es nicht thun sollen . Und doch ! Weiß ich nicht , was er schreibt , was er begehrt , und kann ich es gewähren ? Auch seinen Besuch habe ich abgelehnt . Wie einen Ueberlästigen habe ich ihn abweisen lassen . Wie wird er lächeln über die Feigheit , die sich nur sicher fühlt hinter gewaltsamem Schutz , wie verächtlich wird sie ihm erscheinen . Ich habe verboten , mir irgend einen Besuch zu melden , weil ich Robert allein nicht zurückweisen konnte . Mehr vermag ich nicht . Alle meine Gedanken sind auf ihn gerichtet , mein Herz verlangt ihn , die Sehnsucht ist zum körperlichen Schmerz geworden ; ich fühle mich der Verzweiflung , dem Wahnsinn nahe , so verwirren sich meine Gedanken . Ich möchte zu ihm eilen , ich möchte ihm sagen , wie ich ihn liebe . - Ich ! die dreißigjährige Frau , das Weib eines Andern ! Robert an den Hauptmann v. Feld . Berlin , den 16. Mai . Ich hielt es nicht länger aus in Hochberg , und bin wieder hier . Man hatte mir zufällig geschrieben , daß Clementine krank sei , daß ein Nervenleiden ihr Leben zu bedrohen scheine . Da litt es mich nicht länger dort , ich mußte sie sehen , ich eilte hieher . Begreifst Du es , mein Freund ? Sie leidet , sie stirbt , und ich , ich trage daran die Schuld , wenn ich sie und mich nicht rette . Nun bin ich acht Tage hier , bin täglich bei ihr gewesen , aber niemals angenommen worden . Es hieß , sie sei zu angegriffen , um Besuche anzunehmen . Was ich auch that , sie zu sehen , Alles war vergeblich , und es gibt Stunden , in denen ich trotz ihres Verbotes in ihr Zimmer dringen , und von ihr fordern möchte , mir nach Hochberg zu folgen , und die Meine zu werden . Ich weiß es , ich fühle es an meiner Liebe für sie , daß sie mich liebt , daß sie für Meining nur kindliche Verehrung hat ; warum sollen wir es büßen , daß sie sich unwürdige Fesseln anlegen ließ , die sie und mich erdrücken ? Was kann der alte Mann an ihr lieben ? Er , der es nicht weiß , was ihr reiches Herz bedarf , wie es geliebt werden muß , wie es zu lieben vermag . Und grade jetzt kann und muß ich sie sprechen , mich mit ihr verständigen , denn Meining ist nicht hier . Heute habe ich ihr geschrieben ; sie hat selbstquälerisch meinen Brief ungelesen zurückgesandt . Ich möchte ihr die Qualen , die sie sich vergrößert , ersparen , und kann es nicht . Sie muß sie durchkämpfen , wie ich es that , um später die Ruhe in sich zu finden , deren sie bedarf . Sie muß es fühlen , wie ich , daß unsre Verbindung eine innere Nothwendigkeit ist , der zu widerstehen eine Thorheit , eine Sünde ist . Waren je zwei Wesen für einander geschaffen , so ist sie es für mich ; ich könnte sagen , sie sei mein anderes Ich , so finde ich mein Denken in ihr wieder , so theile ich jedes ihrer Gefühle ; und doch drückt es Das nicht aus , was wir einander sind . Plato hat Recht , die Natur schuf den Menschen und trennte ihn in Mann und Weib , damit beide Theile nach Vereinigung streben und ein doppelt glückliches Ganze werden , wenn sie nach schmerzlichem Entbehren sich zusammenfinden und harmonisch vollendet in Eins verschmelzen . Sie ist mein , ein Theil meines Selbst , das ich nicht aufgeben kann , feige , wie der Selbstmörder sein Leben von sich wirft ; sie ist die Liebe , der Duft , das Licht meiner Seele , der zarte Wiederhall alles Großen , das ich gedacht - sie war einst mein , sie soll es wieder werden . Wende mir nicht ein , daß ich selbst sie aufgegeben habe ; ich hatte sie vernachlässigt , wir hatten uns vom Wege verirrt , uns verloren ; aber früh oder spät mußten wir uns wiederfinden , wie es geschehen ist , weil wir Eins sind . Nichts , selbst ihr eigner Wille nicht , soll sie mir jetzt entreißen . Ich will mein Glück um jeden Preis ! Ich will es nicht selbstsüchtig wie ein wilder Jüngling ; ich will es , mit der ruhigen , ernsten Ueberzeugung des Mannes von Meining fordern und von ihr selbst , weil mein Glück das ihre ist und ihr Leben rettet . Warum weiset sie mich ab ? Kann sie mich fürchten ? So klein ist Clementine nicht , so gering kann sie von mir nicht denken . Glaubt sie mich zu überreden , daß es ihr gelingen werde , mich für Meining zu opfern , der mir mein Eigenthum , mein Leben geraubt hat ? Nimmermehr ! Hätte ich sie nur gesprochen ! Aber ich kenne ihre Ueberspannung , ihre übertriebene Gewissenhaftigkeit . Freiwillig wird sie mir die Gunst des Wiedersehens nicht gewähren , und Niemand ist hier , bei dem ich sie treffen könnte . Marianne und Frau von Stein sind beide bereits verreist ; sie verläßt ihr Haus nicht , seit Meining abwesend ist , ich habe also keine Wahl . Denke an mich . In wenig Stunden wird mein Loos - ich hoffe es - zu meinem Glück entschieden sein . Fünfzehntes Capitel Es war ein schwüler , heißer Sonntagabend , ein Gewitter lag in der Luft und drückte Clementinen ' s jetzt doppelt reizbare Nerven nieder . Ein Theil der Dienerschaft hatte die Erlaubniß , den Sonntag auswärts zuzubringen , benutzt ; die Uebrigen hielten sich in dem entlegenen Dienerzimmer auf , da die Geheimräthin erklärt hatte , ihrer nicht zu bedürfen . Alles um sie her war still und einsam , sie saß lange in Nachdenken versunken allein . Der