führten Mit untergeschlagenen Armen stand Friedrich Wolf inmitten dieser Verwirrung , im Duft von feinen Wohlgerüchen , Speisen , Wein und Havannazigarren . Vollständig war das Lächeln jetzt aus seinen Zügen verschwunden , es hatte schmerzhafter Bitterkeit Platz gemacht , und Eva Dornbluth blickte nicht scheu , aber doch angsthaft zu dem so traurigen , männlichen Gesicht von ihrem Sessel auf . Aber vergeblich wartete sie , daß der Mann zuerst das bedrückende Schweigen breche . Sie konnte endlich die Stille nicht mehr ertragen und erhob sich zuletzt , trat auf den Amerikaner zu , legte ihm sanft die Hand auf den Arm und bat mit zitternder Stimme : » O sprechen Sie zu mir , Fritz ! Ich werde anfangen , mich zu fürchten , wenn Sie dieses Schweigen nicht brechen . « » Was soll ich sagen , Eva ? « seufzte endlich Friedrich Wolf . » Ich könnte um Verzeihung bitten wegen meines unberufenen Eindringens in Ihren jetzigen Lebenskreis . Ich sehe nicht ab , welches Recht mir gegeben wäre , mit Ihnen zu hadern . Ich habe kein Recht mehr an Sie , Eva . Ich habe nicht einmal mehr das Recht , Schmerz zu empfinden über das , was ich gefunden habe . « » Sie sind sehr hart , Fritz . Oh , es liegt eine grausame Kränkung in Ihren Worten . In ein Wort fassen Sie tausend Vorwürfe zusammen . « » Ja , ich bin toll ! Ein Wahnsinniger bin ich ! « rief der Amerikaner wild . » Oh , das Geschick , das Geschick ! Ich habe mein Schicksal gehabt , Ihnen ist das Ihrige zuteil geworden . Die Leute sagen , mir sei das Glück recht günstig gewesen ; - ach , in welchen Abgrund stürzt mich diese Stunde ! Weh uns beiden , Eva , daß wir den dunkeln Heimatswald verließen - verlassen mußten . Falsch sind die Sterne gewesen , die uns lockten und verlockten . Wie arm und enttäuscht findet uns die heutige Stunde . « » Wollen Sie mein Geschick hören , Fritz ? « fragte demütig bittend Eva . Ihre Augen hatten ganz und gar die herausfordernde Siegesgewißheit verloren ; schnell und bang schlug das stolze Herz und suchte sich nur zu rechtfertigen vor diesem Mann , der so plötzlich , einem Richter gleich , in den Festsaal des Lebens getreten war . Friedrich neigte das Haupt der Frage . » Ich will hören « , sagte er und wollte sich eben niederlassen , als Eva seinen Arm faßte und , wie erschreckt , rief : » Nicht hier , nicht hier ! Kommen Sie , Fritz . Was ich zu sagen habe , will und kann ich nicht in diesem Raume erzählen . « Sie zog ihn mit sich fort durch ein ebenso glänzend wie das Speisezimmer ausgestattetes Gemach ; dann öffnete sie eine verschlossene Tür , ließ ihn eintreten in einen kalten , dunkeln Raum und schloß die Tür sogleich wieder . » Stehen Sie still , Fritz ; es soll sogleich Licht werden ! « rief sie schluchzend , und Friedrich stand verwundert , wartend in der kalten Finsternis . Er vernahm , wie Eva umhertastete ; dann hörte er Stahl auf den Feuerstein schlagen , sah die Funken springen und bei dem roten , schnellen Licht der Funken das schöne Gesicht der Jugendfreundin aus der Nacht auftauchen und wieder versinken , bis ein Schwefelfaden fing und eine kleine schlechte Lampe von Blech das Gemach erhellte . Hoch hob Eva Dornbluth diese Lampe und beleuchtete die vier nackten Wände dieser Kammer , ein ärmliches Bett , ein Tischchen von schlechtem Holz und die beiden ebenso einfachen Stühle . Ein größerer Kontrast gegen den Luxus der übrigen Räume ließ sich nicht leicht vorstellen . Unbewußt hatte das Mädchen aus dem Walde jenem Kanzler nachgeahmt , welcher in einem verborgenen Gemach das Bettlergewand und den Bettelsack und -stab seiner Jugend aufbewahrte . » Sie sind der erste Mann , welcher diesen Raum betritt « , sagte Eva , die Blechlampe wieder niedersetzend . » Hier in dieser Armut darf ich zu Ihnen reden wie unter den Tannen unseres Waldes , wie unter dem Dach meines Vaters . Hier bin ich die wahre Eva Dornbluth , und hinter jener Tür liegt alles , was Sie an mir glauben verachten zu dürfen . Hier darf ich Ihnen die Hand bieten und , ohne die Augen niederschlagen zu müssen , sagen : Sei willkommen , Fritz Wolf ; in Schmerzen habe ich auf dich gewartet ; Gott grüß dich , Fritz ; ich wußte wohl , daß du endlich doch kommen würdest . « » Eva ! « rief Friedrich Wolf mächtig bewegt ; aber das Mädchen winkte ihm mit der königlichen Hand , zu schweigen , und sprach selbst weiter : » In den Räumen hinter jener Tür hattest du das Recht , nach meinem Leben zu fragen ; in diesem Raume antworte ich dir darauf ; hier in dieser armen Kammer mußt aber auch du mir Rechenschaft geben über dich , wie deinem Gewissen . In jenen Räumen kämpfe ich mit der Welt , und dieser Raum gibt mir Kraft , sie zu besiegen und zu beherrschen . Es sind böse Gewalten , mit denen ich hinter jener Tür zu tun habe ; aber ich habe mutig den Kampf mit ihnen aufgenommen und bis jetzt glücklich durchgeführt . Sie sollen Eva Dornbluth nicht zu sich herabziehen , sie ist ihnen zu stark ! Oh , Fritz , auch unser Heimatswald , die Dunkelheit , die Armut und die Unwissenheit haben ihre geisttötende Macht , und der Armut , dem Mangel und der Unwissenheit wäre ich erlegen , während ich hier Siegerin bleiben konnte und immer bleiben werde . « » Rede weiter ! « sagte Friedrich . Seine Stimme war nicht mehr hart wie vorhin ; sie rang sich mühsam aus tiefster Brust hervor . Der winzige Raum um ihn her dehnte sich zu