstage . Nun gut , auch ein Bändchen kann etwas sein ; aber das , das meiner harrte , war mir doch zuwenig , und so macht ich kurzen Prozeß und bin ohne Jubiläum , aber Gott sei Dank auch ohne Kränkung und Ärger aus dem Dienste geschieden . Ich weiß wohl , daß man nie recht weiß , was man wert ist , aber ich weiß auch , daß es die Menschen in der Regel noch weniger wissen . Und handelt es sich gar um ein armes Dorfschulmeisterlein , nun so geht alles nach Rubrik und Schablone , wonach ich mich nicht behandeln lassen wollte . Von niemandem , auch nicht von wohlwollenden Vorgesetzten . Und da hab ich demissioniert und dem Affen meiner Eitelkeit sein Zuckerbrot gegeben . « » Bravo « , sagte der Oberst und reichte dem Alten beide Hände . » Sich ein Genüge tun ist die beste Dekoration . Im letzten ist man immer nur auf sich und sein eigen Bewußtsein angewiesen , und was andre versäumen , müssen wir für uns selber tun . Das heißt nicht , sich überheben , das heißt bloß die Rechnung in Richtigkeit bringen . Und nun erzählen Sie mir von dem Porphyr hier . Ich dachte , der Harz wäre Granit . Aber es ist auch in der Natur so : mitten aus dem allgemeinen Granit wächst mal ein Stück Porphyr heraus . Da heißt es dann , woher kommt er ? Aber es ist eine nutzlose Frage . Er ist eben da . « So plauderten sie weiter , und als sie , bei fortgesetztem Gespräch über Altenbrak und die Altenbraker , endlich den Zickzackweg wieder abwärts stiegen , bemerkten sie Gordon und die beiden älteren Herren die , von einem Dorfspaziergange heimkehrend , eben aus der Talschlucht nach Burg Rodenstein hinaufkletterten . In ihrer Mitte Rosa . Diese begrüßte jetzt der ihr bis in Front des Hauses entgegengehende St. Arnaud unter gleichzeitigen scherzhaften Vorwürfen über ihre Fahnenflucht aus » Hotel Zehnpfund « , und als man abermals eine Minute später gemeinschaftlich auf die Veranda trat , sah man , wie schon die Vorbereitungen zum Mittagsmahl getroffen und Tisch und Stühle , der bessern Aussicht halber , bis hart an die Holzpfeiler vorgerückt waren . Weißes Linnen kam und Blumen , zuletzt auch Cécile , noch angerötet vom Schlaf , und ehe weitere zehn Minuten um waren , hatte jeder seinen Platz beim Mahl , an dem teilzunehmen der Präzeptor nach einigem Zögern eingewilligt hatte . Er saß zwischen den beiden Damen und zeigte durch Artigkeit und guten Humor , daß er in seiner Jugend eine gute Schule durchgemacht haben mußte . Cécile war entzückt und flüsterte Rosa zu : » Tout à fait comme il faut ! « Und so war auch das Mahl , das sich gleich mit einer kleinen Überraschung einleitete . Die Frau Präzeptorin hatte nämlich , über die vereinbarten Gänge hinaus , auch noch für ein Extra Sorge getragen , für eine Kerbelsuppe , hinsichtlich deren ihr Haushalt ein Renommee hatte . » Ach , Kerbel « , sagte der Oberst , als der Deckel abgenommen wurde . » Wenn Sie wüßten , meine liebe Frau Präzeptorin , wie Sie ' s damit getroffen haben ! Wenigstens für mich . Meine ganze Jugend steigt dabei wieder vor mir auf . Alle Mittwoch , so lang es Kerbel gab , gab es auch Kerbelsuppe , das war wie Amen in der Kirche , Kerbel und dann Reis und Saucißchen . Ich denke , daß es mir heute so schmecken soll wie damals ... Aber was trinken wir ? Cécile , Fräulein Rosa , was soll es sein ? Ich gehe bis an die Grenze des Möglichen ... « » Also so weit mein Weinkeller reicht « , lachte der Präzeptor . » Aber mein Herr Oberst , der reicht nicht weit . Ein Trarbacher , ein Zeltinger . Mosel , dir leb ich , Mosel , dir sterb ich . Übrigens das Beste , was ich habe ... « » Nein , nein « , unterbrach Cécile . » Nicht Wein , nichts Fremdes . Braunschweiger Landesgebräu . Nicht wahr , Herr von Gordon ? « » Unbedingt « , sagte dieser . » Bei solchen Gelegenheiten muß alles eine Lokalfarbe haben . Also