! « sagte sie sich , wenn sie ihr Kontobuch zugeklappt und ein beredtes Schönpflästerchen auf die geschminkte Wange geheftet hatte , um ihrer Herrin - jetzt der Nachfolgerin der brandenburgischen Eberhardine - zu einem Feste des unerschöpflich erfinderischen , allgewaltigen Ministers zu folgen . Und der Rechte kam noch zur rechten Zeit , bevor die letzte Jugendblüte gewelkt war . Was wißt Ihr , meine Freunde , unter den ungezählten , länderlosen Fürstensöhnen des heiligen römischen Reichs deutscher Nation von einem Prinzen Christian ? Und was braucht Ihr von ihm zu wissen , als daß er ein schöner Mann und nach den Begriffen seiner Zeit und Zone ein Genie gewesen ist : ein Genie , das heißt ein durchlauchtiger Libertin nach dem Schlage des Maréchal de Saxe - nur daß er sich auf kein Fontenoy und Rocour zu berufen hatte - , daß er an den verwandten Hof von Sachsen zurückkehrte , sei es , um nach allerlei abenteuernden Fahrten sich eine Ruhepause zu gönnen , sei es , um nach erschöpftem Erbteil sich neue Quellen aufzuschließen . Die fürstliche Sippe war der wiederholten Schröpfungen überdrüssig ; das Suchen nach einer ebenbürtigen Erbin erwies sich als verlorene Mühe . Brühl glaubte daher einen Meisterzug zu tun , indem er die Blicke des unbequemen Schützlings auf das immerhin noch ansehnliche und im Ehrenpunkte untadelige Frei- und Hoffräulein von Reckenburg als eine der besten Partien in deutschen Landen lenkte . Ob das vorsichtige Fräulein dem verführerischen Coqueluche der Damenwelt widerstanden haben würde , wenn er einfach ihresgleichen gewesen wäre , sei dahingestellt . Aber er war ein Prinz , berechtigt , um eine Kaisertochter zu werben , und diesem Zauber widerstand sie nicht . Ihr Kinder eines anderen Jahrhunderts habt keinen Maßstab mehr für eine Anschauung , welche auch den letzten Anhängsel eines Thrones hoch über alle menschlichen Ordnungen erhob und den Gesalbten des Herrn der Pflicht selber gegen die ewigen Gesetzestafeln entband ; für eine Anschauung , welche einen verirrten Tropfen königlichen Blutes von höherem Adel achtete , als den , welcher in den Kreuzzügen erobert worden war . Nach einer Ertötung ohnegleichen während der verheerenden dreißig Jahre hatte die Zeit über unserm Vaterlande gleichsam stillgestanden und das Säkulum der äußersten Verdumpfung des Bürgertums , des tiefsten Verfalls der Ritterschaft war noch nicht abgelaufen . Erst des preußischen Friedrich Schwert und Zepter hat die Uhr für eine neue Zeitrechnung aufgezogen . Der Prinz von Geblüt hatte dem reichen und ahnenreichen Fräulein kein ebenbürtiges Bündnis anzubieten ; sie durfte nicht seinen Namen führen ; ihre Kinder - hätte er etwas zu sukzedieren gehabt - würden nicht sukzessionsfähig gewesen sein . Aber die Stellung einer fürstlichen Gemahlin auch nur zur linken Hand bot der zur » Reichsgräfin von Reckenburg « Erhobenen noch immer den ersten Rang nach den reichsunmittelbaren Geschlechtern ; der Ehrgeiz sah kein erreichbar höheres Ziel , und so wurde die ursprünglichste Leidenschaft zu einem magnetischen Strom , der eine unstillbare Glut in dem so lange kalten Herzen entzündete . Die Hände , welche ein fürstlicher Gemahl mit galanter Inbrunst küßte , wie hätten sie fortan die Schnüre des Säckels ängstlich zusammenhalten mögen ? Hoffart , die Herrin , hatte ihr Ziel erreicht ; Klugheit , die Magd , wurde des Dienstes entlassen . Bald war die Haushaltung in der Hauptstadt mit rangentsprechendem Glanze eingerichtet . Das junge Paar zählte zu dem Anhange der regierenden Kurfürstin-Königin und mit ihr zu den Feinden des allgewaltigen Favoriten . Am Hasse entzündete sich die Rivalität , und es war vielleicht der einzige Wermutstropfen in Eberhardines Honigbecher , daß sie ihren angebeteten Prinzen es nicht einem Emporkömmling gleichtun lassen konnte , der sich Hunderte von Lakaien und eine eigene Leibgarde hielt , der , wie Friedrich der Große sagt , in Europa die meisten Pretiosen , Spitzen , Pantoffel und so weiter besaß , und mit den Narreteidingen eines verschmitzten Sklaven die träge Sultanslaune seines sogenannten Herrn bis an den Rand des Abgrundes gängelte . War nun der Abstich schon empfindlich während der residenzlichen Winterzeit , um wie viel mehr , wenn der Sommer kam mit seinen ländlichen Festen , der Herbst mit der einzigen königlichen Passion , der Jagd . Da verging wohl kein Jahr , daß nicht der schöpferische Minister in einem eigenen neuen , aus dem Boden gestampften Prachtbau seinem Herrn ein Feenspiel oder eine Sauhetze bereitet hätte . Der Parvenü zählte seine Lustschlösser und Jagdgebiete nach Dutzenden ; der Prinz von Geblüt erfreute sich keiner Handbreit eigenen Landes und auch das Vermögen seiner Gemahlin war nicht in Grundbesitz angelegt . In dieser Verlegenheit gedachte man der alten , verwüsteten Reckenburg , und da romantische Naturschönheit so wenig wie fruchtbringende Bodenkultur in der Berechnung lag , fand man die erwünschteste Gelegenheit : in der Nähe eines schiffbaren Stromes ein Waldrevier mit einem Wildbestand , dessen die verzweifelnden Bauern trotz gewaltsamster Selbsthilfe auf ihren kargen Feldstücken sich nicht erwehren konnten . Man feierte zum voraus im Geiste die Gondelfahrten , Hetz- und Treibjagden , die auf diesem ältesten Reckenburgschen Grunde arrangiert werden sollten , sobald an Stelle der eingeäscherten Burgtrümmer ein Neubau , stolzer als alle Schöpfungen Brühls , sich erhoben haben würde . Allerdings erforderte dieser Neubau Jahre ; Jahre deren sommerliche Hälfte in Ermangelung einer standesmäßigen Residenz auf Reisen verbracht werden mußte . Welche Verlockung nun aber , sich in den kunstfertigsten Ländern Europas mit den Erzeugnissen des Luxus und der Mode für die heimatliche Einrichtung zu versehen ! Endlich stand der heißersehnte Palast aufgerichtet ; der letzte Marmorsims , das letzte Getäfel waren eingefügt ; Stukkatur und Schnitzwerk , Gobelin und Brokat , vor allem das gräflich gekrönte fürstlich-freiherrliche Allianzwappen nicht gespart . Der junge Heckenwuchs des Lustgartens sproßte ; Faunen und Amoretten sprudelten einen Willkommenstrahl ; Keller und Speicher waren zum Übermaß gefüllt ; eine Reihe von Festen sollte den Einzug des hohen Paares verherrlichen . Da , in der letzten Stunde , enthüllte sich der Abgrund , in welchem mit der Fülle des Säckels die Treue des