dieser wieder Keiner , der nicht darauf geschworen hätte : das sei der trefflichste Fürst , der je auf den Kaiserstuhl zu Rense gesetzt worden . Freilich am ärgsten fast trieben es die Frauen und Mädchen , die einfachen Bürgerinnen so gut wie die vornehmen Patrizierinnen . Er grüßte jene wie diese , und während die ersteren den Kreis der Schießenden umdrängten , in deren Mitte sich der König befand , kamen auch die letzteren , die sich sonst immer abgesondert hielten , aus ihren Zelten hervor . Sie konnten ja heute einmal eine Ausnahme machen , und wenn der König selbst sich unter die zünftigen Bürger und den gemeinen Haufen mischte , so geschah auch ihrer Ehre kein Abbruch , wenn sie das Gleiche thaten . Herr Christoph Scheurl ließ es sich diesmal nicht nehmen , selbst den Cavalier seiner Gemahlin zu machen . Er wußte , er werde so am ersten von den hohen Personen und dem Könige bemerkt werden - und daran lag ihm Alles . Denn zu den Dingen , um die er Hans von Tucher beneidete , gehörte auch , daß derselbe in den Adelstand erhoben worden war und ein adeliges Wappen führen durfte . Danach gelüstete Scheurl , und er trachtete nach jeder Gelegenheit , die ihm eine Möglichkeit verschaffen könnte , auch zum Ritterschlag zu gelangen . Um sich hervorzuthun , hatte er sein Haus so schön schmücken lassen , und auf die seiner Gemahlin widerfahrene Huldigung war er nicht minder stolz als diese selbst , ja er war entzückt über ihren Einfall , den König mit Blumen zu werfen , obwohl es genug seiner Collegen gab , die ihn darum gegen seine Ehegattin aufhetzen wollten , oder ihm wenigstens ihr Betragen mit zweideutigen Späßen entgelten ließen . Auf Alles , was man ihm in dieser Weise sagen mochte , erklärte er lächelnd : daß ihm solche Reden nur zeigten , wie sehr man ihn beneide die schönste Frau zu besitzen , und er ging heute mit um so größerem Stolz an ihrer Seite , und obwohl sie sich sonst des Tages oft mehrere Male umzukleiden pflegte , so billigte er es , daß sie gerade heute es nicht gethan - in derselben Tracht werde der König sie um so eher wieder erkennen und vielleicht einige freundliche Worte an sie richten . Stolzer als je strahlte auch Elisabeth selbst in ihrer gebietenden Schönheit , als sie so über die Wiese ging , die lange Schleppe hinter sich herziehend , umflattert vom wehenden Schleier . Aber wenn unwillkürlich die Blicke aller Männer an ihr haften blieben und sie doch mehr bewunderten als bespöttelten , so war das umgekehrt mit den Frauen , wenigstens bei dem größeren Theil der ihr ebenbürtigen Patrizierinnen . Die ließen sich hinter ihrem Rücken in vielen spöttischen und anzüglichen Reden vernehmen , und suchten sie unter sich um so tiefer zu erniedrigen , als sie sich selbst über diese ungebildeteren , kleinlichen und engherzigen Frauen erhaben fühlte . Am spitzigsten lauteten die Bemerkungen , die aus dem Munde Katharina Haller ' s kamen , der Gattin des Bürgermeisters Wilhelm Haller und einer Tochter des Loosungers Holzschuher . Vor länger als einem Jahrzehent hatte sie zu den gefeiertsten Schönheiten Nürnbergs gehört , und es war ihr jetzt unerträglich , diesen Platz Anderen überlassen zu müssen . Ohne den Adel eines geistigen Ausdruckes hatte ihre Schönheit zu jenem gewöhnlichen Typus gehört , der nur durch Frische und Fülle der Jugend Reiz erhält - dies Alles war jetzt verschwunden , und hatte sie früher schon auf prüfendere Beschauer auch in ihrer Blüthezeit nur einen gewöhnlichen Eindruck gemacht , so machte sie jetzt , da jene vorüber war , auf Alle einen gemeinen . Ihre sonst eitel lächelnden Gesichtszüge erschienen jetzt von Neid und Bitterkeit verzerrt , aus ihren großen Augen meinte man giftige Pfeile fliegen zu sehen , und ihre Lippen schienen sich nie anders wie zu hämischen Bemerkungen öffnen zu können . Ihre Formen waren eckig geworden , wie alle ihre Bewegungen , und ihre lange knochige Gestalt bemühte sich vergeblich eine würdevolle Haltung zu behaupten , es ward nur die einer steifen Gravität daraus . Ihre Kleidung war eben so kostbar wie die Elisabeth ' s , aber während diese dieselbe sinnig und geschmackvoll wählte und so reizend zu ordnen mußte , daß die Pracht derselben immer mit ihrer ganzen Erscheinung harmonirte und auch dem feinsten Schönheitssinne Rechnung trug , immer vielmehr ihrem eigenen idealen Geschmack als der gerade herrschenden Mode und Sitte folgte , so band sich Katharina Haller streng an diese , nur daß sie durch Ueberladung ihren Reichthum zu zeigen suchte . Dem entsprechend waren jetzt ihre Bemerkungen gegen ihre Begleiter über Elisabeth und zum Theil von einer nicht wiederzugebenden Gemeinheit . » Was dünkt sie sich denn Besseres als wir , daß sie meint , sie allein könne sich Alles erlauben ? Sie hätte sollen darüber zur Rechenschaft gezogen werden , daß sie sich heute unterstand nach seiner Majestät mit Blumen zu werfen und das Pferd scheu zu machen , daß es bald ein Unglück gegeben hätte ; aber Alles muß ihr für voll ausgehen , es mag so unschicklich sein wie es will ! Seht nur - sie drängt sich mit ihrem Manne gewiß noch bis zum Könige . Ich wollte , er kehrte ihr den Rücken oder sagte ihr etwas recht Demüthigendes . « » Das ist leider von dem ritterlichen Könige nicht zu erwarten , « sagte die andere Patrizierin , Eleonore Tucher , eine Schwägerin Stephan ' s ; » mein Mann sagt , daß König Max ein Verehrer der Frauen ist , und man müßte nicht wissen , wie die Männer sind , auf dem Thron so gut wie anderswo , sie lassen sich am leichtesten von denen fangen , die ihnen mit freiem Betragen entgegenkommen . Da ist eher zu hoffen , daß sein Hofnarr ihr etwas Demüthigendes sagt . « » Wenn man nur an ihn kommen könnte , «