sein Dank in einem kaum merklichen kurzen Zucken des Kopfes . Fünf Minuten mochten etwa seit dem Weggange Ehrhold ' s verstrichen sein , als er an der nördlichen Seite des Todtensteines wieder sichtbar ward , die schöne Wendin , von dem riesigen Manne begleitet , in dessen Schutz sie sich begeben hatte , an der Hand führend . Das wetterbraune Gesicht des Letztern hatte einen würdigen , herzgewinnenden Ausdruck und der Blick seiner hellen blauen Augen etwas so Offenes und Ehrliches , daß man wohl hätte glauben dürfen , diesem Manne eine Bitte , vom Blick seines Auges unterstützt , abzuschlagen , müsse Jedermann unmöglich sein . Er hatte bereits das Haupt entblößt und zeigte jetzt , wie die meisten übrigen Wenden , welche bei diesem Auftritte zugegen waren , einen schmalen glänzenden Lederriemen um die Stirn , der , wie es schien , am meisten dazu diente , die reiche Haarfülle fest zusammenzuhalten . Zienckich rasch schritten diese drei Personen den Hügel herab der Stelle zu , wo der herrische Ritter , mit kurzen Fragen Clemens festhaltend , auf sie wartete . In einiger Entfernung vor und hinter dem jungen Grafen war das Volk wieder zusammengetreten , offenbar aus Neugierde , was wohl der gebieterische und gefürchtete Herr mit dem schönen Kinde anfangen werde . Als der Reiter den starken großen Mann erblickte , verfinsterte sich sein Gesicht und eine dunkle Röthe bedeckte auf einige Momente Wange und Stirn . Inzwischen waren jene Drei so nahe gekommen , daß sich leicht ein Gespräch mit ihnen anknüpfen ließ , weshalb der Graf in scherzhaftem Tone sprach : » Röschen , Röschen , Du läßt mich frühzeitig die spitzen Dornen fühlen , die Deine Schönheit birgt ! Das ist lieblos von Dir und eigentlich sollte ich Dich dafür strafen . Doch ich weiß , daß alle schönen Mädchen kleine anmuthige Launen haben , die sie uns Männern nur begehrenswerther machen . Darum soll Dir verziehen sein , wenn Du mir jetzt mit Deiner thörichten Furcht nicht die Geduld raubst . Hier ist meine Hand . Schlag ' ein ! Auf Ritterwort , es soll Dir kein Leid geschehen ! « Obwohl der junge Herr eine geraume Zeit seine vom Reithandschuh freie , weiße und schlanke Hand vom Pferde herab der Wendin entgegenstreckte , rührte diese doch keinen Finger . Gesenkten Hauptes , die Hände unter der Schürze lose verschlungen , stand sie da gleich einer Verbrecherin , die ihr Urtheil erwartet . Da trat ihr Begleiter vor , beugte sich tief vor dem Reiter und dessen Hand mit seinen Lippen streifend , sagte er ehrfurchtsvoll : » Gnädigster Herr Graf , ich bitte Sie fußfällig , lassen Sie mir die arme Kleine nur noch ein Jahr , dann will ich sie Ihnen , wenn Sie darauf bestehen , selbst auf ' s Schloß bringen , und sie wird gewiß gern ihre Pflicht thun . Es ist meine einzige Tochter , Ew . Gnaden , ihre Muhme , daß Gott erbarm ' , ward im Walde erschlagen von einem Baume , den Ew . Gnaden Holzschläger fällten . Das schlimme Unglück zog sich mein Sohn , ihr Mann , zu Gemüthe , bis daß ihm die Gedanken vergingen und er , so zu sagen , ein Narr wurde ! Das arme Ding hat nun eigentlich keine Menschenseele außer mir und ihrem Pathen , bei dem sie den Winter über die Wirthschaft erlernt hat , und ich hab ' sie gepflegt und erzogen , so gut ich konnte , was sie mir Dank weiß , Ew . Gnaden , denn es ist ein recht wackeres und frommes Mädchen ! Aber sie möchte mir nun auch gern einen Beweis ihrer Kenntnisse aus Dankbarkeit geben , wornach mein Vaterherz sich sehnt , und seh ' n Sie , gnädigster Herr , grade deshalb hätte ich ' s gern , wenn Sie mir die liebe kleine Unruh ' noch ein Jährchen ließen . Sie würde mein Herz erquicken mit ihrem süßen Lächeln und mir die kleine Wirthschaft redlich führen helfen . Es ist ja doch Alles zu Ew . Gnaden eigenem Besten ! « Der Wende sah den jungen Gebieter mit seinen offenen Augen so flehentlich an , daß gewissermaßen schon im Ausdruck des Blickes eine Gewährung seiner Bitte hätte liegen müssen . Dennoch erwiederte der Graf kühl und unfreundlich : » Ich sehe es nicht gern , Jan Sloboda , daß Du so oft bittest . Es verbirgt sich dahinter ein aufsätziges Gemüth , wie ich gar wohl weiß , und weil Du hoffst , meinen Vater auf Deiner Seite zu haben , meinst Du , es sei Dir erlaubt , alle meine Befehle durch höfliche Gegenreden zu beseitigen . Ich bin dieser bittenden Widersetzlichkeit müde und will derselben ein Ende machen . Was aber Deinen Familienkummer anlangt , den Du mir auch auf Schritt und Tritt erzählst , so wisse , daß ich mich gar nichts um ihn kümmere und ihn nicht eines einzigen Wortes werth halte . Deine Schnur erschlug ein fallender Baum , wahrscheinlich zur Strafe , weil sie Zweige brach , wo es verboten ist , oder zur unrechten Zeit Streu machte . Was ist ' s weiter ! Du bist zwei hungrige Mäuler auf einmal los geworden , was Ihr ja stets für eine besondere Gnade Gottes haltet . Deinem Sohne geht nichts ab im Gemeindehause . Er hat müssige Zeit und wird auf Anderer Unkosten gefüttert . Meine ich es denn nicht gut , wenn ich Dir auch noch die dritte Esserin abnehmen will ? Wozu brauchst Du eine Gehilfin ? Du bist noch rüstig und kannst immerhin allein arbeiten . Das Faullenzen taugt nichts für Euch Leute . Müssige Zeit macht Euch nur unzufrieden . Röschen aber will ich , weil sie mir gefällt , in ' s Schloß nehmen und ihr eine gute Erziehung geben . Sie soll nicht , wie ihre Aeltern , eine elende Bettlerin werden und nach fremdem Gut ihre schöne Hand ausstrecken