Schloßhof und wies ihm ihre lustige Behausung und die stolze Fernsicht nach Bodensee und Alpenkuppen , und der Burg Leute baten um seinen Segen - auch die Reitknechte kamen und die Träger der Sänfte , und er segnete sie alle . Dann geleitete ihn die Herzogin bis an den Eingang . Ein Bad war ihm zurechtgemacht115 und frische Gewandung bereitet ; sie hieb ihn sich pflegen und ausruhen , und Ekkehard war fröhlich und guter Dinge nach leicht erstandener Gefahr ... In der Nacht , die jenem Tage folgte , trug sich ' s im Kloster Sankt Gallen zu , daß Romeias , der Wächter , ohn ' allen Anlaß von seiner Matte auffuhr und grimmig in sein Horn stieß , so daß die Hunde im Klosterhof anschlugen und alles wach wurde und zusammenlief - und war doch weit und breit niemand , der Einlaß begehrte . Der Abt schrieb ' s auf Rechnung böser Geister , ließ aber zugleich des Romeias Vespertrunk sechs Tage lang auf die Hälfte herabsetzen , - eine Maßregel , die jedoch auf Voraussetzung eines gänzlich unrichtigen Grundes beruhte . Fußnoten A1 » Gewesen sind wir Troer « , sagt der Priester Panthus bei der Eroberung Iliums ( » Äneis « 2 , 325 ) . A2 Cicero in der zweiten Catilinarischen Rede . A3 Aus einer Ode des Horaz ( II , 6 ) : » Dies Plätzchen gefällt mir vor allen ... « A4 Fliehet eiligst ! Siebentes Kapitel . Virgilius auf dem hohen Twiel . Wenn einer seine Übersiedlung an neuen Wohnsitz glücklich bewerkstelligt hat , dann ist ' s ein anmutig und reizend Geschäft , sich wohnlich einzurichten . Ist auch gar nicht so gleichgültig , in was Stube und Umgebung einer haust , und wessen Fenster auf die Heerstraße zielen , wo die Lastwagen fahren und die Steine geklopft werden , bei dem halten sicherlich mehr graue und verstäubte als buntfarbige Gedanken Einkehr . Darüber hatte sich nun Ekkehard keine Sorge zu machen , denn die Herzogsburg auf dem Twiel lag luftig und hoch und einsam , - aber ganz zufrieden war er auch nicht , als ihm Frau Hadwig tags nach seiner Ankunft seinen Wohnsitz anwies . Es war ein groß luftig Gemach mit säulendurchteiltem Rundbogenfenster , aber an demselben Gang gelegen , an den auch der Herzogin Saal und Zimmer stießen . Der Eindruck , den einer aus abgeschiedener Klosterzelle mitnimmt , läßt sich nicht über Nacht verwischen . Und Ekkehard gedachte , wie er oftmals möge von seiner Betrachtung abgezogen werden , wenn geharnischter Fußtritt und Sporenklang oder leises Huschen dienender Mägde an seiner Tür vorüberstreife , oder wenn er sie selber , die Herrin der Burg , möge einhergehen hören - unbefangen wandte er sich an Frau Hadwig : » Ich hab ' ein Anliegen , hohe Frau ! « » Redet « , sagte sie mild . » Möchtet Ihr mir nicht zu sotanem Gelaß ein fern gelegen Stüblein zuweisen , - und wenn ' s unterm Dach oder in einem der Warttürme wäre . Der Wissenschaft , wie des Gebetes Pflege heischt einsame Stille , Ihr kennet ja des Klosters Brauch . « Da legte sich eine leise Falte über Frau Hadwigs Stirn , eine Wolke war ' s nicht , aber ein Wölklein . » Ihr sehnet Euch danach , oftmals allein zu sein ? « frug sie spöttisch . » Warum seid Ihr nicht in Sankt Gallen geblieben ? « Ekkehard neigte sich und schwieg . » Halt an « , rief Frau Hadwig , » es soll Euch geholfen werden . Seht Euch das Gelaß an , in dem Vincentius , unser Kapellan , bis an sein selig End ' gehaust hat , der hat auch so einen Raubvogelgeschmack gehabt und war lieber der höchste auf Twiel als der bequemste . Praxedis , hol ' den großen Schlüsselbund und geleite unsern Gast . « Praxedis tat nach dem Gebot . Das Gemach des seligen Kapellans war hoch oben im viereckigen Hauptturm der Burg ; langsam stieg sie mit Ekkehard die finstere Wendeltreppe hinauf , der Schlüssel knarrte schwer im lang ' nicht gedrehten Schloß . Sie traten ein . Da sah ' s gut aus . Wo ein gelehrter Mann gehaust , braucht ' s ein Stück Zeit , um seine Spuren zu verwischen . Es war ein mäßiger Geviertraum , weiße Wände , wenig Hausrat , Staub und Spinnweb allenthalb ; auf dem Eichentisch stand ein Büchslein mit Schreibsaft , längst war ' s eingetrocknet , im Winkel ein Krug , drin vielleicht einst Wein gefunkelt , auf einem Brett der Wandnische glänzten einige Bücher , aufgeschlagene Pergamentrollen lagen dabei , aber , o Leidwesen ! der Sturm hatte das Fensterlein zerschlagen , der Patz in Vincentius ' Stube war seit seinem Tod für Sonne und Regen , Mücken und Vögel frei geworden ; eine Schar Tauben war eingezogen , in ungestörter Besitzergreifung hatten sie sich zwischen der Bücherweisheit angesiedelt , auf den Briefen des heiligen Paulus und auf Julius Cäsars » Gallischem Krieg « nisteten sie und schauten verwundert den Eingetretenen entgegen . Der Tür gegenüber war mit Kohle ein Sprüchlein an die Wand geschrieben . » Martha , Martha , du machst dir um vielerlei Sorge und Unruh ' ! « las Ekkehard ; » soll das des Verstorbenen letzter Wille sein ? « frug er seine liebliche Wegweiserin . Praxedis lachte : » ' s war gar ein behaglicher Herr « , sprach sie , » der Herr Vincentius selig . Ruhe ist mehr wert als ein Talent Silbers116 , hat er oft gesagt . Die Frau Herzogin aber hat ihm arg zugesetzt , immer gefragt und was anderes gefragt : heut von den Sternen am Himmel , morgen von Arzneikraut und Heilmitteln , übermorgen aus der Heiligen Schrift und Überlieferung der Kirche - wozu habt Ihr studiert , wenn Ihr keinen Bescheid wisset ? dräute sie , und Herr Vincentius hat einen schweren Stand gehabt -