: » Lassen Sie sich nicht auslachen . « Schimmelreiter jedoch küßte wie verzückt das über Bozenas Schulter herabhängende Händchen der Kleinen . Schweigend langte die Gesellschaft zu Hause an . Unter dem Tore setzte Bozena ihre leichte Bürde ab ; sie blieb stehen , kreuzte die Arme und hielt eine Weile die Augen stumm auf das gegenüberliegende Haus gerichtet . » Wer wohnt jetzt dort ? « fragte sie endlich mit Überwindung . » Gar viele Leute « , antwortete Mansuet , » wir haben ja Wohnungsnot in Weinberg . Der Kreishauptmann , der Herr Graf , ist im Jahre achtundvierzig fortgekommen . Und unser Bekannter , sein Jäger « - Mansuet wandte den Kopf und heftete den Blick so fest auf einen der steinernen Torpfeiler , als ob sich dort etwas Unerhörtes begäbe - , » der hat die Kammerjungfer der Gräfin geheiratet und ein Revier gekriegt , hier in der Nähe ... « » Hier in der Nähe ? « wiederholte Bozena . » Ist aber längst nicht mehr da , hat selbständig nicht gut getan , heißt es « , fuhr Mansuet fort . » So schickte ihn sein Graf auf eines der großen Güter , die er in Böhmen besitzt . Dort lebt der Bernhard unter der Zucht des Oberförsters , der keinen Spaß versteht ... verstehen soll . Soll ! - das alles weiß ich ja nur vom Hörensagen ... « » In Böhmen also « , sagte Bozena leise vor sich hin . » Ja , ganz hoch oben . Es heißt auch , er sei öfter betrunken als nüchtern , aber ich will ihm nichts Übles nachreden . Es heißt , er prügle seine Frau ; nun , das ist ihre Sache . Ein Wunder wär ' s übrigens nicht . Das verwöhnte Jüngferchen paßt auf keinen Fall für ihn . Der hätte ein tüchtiges Weib gebraucht , das ihm den Daumen aufs Auge setzt . « Ein Bote von Frau Heißenstein , der Mansuet und Schimmelreiter nach dem Gesellschaftszimmer beschied , wo ihnen das Testament , von dem sie noch keine Kenntnis hatten , vorgelesen werden sollte , unterbrach dieses Gespräch . Die beiden Kommis empfahlen sich und folgten dem Rufe der Gebieterin . Als sie eintraten , fanden sie Nannette auf das eifrigste - Mansuet behauptete auf das zudringlichste - bemüht , den Grafen Ronald zurückzuhalten , der sich verabschieden wollte . Sie gab ihm mit einem süß-säuerlichen Lächeln zu verstehen , daß es gefühllos wäre , die Hinterbliebenen eines ihm befreundeten Mannes in solcher Eile zu verlassen . Ronald ließ sich endlich überreden und blieb , vermochte aber nicht zu verbergen , wie unpassend ihm seine Anwesenheit im Hause in diesem Augenblicke erschien . Man setzte sich um den Tisch . Doktor Wenzel verlas das Testament Heißensteins . Der Verstorbene ernannte darin seine einzige Tochter , Regula Heißenstein , zur Universalerbin seines ganzen Vermögens . Die Nutznießung desselben verblieb lebenslänglich seiner getreuen Gattin , Frau Nannette Heißenstein . Einige ansehnliche Legate waren ausgesetzt . Schimmelreiter war reichlich , Mansuet fürstlich bedacht . Ihm wurde überdies im ebenerdigen Geschoß des Hauses eine Wohnung für die Dauer seiner ganzen Lebenszeit zur freien Verfügung gestellt . Mit warmen Worten sprach Heißenstein von dem » treuesten Diener « , er empfahl seiner Frau und seiner Tochter , ihn hoch in Ehren zu halten und ohne seinen Rat nichts Wichtiges zu beschließen . Während Doktor Wenzel diesen Absatz des Testamentes salbungsvoll vortrug , schien Mansuet immer kleiner zu werden und sank zuletzt so tief in sich zusammen , daß sein vornübergebeugter Kopf in eine Linie mit dem Tischrande zu stehen kam und keiner von den Anwesenden sein Gesicht sehen konnte . Einige Verfügungen zugunsten der Armen der Stadt folgten , zuletzt kam die Anordnung , das Geschäft des Kaufmanns nach seinem Tode sogleich aufzulösen und das Verbot , die Firma , unter was immer für Bedingungen , zu veräußern . Mit Leopold Heißenstein habe das Handlungshaus zu bestehen aufgehört . Das Testament war vor sieben Jahren verfaßt und seither auch nicht ein Wort daran geändert , nicht das kleinste Kodizill beigefügt worden . Eine Stunde später empfahl sich Graf Ronald bei den Damen . Mansuet und Schimmelreiter begleiteten ihn bis an den Wagen und machten dann einen weiten Spaziergang auf der Landstraße . Erst bei sinkender Nacht kamen sie heim . Sie waren die ganze Zeit hindurch fast stumm nebeneinander hergegangen . Jetzt , als sie schon unter das Haustor traten , sprach Schimmelreiter : » Ja , ja , Sie sind nun eine glänzende Partie , und ich bin eine sehr annehmbare . « » Was sind Sie ? « fragte Mansuet . » Eine annehmbare Partie « , wiederholte Schimmelreiter und zupfte sich an dem dünnen , borstigen , weitabstehenden Barte . Er sah mit seinem runden Gesichte , seiner flachen Nase und seinen großen Augen einem Seehunde ähnlicher denn je . » Besonders Ihre fünfundfünfzig Jahre werden die Frauenzimmer locken « , sprach Weberlein wegwerfend . » Ich wünsche mir keinen Backfisch ! « rief sein Kollege eifrig und fügte nach einer Pause , während der Mansuet ihn spöttisch von der Seite ansah , stockend und in großer Verlegenheit hinzu : » Diejenige , welche - ist bereits mittelalterlich . « Aber schon im nächsten Augenblicke wollte er , wie Lazarillo , lieber gestorben sein , als diese Rede ausgesprochen haben , denn er hörte neben sich ein derart schneidendes » So ? ! « als hätte eine Schlange es gezischt . Der kleine Mansuet fuhr mit beiden Händen in die Taschen seines Rockes , hob sich , so hoch er konnte , auf den Fußspitzen empor und sagte dem großen Schimmelreiter trocken in den Bart hinein : » Beruhigen Sie sich ! - Diejenige nimmt Sie nicht . « Mit diesen Worten wandte er sich und war so rasch verschwunden , als hätte ihn der Boden verschlungen . Während sich dieses zu ebener Erde ereignete , saßen im düsteren Speisezimmer