Wochenlohn jeden Sonnabend heimgebracht hätte . So rechnete Jos und zeigte damit so gut als einer , was alles die Liebe zu überwinden oder zu verklären vermag . Aber Jos war ja gar nicht mehr verliebt - er war weit über die elende Selbstsucht hinaus , die ihn quälte und bitter machte , als er in dieses Haus , in den Kreis so guter und glücklicher Menschen eintrat . Er wollte Dorotheen nicht mehr vor jedem Blick , jeder Wohltat , kurz vor allem warnen , was nicht von ihm kam . Sie war seine Schwester , der er alles Gute und Erfreuliche recht von Herzen gönnte . Er glaubte seine verliebte Zeit vorüber , seit er nicht mehr jeden Schritt des Mädchens und derer , die mit ihm verkehrten , mit der Ängstlichkeit der Eifersucht beobachtete , seit er , wie er sich selber sagte , sogar das zu opfern vermochte , was eine andere als brüderliche Zuneigung durchaus für sich verlangen würde . Früher hatte er seinen schönsten Tag , wenn Dorothee zu ihm aufs Feld kam und ihm arbeiten half . Dann hatte er Glück in allem , was er machte , und wenn er auch halbe Viertelstunden nur plauderte oder ihr zuschaute , wie flink sie den Rechen durch die schöne Hand gleiten ließ , wie regelmäßig ihre Sense den Halbkreis durchrauschte und die hohen Halme aufeinanderlegte , am Abend hatte er doch immer weit mehr ausgerichtet , als wenn er allein war . Dann kam er sich auch abends beim Heimgehen nicht mehr als ein einsamer , ganz besonders gearteter Trübsalblaser mit von keinem Lebenden geteilten oder auch nur verstandenen Leiden und Sehnsuchten vor . Sogar im frohen Wettgesang der Vögel hörte er sich selbst . Alles in ihm weitete , leichtete sich , und es nahm ihn fast wunder , daß er nicht zu fliegen vermochte . Ja zuweilen war ' s ihm , als ob er es schon könnte , wenn er sich anders von Dorotheens Seite weggewünscht hätte . Das aber war damals eben nie der Fall . Dorothee sollte nirgends sein , nirgends arbeiten als nur neben ihm . Schon wenn sie mit anderen , besonders wohlhabenden Burschen oder sogar mit Hansen ein freundliches Wort wechselte , klagte er über Zurücksetzung und konnte halbe Tage lang sehr übler Laune sein , gerade als ob man ihm weiß Gott welches große Unrecht angetan hätte . Ja , er war ein recht unerträglicher Mensch gewesen in den ersten fünf Wochen . Nun aber war denn diese verliebte Selbstsucht doch glücklich überwunden . An heißen Julitagen , wo die Blätter an den Stengeln schon vormittags zu erlahmen begannen , konnte er es nicht mehr übers Herz bringen , Dorotheen den ganzen langen Tag neben sich schaffen und schwitzen zu sehen . » Bleib doch daheim , wo du ja genug zu tun hast - wohl mehr als ich draußen « , bat er oft , wenn er aufs Feld zur Arbeit ging , und wie ein Strahl der eben aufgehenden Sonne zog es über sein jetzt auch gebräuntes Gesicht , wenn sie endlich nachgab . Erst dann war sie den ganzen Tag recht bei ihm , und wenn er abends das Getane übersah , so war ' s wirklich , als ob sie ihm geholfen hätte . Ach , war das eine Lust , so für sie zu arbeiten , und dabei unterhielt er sich besser mit ihr , als wenn sie da war . Ja dann wußte er oft gar nichts zu sagen . Es war ihm ordentlich angst vor dem Mädchen , und was er sagen wollte , wäre immer zu lustig oder zu ernsthaft herausgekommen . Doch nur selten ließ die fleißige Magd ihn allein neben dem rauschenden Wiesenbächlein den Sängern des nahen Waldes lauschen und dem Geschwätz der Blätter . Immer wollte sie dabei sein und helfen , wenn ihr nicht auch Hans daheim zu bleiben befahl . Das aber geschah immer häufiger . Sonst war es dem Burschen nie eingefallen , daß das Mädchen einen strengen Dienst habe . Er hatte sich schon daran gewöhnt , sie von früh bis spät in einem fort arbeiten zu sehen , und wenn er mit der kurzen Pfeife im Munde neben ihr stand , so dachte er nur selten daran , daß er ihr wohl auch ein wenig helfen könnte . Erst Jos hatte ihn , ohne es gerade zu wollen , darauf gebracht . Die Arbeitslust , die sich nun auf einmal in dem sonst etwas trägen Besitzer des Stighofes zu regen begann , hätte in seinem Knechte gewiß allerlei Gedanken und Sorgen wachrufen müssen , wenn er noch immer nur eifersüchtig gerechnet und nicht lieber sich herzlich gefreut hätte über alles , was Dorotheen auf irgendeine Weise zugute kommen mußte . Daß Hans sie gern habe , das war ganz klar , aber wer konnte es ihm verargen ? Mußte man ihm nicht gerade darum gut werden , weil er dadurch zeigte , wie weit er über anderen reichen Bauernburschen stehe ? Die beiden redeten viel von der Magd , wenn sie allein mitsammen arbeiteten . Dem Jos war es fast zu viel , und besonders weh tat ihm , daß Hans sich so bitter über ihren gemeinen , verschwenderischen Vater aussprechen konnte , über den Krämer dagegen und seinen Töchtermann sich kaum ein tadelndes Wort gefallen ließ . Wenn es der Andreas immer bunter trieb , so beklagte Hans allerdings die arme Angelika , aber nie gab er zu , daß auch diese durch ihr unfreundliches , strenges Wesen ihn aus dem Hause treibe . » Sie passen nicht zusammen und sind mehr unglücklich als schuldig « , sagte er kurz abbrechend . Das Mathisle aber und sein Hansjörg sollten an allem selbst schuld sein , da taten die Verhältnisse gar nichts . Dorotheen war ein besseres Los geworden , weil sie ein besseres verdiente , behauptete Hans und begann dann , seine Magd auf Kosten ihrer Eigenen zu