wieder heraus . Die alten kommen schon von selber . « Es gelang der schwarzen Marann ' leicht , Barfüßele zu trösten . Nur wenn sie allein war , lag noch ein seltsames Bangen auf ihr . Was soll das werden ? Ein wunderliches Hin- und Herreden ging durch das Dorf . Man sprach seit vielen Tagen davon , daß es in Endringen eine Nachhochzeit gebe , wie seit Menschengedenken keine in der Gegend gewesen sei . Die älteste Tochter des Dominik und des Ameile heirathete einen reichen Holzhändler im Murgthal und man sagte , das gäbe eine Lustbarkeit wie man sie noch nie erfahren . Der Tag rückte immer näher heran . Wo sich zwei Mädchen begegnen , ziehen sie sich hinter eine Hecke , eine Heuflur und können gar kein Ende finden und behaupten doch stets , daß sie gewaltig Eile hätten . Man sagt , es käme Alles aus dem Oberlande und aus dem ganzen Murgthal und von dreißig Stunden Wegs her , denn das sei eine große Familie . Am Rathhausbrunnen , da war erst das rechte Leben , da wollte kein Mädchen ein neues Kleidungsstück haben , um sich andern Tages umsomehr an der Ueberraschung und dem Staunen zu erfreuen . Vor lauter Fragen und Hin-und Herreden vergaß man das Wasserschöpfen , und Barfüßele , die am spätesten gekommen war , ging am frühesten mit vollem Kübel wieder heim . Was ging sie der Tanz an ! Und doch war ' s ihr immer , als hörte sie überall Musik . Am andern Tag hatte Barfüßele viel im Hause hin und her zu rennen , denn sie sollte die Rosel aufputzen . Sie erhielt manchen heimlichen Knuff beim Zöpfen , aber sie ertrug es still . Die Rosel hatte ein gewaltiges Haar und das sollte auch gewaltig prangen . Sie wollte heute etwas Neues damit probiren . Sie wollte einen Maria-Theresienzopf haben , wie man hier zu Lande ein kunstreiches Geflecht aus vierzehn Strängen nennt , das sollte als neu Aufsehen erregen . Es gelang Barfüßele das schwere Kunstwerk zu Stande zu bringen ; aber kaum war es fertig , als die Rosel es im Unmuth wieder aufriß und sie sah wild aus wie ihr die Stränge über den ganzen Kopf und über das Gesicht hingen , dabei war sie aber doch schön und stattlich und gewaltig im Umfang , und ihr ganzes Gebühren sprach es aus : minder als vier Rosse können nicht in dem Hause sein , in das ich einmal heirathe ! Und in der That warben viele Hofsöhne um sie , aber sie schien noch keine Lust zu haben , sich für irgend Einen zu bestimmen . Sie blieb nun bei den landesüblichen zwei Zöpfen , die den Rücken hinabhingen , mit eingeflochtenen rothen Bändern , die fast bis an den Boden hinabreichten . Sie stand fertig geschmückt da und nun verlangte sie einen Blumenstrauß . Sie selbst hatte die ihr zugehörigen Blumen verwildern lassen , und trotz aller Einsprache mußte Barfüßele doch endlich nachgeben und ihre schöngehegten Blumen vor dem Fenster fast aller Blüthen berauben . Auch das kleine Rosmarinstöckchen verlangte Rosel zu haben , aber Barfüßele wollte sich eher zerreißen lassen , ehe sie das hergab ; und die Rosel spottete und lachte , schimpfte und schalt über die einfältige Ganshirtin , die so eigenwillig thue und die man doch um Gotteswillen im Hause habe . Barfüßele antwortete nicht und sie sah Rosel nur an mit einem Blick , vor dem Rosel die Augen niederschlug . Jetzt hatte sich eine rothe Wollrose auf dem linken Schuh verschoben und Barfüßele war eben niedergekniet , um sie behutsam festzunähen ; da sagte die Rosel halb in Reue über ihr Benehmen , halb doch noch im Spott : » Barfüßele , heut ' thu ' ich ' s nicht anders , heut mußt du mit zum Tanz . « » Spotte nicht so , was willst du denn von mir ? « » Ich spotte nicht , « betheuerts die Rosel noch halb neckisch , » du solltest auch einmal tanzen , bist ja auch ein junges Mädle , und es wird auch Deinesgleichen auf dem Tanz sein ; unser Roßbub geht ja auch und es kann auch ein Bauernsohn mit dir tanzen , ich will schon einen Ueberzähligen schicken . « » Laß mich in Frieden oder ich steche dich , « mahnte Barfüßele am Boden , zitternd vor Freude und Trauer . » Die Schwägerin hat Recht , « nahm die junge Bäuerin nun das Wort , die bis jetzt zu Allem geschwiegen hatte , » und ich gebe dir kein gutes Wort mehr , wenn du heute nicht mit zum Tanz gehst . Komm , da setz ' dich hin , ich will dich auch einmal bedienen . « Und einmal über das andere übergoß Barfüßele eine Flammenröthe , wie sie so da saß und ihre Meisterin sie bediente ; und als sie ihr die Haare aus dem Gesicht that und sie alle nach hinten wendete , wollte Barfüßele fast vom Stuhl sinken , da die Bäuerin sagte : » Ich zöpf ' dich , wie die Allgäuerinnen gehen . Das wird dich ganz gut herausputzen , und du siehst auch so aus wie eins Allgäuerin ; so untersetzt und so braun und so kugelig ; du siehst aus wie die Tochter von der Landfriedbäuerin in Zusmarshofen . « » Was die ? warum wie die ? « fragte Barfüßele und zitterte am ganzen Leib . Was war ' s , warum sie jetzt gerade an die Bäuerin erinnert wurde , die ihr von Kind auf im Sinne lag und die ihr damals erschienen war wie eine wohlthätige Fee aus dem Märchen ? Aber sie hatte keinen Ring den sie drehen konnte , damit sie erscheinen müsse ; sie konnte sie nur innerlich herbannen , und das geschah oft fast unwillkürlich . » Halt ' dich ruhig , sonst rupf ' ich dich , « befahl die Bäuerin ,