mich in der Nacht ungeschoren lassen ! « Der Kammerdiener blickte auf den Bedienten , dieser zog mit einem sehr verlegenen Gesicht die Achseln in die Höhe , worauf der alte Mann seinem Herrn sagte : » Er hat die zweite Klingel gezogen , weßhalb ihm der Portier sogleich geöffnet . « » Woher weiß er , beim Teufel ! daß an meinem Hause zwei Klingeln sind ? Für ihn ist nur die einzige da ! « In diesem Augenblicke schien der Vorhang , der im äußeren Zimmer hing , sich leicht zu bewegen . Der Bediente hustete verlegen , näherte sich seinem Herrn auf einige Schritte , und sagte mit vorgestrecktem Halse zu ihm : » Euer Erlaucht wollen gnädigst verzeihen , aber der Herr Baron von Dankwart sind bereits draußen im Salon . « Graf Fohrbach , der ebenfalls ganz genau gesehen , daß bei der Thüre sich etwas bewege , blickte scheinbar nachsinnend zur Decke empor und rief dann mit so lauter Stimme , daß man ihn nothwendig draußen hören mußte : » Ah ! das kann nur ein Irrthum sein ; Baron von Dankwart kenne ich gar nicht : es gibt keinen Baron dieses Namens hier . - Nicht wahr ? « wandte er sich an den Assessor . » Ich kenne auch keinen Baron dieses Namens , « entgegnete der Gefragte mit vollen Backen , denn er hatte eben angefangen , dem kleinen Goutté zuzusprechen . » Ah ! welch ' vortreffliche Spässe ! « ließ sich eine laute Stimme im Hinterhalt vernehmen , während ein kleiner Mann zwischen den Vorhängen der Thüre sichtbar wurde , der sich die Gesellschaft schalkhaft lachend betrachtete und sich mit außerordentlicher Beweglichkeit und etwas gespreiztem Wesen derselben näherte . Ein paar Mal schaute der kleine Mann mit vieler Wichtigkeit rechts und links , und seine Hände zuckten beständig , als wolle er sie einer Menge unsichtbaren Bekannten zum Schütteln darreichen , - ein Manöver , das er nun am Kamin angekommen , dort ebenfalls genau auszuführen trachtete , ohne aber großen Anklang zu finden . Der Graf hatte sich einer Tasse Thee bemächtigt , die er mit einer Hand hielt , während er in der andern die Cigarre hatte . - » Ah ! Sie sind ' s , bester Herr von Dankwart ? « sprach er scheinbar erstaunt . » Die Bedienten sprechen alle Namen so furchtbar ungeschickt aus ; aber Sie werden verzeihen , daß ich Ihnen meine Hand nicht reichen kann , ich mühte sonst die Tasse oder Cigarre fallen lassen . « Der kleine Mann , der seine gelben Glacéhandschuhe schon zu dem erwähnten Zwecke emporgehoben hatte , kam durchaus nicht aus dem Gleichgewicht ; er hob seine Finger etwas höher , um dem Grafen sanft auf die Schulter zu klopfen , wobei er lachend sagte : » wie dieser gute Graf so ungeheuer bequem ist ! Nun , unter Bekannten nimmt man ' s nicht so genau . « Hierauf sah er forschend im Zimmer umher , rief dem Major einen guten Abend zu , grüßte den Assessor vertraulich , und stieß den Baron von Brand , der am Tische beschäftigt war und ihm deßhalb den Rücken drehte , sanft mit dem Finger in die Seite . Worauf dieser ohne umzuschauen , einfach mit dem Kopfe nickte , und dabei sagte : » Ah ! Herr von Dankwart , so spät noch ? - Es freut mich , Sie zu sehen . « » Das ist in der That ein possirlicher Herr ! « erwiderte laut lachend der kleine Mann ; » dieser theure Baron von Brand behauptet , mich zu sehen und dreht mir den Rücken ; das ist außerordentlich komisch ! « Alsdann legte er seinen Hut auf eine Chaise longue , sah sehr freundlich aber nicht ohne Wichtigkeit nochmals im Kreise umher , natürlicher Weise , ohne aber den Maler zu bemerken , der ihm am nächsten saß , und ließ sich dann mit einem leichten Seufzer in den neben ihm stehenden Fauteuil hineinfallen . Der Graf konnte nicht umhin , Arthur dem eben Angekommenen vorzustellen . » Herr Arthur , ein junger talentvoller Maler , « sagte er - » Herr von Dankwart , Geschäftsmann Ihrer Hoheit , der Frau Herzogin . « Arthur verbeugte sich , und der kleine Mann drehte mit großer Lebendigkeit seinen Kopf herum , indem er versetzte : » Habe noch nie die Ehre gehabt , in der That noch niemals die Ehre , von Ihnen zu hören , was mir eigentlich sehr befremdend ist , denn die Herren alle hier werden mir bezeugen , daß sich jeder Künstler um meine Bekanntschaft bemüht , daß - wie soll ich mich genau ausdrücken ? - es für jeden Künstler von Wichtigkeit ist , von mir gekannt zu sein . « » In dem Falle , « entgegnete Arthur lächelnd , » muß ich dem heutigen Abend besonders dankbar sein , daß er mir das Glück verschafft , Ihre Bekanntschaft zu machen , und mir gestattet , so viel Versäumtes nachzuholen . « Herr von Dankwart schaute einen Augenblick aufmerksam in das Kamin ; er schien die Antwort des Malers vollkommen überhört zu haben ; wie es überhaupt eine Gewohnheit von ihm zu sein schien , nur zu sprechen und zu fragen , ohne eine genügende Antwort zu erwarten . - » Sollten Sie es glauben , bester Graf , « sagte er nach einer Pause , » daß die jungen Künstler völlig auf eigenen Füßen stehen wollen und die Protection tüchtiger Männer für gar nichts achten , keine gute Lehre , keinen Rath mehr annehmen wollen ? Ich versichere Sie - nun , ich brauche es eigentlich nicht zu betheuern ; die Welt weiß , wie ich mich auf Anordnung und Colorit verstehe , - aber die Herren wollen Alles besser wissen . - Haben Sie das Portrait Ihrer Hoheit gesehen , seit es fertig ist - früher etwas mangelhaft , etwas leer in der Staffage