hinsichtlich deiner Ansicht über Fräulein von Walde , « entgegnete Elisabeth , indem ein tiefes Rot der Erregung über ihre Züge flog . » Geschmerzt , weil ich recht behielt , oder weil Fräulein von Walde unrecht gethan hat ? « » Nun eigentlich , weil es böses war , was du prophezeit hast . « - » So solltest du mir auch nun von Rechts wegen gram sein , gelt ? Dürftest an einem Hofe gelebt haben , wo derjenige der Strafbare ist , der sich unterfängt , über einen nichtsnutzigen Bevorzugten die Wahrheit zu sagen ... Na , und welcher Vorfall verschafft denn meiner geschmähten Lebensweisheit den Sieg ? « Sie schilderte ihm Helenes Benehmen und teilte ihm auch die Vermutungen der Damen mit . Der Oberförster lächelte vor sich hin . » Ja , die Weiber , die Weiber - und die da drinnen vollends ! « sagte er . » Die lassen die Leute schon miteinander verheiratet sein , wenn sie zum erstenmal in ihrem Leben guten Tag zu einander sagen ... Na , in dem Falle können sie übrigens recht haben , was ich bis jetzt nicht begriffen habe . « » Um einer solchen Neigung willen , Kind , sind schon ganz andere Dinge geschehen , und wenn ich auch Fräulein von Waldes Schwäche und Nachgiebigkeit durchaus nicht billige , weit entfernt ! so beurteile ich sie doch jetzt milder ... Das ist die Macht , die uns selbst Vater und Mutter vergessen läßt um eines anderen willen . « » Ja , das eben kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen , Onkel , wie man einen fremden Menschen lieber haben kann als die eigenen Eltern , « entgegnete Elisabeth eifrig . » Hm , « meinte der Oberförster und ließ die Peitsche leicht auf den Rücken des Braunen fallen , um ihn ein wenig anzutreiben . Diesem » Hm « folgte ein leichtes Räuspern , und dabei ließ er es bewenden ; denn er dachte ganz richtig : » Steht es so , dann wird meine Definition der Liebe nicht verstanden , und wenn ich mit Engelszungen spräche « - und er selbst ! ... Die Zeit lag fern , da er den Namen der Geliebten in die Baumrinde geschnitten , und seine Stimme gezwungen hatte , in zarten Liebesliedern hinzuschmelzen ; da er stundenweit gelaufen war , um einen einzigen Blick zu erhaschen , und denjenigen als seinen bittersten Feind gehaßt hatte , der es wagte , die Angebetete beifällig anzusehen . Jetzt blickte er beschaulich zurück und freute sich jener tollen Zeit ; sie aber , mit ihrem Wogengebrause aufgeregter Gefühle , mit ihrem Lachen und Weinen , Hoffen und Verzagen zu schildern , das vermochte er nicht mehr . » Siehst du dort den schwarzen Strich über dem Waldeck ? « fragte er dann nach einem längeren Schweigen , indem er mit der Peitsche nach den immer näher rückenden Bergen zeigte . » Jawohl , das ist die Fahnenstange auf Schloß Gnadeck . Ich habe sie schon vorhin entdeckt und bin in diesem Augenblicke unsäglich froh in dem Gedanken , daß dort ein Stückchen Erde ist , auf welchem wir heimisch sind , eine Stätte , von der niemand in der Welt das Recht hat , uns zu vertreiben . Gott sei Dank , wir haben eine Heimat ! « » Und was für eine ! « sagte der Oberförster , während sein leuchtender Blick über die Gegend flog . » Als ich noch ein kleiner Junge war , da lebte schon die Sehnsucht nach den Thüringer Wäldern in mir , und daran war der Großvater schuld mit seinen Erzählungen . Er hatte seine Jugendzeit in Thüringen verlebt und schüttelte Sagen und Märchen seiner Heimat förmlich aus dem Aermel . Nachdem ich denn meine Sache gelernt hatte , wanderte ich hierher . Damals gehörte noch der ganze Forst , den wir hier vor uns sehen , den Gnadewitzen ; aber denen mochte ich nicht dienstbar sein , ich kannte diese Menschenkinder genug von meinem Vater her . Ich war der erste Ferber seit undenklichen Zeiten , der darauf verzichtete , in ihren Diensten zu stehen , und ließ mich beim Fürsten von L. anstellen . Der Universalerbe des letzten Gnadewitz hat die großen Waldungen geteilt , weil der Fürst von L. seinen Waldbesitz zu vergrößern wünschte und sich diese Liebhaberei ein tüchtiges Stück Geld kosten ließ . So kam es , daß ein lebhafter Wunsch meiner Jugend erfüllt wurde , denn ich wohne jetzt in dem Hause , das eigentlich die Wiege der Ferber ist ... Du weißt doch , daß wir aus Thüringen stammen ? « » Jawohl , schon seit meiner Kinderzeit . « » Weißt auch , was es für Bewandtnis mit unserer Herkunft hat ? « » Nein . « » Nun , es ist freilich schon ein wenig lange her , und ich bin vielleicht noch der einzige , der die Geschichte kennt ; aber ganz verlieren soll sie sich doch nicht , das Andenken ist ja der einzige Dank , den wir Nachkommen für eine brave That haben können ; drum sollst du die Geschichte jetzt hören , und später einmal erzählst du sie weiter ... Vor etwa zweihundert Jahren - du siehst , wir können unsern Stammbaum auch ein gutes Stück zurückleiten , nur schade , daß wir nicht zu sagen wissen , wer unsere Ahnenmutter war ; solltest du indes einmal gefragt werden , vielleicht von der Frau Baronin Lessen und dergleichen , so kannst du getrost sagen , daß wir vermuten , es sei - wenn auch nicht gerade die Gustel von Blasewitz , denn die Geschichte spielt im Dreißigjährigen Krieg - so doch eine Marketenderfrau gewesen ... Vielleicht war es auch eine rechtschaffene , brave Frau , die bei ihrem Manne in allen Bedrängnissen des Krieges treu ausgehalten hat ; aber verzeihen kann ich ' s ihr doch nicht , daß sie ihr Kind verlassen konnte ... Nun