um . - So tief in Gedanken , Königliche Hoheit ? - sagte eine tiefe Stimme . Es war der Polizei-Präsident v. M. - In der That , die Zeit giebt uns hinreichenden Stoff zum Denken , sollt ' ich meinen - erwiederte lächelnd der Prinz . Ich danke Ihnen , daß Sie mich daraus erweckt haben , denn meine Gedanken waren nicht erfreulicher Natur . - Ich wußte das . Sonst hätte ich mir nicht erlaubt , Sie darin zu stören , mein Prinz . - Sie kannten meine Gedanken ? - fragte ironisch der Prinz . - Nicht nur , weil ich sie kenne , sondern weil ich auf die Fragen , die Sie in diesem Augenblicke bewegen , antworten kann , weckte ich Sie aus Ihrem Nachdenken . - Verzeihen Sie - versetzte der Prinz - ich vergaß , daß zu Ihrem Beruf gehört , ein wenig allwissend zu sein , oder in Ermangelung dessen , es wenigstens zu scheinen . - Als Antwort auf Ihren Spott sage ich Ihnen nur ein Wort . Er flüsterte dem Prinzen einen Namen ins Ohr , der diesen sichtbar überraschte . - Wohlan - sagte dieser nach kurzem Nachdenken - und Ihre Antwort ? - Daß der Stern nicht das Irrlicht zu fürchten hat . Ihr Mißtrauen gegen diesen Menschen ist vollkommen gerechtfertigt , um so mehr gerechtfertigt , als ich es theile . Ihnen kann ich es gestehen , daß auch ich noch nicht ganz klar über ihn bin . - Und warum , wenn es so gefährlich ist , befindet er sich noch auf freien Füßen ? - Eben weil ich nicht klar bin . Ich habe Indicien über ihn , die sich widersprechen . Daß er conspirirt , darüber habe ich zahllose Beweise , aber für welche Partei er conspirirt ? - das weiß ich nicht . - Entweder ist er ein sehr gewandter Diplomat - oder ein charakterloser Schwachkopf . - Und was gedenken Sie zu thun ? - Ihn beobachten und sobald ich Gelegenheit habe , ihn unschädlich machen . Der Prinz wandte sich unbefriedigt ab . - Dieser Zeitpunkt ist näher als Sie glauben , fuhr der Polizeipräsident mit geheimnißvoller Miene fort . - Schon Morgen wird sich Vieles entscheiden . - Eine Frage erlauben mir Königliche Hoheit ? - Nun ? - Baronin Alice ist Ihre Freundin ? Der Prinz sah Herrn v. M. mit großem Blicke an . - Ich verstehe Sie nicht , Herr Polizeipräsident , - sagte er - auf den Titel einen Nachdruck legend . Herr v. M. lächelte . - Sie sind sehr mißtrauisch , mein Prinz . Fast so mißtrauisch , wie ein - Polizeipräsident . Ich that jene Frage nur , um Sie zu bitten , Ihrer Freundin den gutgemeinten Rath zu geben , daß Sie es unterlassen möge , in dieser Woche das bewußte Haus vor dem Hamburger Thore zu besuchen , weil ich in Verzweiflung gerathen würde , wenn sie einen Beleg zu der Wahrheit des Sprüchworts geben sollte : » Mitgefangen - Mitgehangen « . Zugleich fällt mir auch ein , daß Ihre Freundin sicherlich noch besser als ich selbst über den Chevalier unterrichtet ist . In Rücksicht darauf , daß ich besser im Stande wäre , Ihnen mit meiner Hülfe zu dienen , würden Sie mich sehr verbinden , wenn Sie diese Quelle prüften und mir das Resultat Ihrer Untersuchungen mittheilen wollten . Mit diesen Worten empfahl sich Herr von M. dem Prinzen , um mit dem Banquier S. eine gründliche Untersuchung über die Ursache der gegenwärtigen Finanzkrisis anzustellen . Der Prinz trat aus der Nische heraus und mischte sich wieder unter die Gesellschaft . Unwillkürlich suchte sein Blick Gilbert , dessen forschendes Auge dem seinigen begegnete . Einen Moment hafteten ihre Blicke auf einander , worauf beide zu gleicher Zeit und mit gleicher Indifferenz sich nach andern Seiten richteten . Als der Prinz vor dem Stuhle Alicens vorbeikam , beugte er sich zu ihr herab . Was er ihr zuflüsterte , konnte Niemand verstehen . Alice aber , welche dem alten süßlichen General von Klausewitz eine Beschreibung des Wiener Salonlebens in dem verflossenen Winter machte , zuckte bei den Worten des Prinzen etwas zusammen , ohne indeß den Satz , welchen sie eben begonnen hatte , zu unterbrechen . Im nächsten Augenblicke war sie wieder vollkommen Herrin ihrer selbst ; nur eine schwache Röthe auf ihren Wangen und ein leises Zittern der langen Augenwimpern bewies dem genauen Beobachter die Bewegung ihres Innern . Es war indeß spät geworden . Viele Gäste hatten sich bereits zerstreut . Die Zurückgebliebenen , meist aus den bekannten Personen bestehend , hatten sich zu einem engern Zirkel um den Tisch gruppirt . Doch schien sich grade über die , welche sonst den meisten Stoff zu lebhafter Unterhaltung dargeboten , heute eine trübe Wolke gelagert zu haben , die sie in sich gekehrt und schweigsam machte . Jeder schien sich mit seinen eigenen Gedanken zu unterhalten und so sehr die schöne Gräfin etwas Leben in die Unterhaltung zu bringen sich bemühte , hatten ihre Anstrengungen doch so wenig Erfolg , daß sie sich endlich bewogen fühlte , das Zeichen zum Aufbruch zu geben . Der Prinz A. bot Alicen seinen Arm und verließ unmittelbar nach dem Chevalier den Saal . Sie gingen zusammen hinaus . An der nächsten Straßenecke trennten sie sich . Der Prinz geleitete Alicen in ihre Wohnung ; Gilbert kehrte auf einem Umwege nach dem Hause der Gräfin zurück . V Am folgenden Morgen saß Alice mit ihrer bleichen Freundin Lydia am Fenster und sah gedankenlos in den trüben Nebel hinein , der sich zwischen die Häuser der Straße gedrängt hatte . Lydia war mit einer Handarbeit beschäftigt ; man hätte sie für theilnahmlos halten können , wenn sich nicht bei jedem Seufzer , der unbewußt den Busen ihrer gütigen Beschützerin hob , ihr großes feuchtes Auge einen Augenblick auf das Gesicht der Letztern gehoben hätte . Alice konnte diese Blicke nicht bemerken ,