seine mitangeklagte Gevatterin Satisfaktion , und so wurde sie wegen Lügens und falschen Denunzierens zu einer übrigens mäßigen Geldstrafe , in welche sich die Herrschaft ( der Staat ) und der » Heilige « teilten , sowie zur Abbitte verurteilt . Aus Rücksicht auf den dem Honoratiorentum verwandten Stand des Sonnenwirts wurde die Sache nicht auf dem Rathaus , sondern im Amthause verhandelt , auch in das Kirchenkonventsprotokoll nur ein kurzer Auszug aufgenommen und die Untersuchung selbst in einem Separatprotokoll niedergelegt , welches man jedoch , um aller Verantwortung enthoben zu sein , an das Oberamt einsendete , wo sodann , da die Akten keine bestimmten Verdachtsgründe ergaben , die Angelegenheit ohne weitere Folgen liegen blieb . Wie es jedoch in allen solchen Fällen zu geschehen pflegt , so blieb genug davon an den Beteiligten hängen , und in der Sonne schienen die Flecken über den Glanz Meister zu werden , zumal die Geistlichkeit in ihrer Abneigung vor jedem Skandal das Monatskränzchen , das überhaupt nur unter einem sehr nachsichtigen Vorgesetzten im Wirtshause gehalten werden konnte , eingehen ließ . Denn der Spezialsuperintendent , dein sie untergeben war , stand seinerseits unter einem Konsistorialrat , der das im Evangelium erzählte Erscheinen seines obersten Kirchenherrn auf der Hochzeit zu Kana mit den Worten verurteilte : » Hätt ' s auch können bleiben lassen ! « Unter allen Nachwehen aber , die den Sonnenwirt trafen , plagte ihn am empfindlichsten die Eifersucht seiner Frau ; denn diese wollte ihn nicht freisprechen , wie die Konventsrichter ihn freigesprochen hatten . Ihr Schweigen und Trutzen veranlaßte ihn , sie geradezu zu fragen , ob sie denn etwas von der Verleumdung glaube ; worauf sie seufzend erwiderte , sie stelle die Sache Gott anheim , der ins Verborgene sehe . Auf diese Weise wußte sie jedem unmittelbaren Wortwechsel auszuweichen , quälte aber ihren Mann teils durch finsteres Stillschweigen , teils durch abgebrochene Redensarten , die ihn von weitem her trafen und wehrlos stachen , weil er sie nach dem Wortlaut nicht auf sich beziehen mußte und doch dem Sinne nach auf niemand anderes beziehen konnte . So erzählte sie ihm spöttisch , sein Sohn habe auch wieder einmal einen kleinen Verdruß gehabt , es sei nur schade , daß die Sache werde weltlich vom Amt allein abgemacht werden , denn wenn sie geistlich gerichtet würde , so könnte man immerhin hoffen , daß die Konventsherren ein Einsehen haben würden von wegen der Süßigkeit des Honigs ; dann schimpfte sie auf den Hirschbauer und seinen Sohn und bemerkte dabei , der Apfel falle eben nicht weit vom Stamme , es sei gemeiniglich einer so liederlich wie der andere ! Durch dieses Betragen , bei welchem die Leidenschaft ihr Salz dumm gemacht hatte , trieb sie den Vater auf die Seite des Sohnes und versäuerte ihm die Neigung , gegen etwaige Irrgänge desselben einzuschreiten . Friedrich hatte in dieser Widerwärtigkeit von Anfang an fest die Partei seines Vaters genommen . Zu Hause schwieg er über den kitzlichen Gegenstand , wie jedermann dort darüber schwieg . Auswärts aber wachte er über jedes Wort , das die Leute redeten , und wehe dem , der sich die geringste Anspielung erlaubte ! Die Ohrfeigen und Püffe , die er , oft nur im Vorübergehen auf der Straße , austeilte , wurden sprichwörtlich ; denn sein Eifer bedachte auch manchen Unschuldigen , der mit seiner Rede etwas ganz anderes gemeint hatte . Durch diese beständige Kriegsbereitschaft wurde die Zahl seiner Freunde nicht vermehrt . Sein Vater aber schien ihm , ohne jedoch viel mit Worten merken zu lassen , so gewogen , daß Friedrich oft dachte , er könne kaum eine günstigere Zeit finden , um sich die väterliche Einwilligung zur Heirat mit der Tochter des Hirschbauers zu erbitten . Vielleicht wäre sie ihm zuteil geworden und hätte den Wildbach seines Schicksals in ein fortan friedliches Bette geleitet . Doch wer kann dies sagen ? Vielleicht wäre es auch dein Vater in dieser milden Stimmung gelungen , den Sohn , der guten Worten so zugänglich war , andern Sinnes zu machen , bevor er sich unwiderruflich gebunden hätte . Allein der Sonnenwirt berührte den Gegenstand nicht mehr , weil er nach seiner Sinnesart nicht daran dachte , daß es seinem Sohne mit dieser Liebschaft Ernst sei , und diesem fehlte immer noch die Hauptbedingung , die ihm die Zunge lösen konnte , nämlich das Jawort des Mädchens , das er liebte . Er hatte von der Erlaubnis , nach seinem Lamm zu sehen , möglichst fleißigen Gebrauch gemacht , er hatte Christinen durch Vermittlung ihrer Brüder , denen er das Geld dazu gab , in den Lichtkarz und auf den Tanzboden gebracht , er hatte keine Gelegenheit versäumt , mit ihr zusammenzutreffen , aber seine Wünsche waren noch weit von ihrem Ziel . Beim Heimgehen von einem Tanze , wo er sie begleitete und eine Strecke hinter ihren Brüdern blieb , flüsterte er ihr alles Liebe und Schmeichelnde zu , was ihm sein Herz zu dieser Stunde eingab ; sie ging still und vor sich blickend neben ihm her , und als er heftig beteuerte , er müsse noch ihr Schatz werden , er tue es nicht anders , oder er gehe weit fort nach Amerika , antwortete sie lachend : » Mein Schatz , das kannst du schon sein , aber damit bin ich der deine noch nicht ; nach Amerika mußt aber nicht gehen , denn da geht niemand hin , der was recht ' s ist . « Mit einem Sprung war sie bei ihren Brüdern und neckte ihn , daß er so langsam nachkomme . Wie sie ihm aber an ihrem Hause gute Nacht sagte , traf sie ihn wieder mit einem Blicke , wovon ihm das Herz wirbelte . So hielt sie ihn , und ließ ihn doch nicht näher kommen . Wenn sie allein mit ihm war , benahm sie sich scheu , und vor den Leuten war sie schnippisch gegen ihn . Er sagte