. Gott mit Dir , wie ich es bin ! « Sie führte ihren Vorsatz aus und widmete sich mit dem regsten Eifer der Malerei . Sie malte den ganzen Tag ; sie speiste in später Stunde , um keine Zeit zu verlieren . Dann , um etwas frische Luft zu athmen , fuhr sie spazieren , weil sie im Finstern nicht gehen konnte . Endlich beschloß sie ihren Tag damit , daß sie die Abendstunden mit ernster Lectüre von geschichtlichen Werken hinbrachte . Für die Gesellschaft war sie unsichtbar . Frau von Eilau , Feldern , Graf Kirchberg besuchten sie zuweilen am Abend . Letzterer fragte einmal : » Wie lange denken Sie dies einsiedlerische Leben fortzuführen , Gräfin ? « » Ich weiß nicht , « sagte sie , » aber es ist mir so angenehm , daß ich es gern immer führte . Man muß nur den Kopf sehr voll und die Phantasie sehr beschäftigt haben , um es zu ertragen und Vergnügen daran zu finden . Ich vermisse nichts , denn meine guten Freunde suchen mich auf . « » Aber wir vermissen Sie in größern Cirkeln . « » In Gottes Namen ! « sagte Faustine lachend . » Sie glauben es nicht ? « rief er eifrig . » Ja , ja ! ich glaube es sehr gern ! die Leute unterhalten sich gut mit mir , weil ich immer sage , was ich denke , immer von innen heraus rede , und das ist ihnen neu . Aber was habe ich davon , für gleichgültige Menschen eine Amüsements-Maschine zu sein ? « » Allgemeines Interesse zu wecken und zu gewähren , ist ein Vorzug , um den Tausende Sie beneiden würden , und den Sie nicht so spöttisch wegwerfen sollten . Jeder reichbegabte Mensch hat eben durch seine Gaben die Verpflichtung übernommen , sie im weitmöglichsten Kreise wirksam werden zu lassen . Thut er es nicht , speichert er seine Schätze auf , sei es des Goldes , sei es der Wesenheit .... « - » So ist er ein Geiziger ! « unterbrach Faustine . » Ach , guter Graf , der Vorwurf trifft mich nicht . Giebt es ein Geschöpf , das immer und ewig zu geben bereit ist , so bin ich es - nur nicht für alle Welt ! Und wenn ich es bedenke - ja selbst für alle Welt ! ich lüge nicht , ich heuchle nicht , ich verstecke nicht meine Herzensempfindung , ich gebe immer Wahrheit - wer thut mir ein Gleiches ? « » Aber Sie weisen doch zuweilen Menschen von sich ab . « » Wenn ich fühle , daß wir nicht zusammenpassen . « » Nein , von Hause aus . « » Ich bitte um ein Beispiel . « » Nun , als Feldern Sie vorgestern gebeten hat , Ihnen seinen Freund Graf Mengen vorstellen zu dürfen , haben Sie es ganz verdrießlich abgelehnt . « » Verdrießlich ? o das ist ein Feldernscher Einfall ! er ist ein wenig empfindlich , der gute Feldern , und wenn ich nicht gleich auf der Stelle mit offnen Armen seinem Freund entgegen eile , so spricht er : ich sei verdrießlich . Ich habe ihn nur gebeten , noch ein wenig zu warten . Wenn ich in besserer geselliger Laune sein werde , will ich Graf Mengen herzlich gern empfangen . « » Ist es Ihnen nicht sehr auffallend , daß der sonst allerdings höchst empfindliche Feldern das Verhältniß zu Fräulein Stein erträgt ? « » Wie so ? was ist vorgefallen ? « » O gar nichts ! sie zeigt nur eine äußerst geringe Sehnsucht , seine Frau zu werden . « » Es schickt sich nicht anders . « » A la bonne heure ! aber sie zeigt dezidirt das Gegentheil ! « » Herr des Himmels ! « rief Faustine , » er wird sie alsdann doch nicht heirathen ? « Kirchberg zuckte die Achseln . Sie fuhr fort : » Lieber Graf , gehen Sie auf der Stelle zu Feldern und bitten Sie ihn , zu mir zu kommen . « » Wollen Sie ihm verbieten , sie zu heirathen ? können Sie es ? - Sonst aber .... was haben Sie ihm über diesen Punkt zu sagen ? « » Nichts , als ihn zu beschwören , sie nicht zu heirathen . « » Das ist mißlich , theure Gräfin . Vielleicht wird er es von selbst nicht thun , denn die Hochzeit ist ins Ungewisse verschoben , bis zur gänzlichen Herstellung von Fräulein Stein ; und ich glaube - die erfolgt nie . Was wollen Sie sich in unbehagliche Verhältnisse mischen , da beide Personen Ihrem Herzen nicht nah genug stehen , um Ihnen über das Verdrießliche einer solchen Einmischung hinweg zu helfen - für die man ohnehin selten Dank findet ? « » O ihr Weltmenschen ! « rief Faustine . » Oberflächliches Herumtreiben in der Gesellschaft begehrt Ihr von mir ! schwatzen und tanzen , witzeln und kokettiren soll ich ! Wenn ich sage : das langweilt mich - so antwortet Ihr ganz ernsthaft : Es ist Pflicht , mit den Nebenmenschen umzugehn ! Und wenn ich es dann auf meine Weise thun will , so heißt es : Halt ! halt ! nur nicht mit der Thür ins Haus gefallen ! nur nicht gleich treuherzig die Hand geschüttelt ! nur kein ehrliches , wohlmeinendes Wort gesprochen ! nur immer geflittert und geflattert - das ist ganz genug ! - O Kirchberg , ich mag Euch Menschen nicht leiden . « » Ich verdenke es Ihnen nicht , holde Gräfin , ich mag sie auch nicht leiden , und eben darum ist es eine solche Erquickung , einem Wesen wie Ihnen zu begegnen , daß Sie vor Keinem Ihr Dasein verhüllen sollten . « » Sie sind en train mir Liebenswürdigkeiten auszukramen , « sagte Faustine lachend ; » ich kann sie nur leider gar nicht