ihre strengen Religionsgebräuche und biblische Abstammung , sogar ihre feindliche Stellung zum Christentume und die groben Vergehungen ihrer Voreltern machten diese vielgeplagten und verachteten Leute der guten Frau höchst interessant und gern gesehen , wenn sie sich bei den abendlichen Zusammenkünften vorfanden , am Herde der Frau Margret koschern Kaffee kochten oder sich einen billig erstandenen Fisch buken . Wenn die fromm christlichen Frauen ihnen schonend vorhielten , wie es noch nicht gar zu lange her sei , seit die Juden doch schlimme Käuze gewesen , Christenkinder geraubt und getötet und Brunnen vergiftet hätten , oder wenn Margret behauptete , der Ewige Jude Ahasverus hätte vor zwölf Jahren einmal im » Roten Bären « übernachtet und sie hätte selbst zwei Stunden vor dem Hause gepaßt , um ihn abreisen zu sehen , jedoch vergeblich , da er schon vor Tagesanbruch weitergewandert sei , dann lächelten die Juden gar gutmütig und fein und ließen sich nicht aus ihrer guten Laune bringen . Da sie jedoch ebenfalls Gott fürchteten und eine scharf ausgeprägte Religion hatten , so gehörten sie noch eher in diesen Kreis , als man zwei weitere Personen darin vermutet hätte , welche allerdings irgend anderswo zu suchen waren als gerade hier ; und doch schienen sie eine Art unentbehrlichen Salzes für die wunderliche Mischung zu sein . Es waren dies zwei erklärte Atheisten . Der eine , ein schlichter , einsilbiger Schreinersmann , welcher schon manches Hundert Särge gefertigt und zugenagelt hatte , war ein braver Mann und erklärte dann und wann einmal mit dürren Worten , er glaube ebensowenig an ein ewiges Leben , als man von Gott etwas wissen könne . Im übrigen hörte man nie eine freche Rede oder ein Spottwort von ihm ; er rauchte gemütlich sein Pfeifchen und ließ es über sich ergehen , wenn die Weiber mit fließenden Bekehrungsreden über ihn herfuhren . Der andere war ein bejahrter Schneidersmann mit grauen Haaren und mutwilligem , unnützem Herzen , der schon mehr als einen schlimmen Streich verübt haben mochte . Während jener sich still und leidend verhielt und nur selten mit seinem dürren Glaubensbekenntnisse hervortrat , verfahr dieser angriffsweise und machte sich ein Vergnügen daraus , die gläubigen Seelen durch derbe Zweifel und Verleugnungen , rohe Späße und Profanationen zu verletzen und zu erschrecken , als ein rechter Eulenspiegel das einfältige Wort zu verdrehen und mit dick aufgetragenem Humor in den armen Leuten eine sündhafte Lachlust zu reizen . Er besaß weder großen Verstand noch Pietät für irgend etwas , selbst für die Natur nicht , und schien einzig ein persönliches Bedürfnis zu haben das Dasein Gottes zu leugnen oder wegzuwünschen , indessen der Schreiner sich bloß nicht viel daraus machte , hingegen auf seinen Wanderjahren die Welt aufmerksam betrachtet hatte , sich fortwährend noch unterrichtete und von allerlei merkwürdigen Dingen mit Liebe zu sprechen wußte , wenn er auftaute . Der Schneider fand nur Gefallen an Ränken und Schwänken und lärmenden Zänkereien mit den begeisterten Weibern ; auch sein Verhalten zu den Juden , gegenüber demjenigen des Sargmachers , war bezeichnend . Während jener wohlwollend und freundlich mit ihnen verfuhr als mit seinesgleichen , neckte und quälte sie der Schneider , wo er nur konnte , und verfolgte sie mit echt christlichem Übermute mit allen trivialen Judenspäßen , die ihm zu Gebote standen , so daß die armen Teufel manchmal wirklich böse wurden und die Gesellschaft verließen . Frau Margret pflegte alsdann auch ungeduldig zu werden und verwies den Dämon aus dem Hause ; aber er fand sich bald wieder ein und wurde immer wieder gelitten , wenn er sein altes Wesen mit etwas Vorsicht und glatten Worten wieder begann . Es war , als wenn die viel redenden und disputierenden Genossen seiner als eines lebendigen Exempels des Atheismus bedurften , wie sie ihn verstanden ; denn dies war er am Ende auch , indem es sich nicht undeutlich erwies , daß er den Gedanken Gottes und der Unsterblichkeit mehr zu unterdrücken suchte , weil er ihn in einem kleinlichen und nutzlosen Treiben beschränkte und belästigte , und als er späterhin starb , tat er dies so verzagt und zerknirscht , heulend und zähneklappend und nach Gebet verlangend , daß die guten Leute einen glänzenden Triumph feierten , indessen der Schreiner ebenso ruhig und unangefochten seinen letzten Sarg hobelte , welchen er sich selbst bestimmte , wie einst seinen ersten . Dieser Art war die Versammlung , welche an vielen Abenden , zumal im Winter , bei Frau Margret zu treffen war , und ich weiß nicht , wie es kam , daß ich mich plötzlich am Tage oft in dem kurzweiligen Gewölbe mitten unter den Geschäftigen und am Abend zu den Füßen der Frau sitzen fand , welche mich in große Gunst genommen hatte . Ich zeichnete mich durch meine große Aufmerksamkeit aus , wenn die wunderbarsten Dinge von der Welt zur Sprache kamen . Die theologischen und moralischen Untersuchungen verstand ich freilich in den ersten Jahren noch nicht , obschon sie oft kindlich genug waren ; jedoch nahmen sie auch schon damals nicht zu viele Zeit in Anspruch , da sich die Gesellschaft immer bald genug auf das Gebiet der Begebenheiten und sinnlichen Erfahrungen und damit auf eine Art von naturphilosophischem Feld hinüberverfügte , wo ich ebenfalls zu Hause war . Man suchte vorzüglich die Erscheinungen der Geisterwelt sowie die Ahnungen , Träume usw. in lebendigen Zusammenhang zu bringen und drang mit neugierigem Sinne in die geheimnisvollen Lokalitäten des gestirnten Himmels , in die Tiefe des Meers und der feuerspeienden Berge , von denen man hörte , und alles wurde zuletzt auf die religiösen Meinungen zurückgeführt . Es wurden Bücher von Hellsehenden , Berichte über merkwürdige Reisen durch verschiedene Himmelskörper und andere ähnliche Aufschlüsse gelesen , nachdem sie der Frau Margret zur Anschaffung empfohlen worden , und alsdann darüber gesprochen und die Phantasie mit den kühnsten Gedanken angefüllt . Der eine oder andere fügte dann noch aufgeschnappte Berichte aus der Wissenschaft hinzu , wie er von dem Bedienten eines Sternguckers gehört