hier in der ganzen Umgegend unsern Ruhm aus , man will es noch einmal wiederholt haben . Einmal ist keinmal , aber noch einmal , das ist zuviel . Liebster Clemens , noch Lebensgeschichte kann ich gar heut nicht mehr schreiben . Du lobst mir alles , aber um so mehr drückt das mich nieder , diesem Lob zu entsprechen , Du willst mir Lust machen , den gewöhnlichen Acker meines Lebens umzupflügen , jede harte Scholle zu zereggen ; nein Clemens , wenn Du die weißen Wände meines Studierkabinetts , das heißt meines Kopfes ansähest und nichts drin fändest als Spinnweb , wie wolltest Du Zins von dieser Armut fordern ! - Ich kann doch nicht auf jede Seite schreiben , daß die Leute mir ganz närrisch vorkommen , und sonst begegnet mir nichts jeden Tag , und ist mir von Jugend auf nichts begegnet als der große Gedanke wiederhallend von Stufe zu Stufe meines Ingeniums : Alles , was begonnen wird in der Welt , sei närrisch . Dabei komme ich mir eben auch nicht anders vor , eben weil kein Bestand in mir ist , weil ich von so manchem ein profundes Gefühl habe und dennoch ein Spielball der Zerstreuung bin , die ganz gehaltlos ist , das fühl ich , das quält mich , davon möcht ich gesunden und weiß nicht wie . Wenn Du aber nun wieder kommst und sagst , es stecke alles in mir und ich könne Wunder verrichten , und ich fühle mich aber behaftet mit allen Verrichtungsfehlern , und nur daß sie keinen Schaden machen , weil nichts an mir verloren ist . Du wirst Dich kreuzigen ! - Ich kann aber nicht anders , als daß ich bekenne , worüber ich lange mit Zweiflen gerungen habe , daß nämlich - alles nichts aus mir werden bloß Sünde Deiner närrischen Einbildung ist , daß etwas Großes in mir stecke . - Eine Zeitlang hab ich Dir geglaubt , wenn Du mir als manchmal mit so vieler Liebe davon sprachst , ich solle meine bessre Natur , meine Vorzüge vor den Augen der Welt verbergen , ich war des besten Willens ; aber , da ich nun diese Vorzüge wirklich gut zu verpacken gedachte , siehe da fand ich gar nicht , was ich allenfalls zu verschweigen oder zu verbergen habe . In Talenten komm ich nicht vorwärts , ich kann unmöglich meine elenden Versuche in der Kunst hochschätzen , eine Flora hab ich in Rötel gezeichnet , ich hab sie auch gleich darauf in Papierstreifen zerschnitten , um die Wachslichte mit fest zu machen . Meine musikalischen Versuche ? - Ich hatte ziemliche Freude am Generalbaß , da hat sich mein Lehrer , der Herr Preißing , zum Fenster hinausgestürzt . Ich mag ja an Musik nicht mehr denken . - Und nun kommst Du mit meiner Lebensbeschreibung auf rechter Heide , man könnte die Grashälmchen zählen , die da wachsen . - Das einzige , was mich intressiert , sind die französischen Miszellen über Revolutionsbewegungen , so menschlich , so verständlich , ein Kind muß ihre Naturgemäßheit empfinden . Ich hab mir die Aufgabe gemacht , in meinen französischen Arbeiten sie zum Thema zu nehmen , ich bin zufrieden , da ich vorwärts komme auf einem Feld , wo alles auf festen tiefen Begriff ankommt , wo das Echte , das Göttliche bloß ein vernünftiger Schluß ist , wo ich glaube , weil die Glaubensartikel seelenerziehende Argumente sind . Wo aber die Sündenregister wie eine elende Hühnerleiter an die Himmelspforte angelehnt sind , da mag ich keinen Versuch machen , mich zu bilden , mich zu bessern , soll ich da von Stufe zu Stufe hüpfen wie ein Hühnchen , damit es auf die Stange zu sitzen komme neben den Hahn ? - Nein ! Auf mein Seel in einem Flug . Über die Sündenregister hinaus wie die Verheißungen der Himmlischen . Sind die Seligen selig geworden , so lasse sie mit ihresgleichen , schmeichle nicht wie ein Schmarotzer um sie herum , daß Du auch gern wöllest vom Himmelsbrot essen . Ich aber sag mir , kannst Du nicht lernen entbehren ? Grad das , wonach alle verlangen ? - Kannst Du nicht lieber wollen , daß die andern selig werden , die so sehnlich darum bitten und seufzen , da Du doch gar nicht danach seufzen kannst ? - Dies Seufzen , Flehen und Ringen nach Seligwerden macht mich mitleidsvoll , hätt ich , was sie fordern , ich gäb ' s ohne Bedingung ! Aber wer kann ' s haben ? - Wer kann den Anstrich des Himmels dem Unsinn geben , in den hinein allen so sehr verlangt . - Wer kann das machen , daß Unsinn immerdar ein Quell erneuerter Freuden sei ? - Gott nicht , denn sonst würde er gewiß nicht anstehen , den Seligkeitverlangenden die Himmelstore weit aufzusperren und wie die alten Nönnchen in Fritzlar uns immer die himmlischen Freuden gleich einem Tanzboden beschrieben , nur viel schöner als sie es beschreiben könnten , so würde er die Musikanten drauf losschmettern lassen und erquickende Himmelsspeise in Fülle lassen herabregnen . Ach , er könnte froh sein , wenn noch Menschen wären , die solchen Genüssen möchten sich hingeben . - Eine unschuldvolle Energie der Unersättlichkeit , ist die möglich ? - Ich war immer schon satt von der Beschreibung des Himmels . Ein unaufhörlich Preisen und Lobsingen - damit fing ' s an . Ich sang auch gern , aber nicht Kirchenlieder ; ich sang , um mein jubelnd Herz auszuströmen , das zum Tanz geneigt war , von einem innern Lebenstakt frisch bewegt , meine Entschlüsse waren rasch und sind es noch , daß heißt , ich entschließe mich . - Zu was ? - Ei davon ist gar nicht die Rede ! Der Entschluß ! Ein freudiges Durchrauschen aller Lebensadern ! - Ein freies Auftreten auf den gottgeschaffnen Boden der Erde , überallhin blitzen meine klugen Augen und jagen die