als wir aus dem Rebenzimmer traten , sahen wir ihn am Bette aufgerichtet abwechselnd eifrig ihre Hände lecken und seinen Kopf hineindrängen , als wollte er von ihnen geliebkost sein . Ich gestehe , daß mich der Anblick rührte , ich konnte ihn nicht gleich verjagen und hörte , daß er tief seufzte , wie Menschen im Schmerze . So blieb er Tag und Nacht vor der Schwelle bis sie zuerst aus dem Bette war und er sie sprechen hörte . Da stürzte er die hinaus tretende Alice beinahe zu Boden und flog mit solcher Gewalt auf die Kranke zu , daß sie , zum Tode erschreckt , sogleich ohnmächtig ward . Gaston ward mit Gewalt entfernt , und seitdem hält er sich auch ruhiger und in seinem gewöhnlichen Bereich . - Und wozu diese Erzählung ? fragte die Herzogin rasch , von ihrem Stuhle aufstehend und einen Blick stolzer Erwartung auf Stanloff werfend . Vielleicht , erwiederte der ruhige Diener , sich gleichfalls erhebend , daß zwischen der Lady und Gaston ein Zusammenhang statt findet , den das kluge Thier schnell erkannt hat , und der uns zu Entdeckungen führen könnte . Die Herzogin wandte ihm unwillig den Rücken , und nach dem Schreibtisch hin gehend sagte sie kalt : Ich bin nicht gelehrt , Master Stanloff , und muß Verzicht darauf leisten , Dinge zu begreifen die über die gewöhnlichen Grenzen der gesunden Vernunft zu gehen scheinen , die Gott mir allein verliehen . Ich will Euch in so wichtigen Betrachtungen mit meiner Einfalt nicht störend sein , doch muß ich bemerken , daß ich nicht wünschen kann , daß solche Dinge sich im Schlosse unter den verschiedenen ungebildeten Dienstleuten verbreiten , als von mir oder meinen nächsten Umgebungen ausgehend . Nichts ist ansteckender , als geheimnißvolle Träumereien , und nichts gefährlicher für das Glück unverdorbener Leute niedern Standes . - Ihr habt zu befehlen , was meinen Mund anbetrifft , sagte Stanloff . Die Thatsache der Aufmerksamkeit zu entziehen , lag jedoch weder in meiner Macht , noch in meinem Beruf . Die Herzogin stand bleich und bebend an ihrem Schreibtisch , und Stanloffs Herz schmolz in Wehmuth bei ihrem Anblick , obwohl er heute so oft unter ihren scharfen Worten hatte leiden müssen . Die Juwelen , welche sie trug , und das kleine Taschenbuch , habt Ihr ' s von Mistreß Morton erhalten ? hob er an , mit dem gutmüthigen Wunsche , sie aus ihrem Zustande zu reißen , dessen Ursache er vergeblich suchte und in Gastons unschuldigem Thun nicht finden konnte . Mit beklommener Stimme sagte die Herzogin : Ja wohl , Juwelen , Stanloff , nicht unwerth , in dem Diadem einer Königin zu glänzen , ein Armband und ein Kreuz . Das Buch , sagte sie kaum vernehmlich , aber sehr hastig , war mit einer Perle von großem Werthe verschlossen ; es lag ein Wechsel von einigen tausend Pfund darin und noch ein Paar Zeilen . Großer Gott , was ist Euch ! rief Stanloff , denn die Herzogin endete die letzten Worte in einer Art von Gestöhn und taumelte gegen die Pfeiler des Fensterbogens . Nichts ! Nichts , Stanloff ! rief sie wie trostlos , aber ruft Morton , und bei Eurer Pflicht , bei Eurer tugendhaften Seele , ja , so lieb Euch der Friede der Meinigen ist , wendet Alles an , dies Mädchen zu erhalten , sie herzustellen . Ich will sie sehen , heute noch sehen . Stumm verneigte sich Stanloff , Mistreß Morton zu rufen , aber sie trat ihm in dem Vorsaal schon entgegen . Sie bedarf Eurer , sagte Stanloff tief bewegt . Die beiden treuen Diener blickten sich einen Augenblick stumm und traurig an . Stanloff fuhr mit dem Tuch über die Augen , und Mistreß Morton sah , der alte Herr war um seine Fassung . Sie reichte ihm die Hand und sagte sanft : Das Rechte thun und Gott vertraun ! Er nickte mit dem Kopfe und eilte aus dem Saale . Mistreß Morton fand ihre Gebieterin zwar blaß und ermüdet , doch mit wieder erlangter Fassung . Sie war seit einiger Zeit an diese plötzlich wechselnden Zustände gewöhnt und zog es vor , sie völlig unbeachtet zu lassen , überzeugt , dadurch die stolze Frau am schnellsten auf sich zurück zu führen . Auch lag in dem Sinn der alten Dienerin ein gewisser Stolz auf die Kraft und würdige Haltung ihrer Gebieterin , womit sie manche ihrer Fehler in ihren Augen versöhnte , und sie war fast empfindlich , die Lady seit einiger Zeit so oft mit Weichheit und heftigem und sichtbarem Schmerze wechseln zu sehen , welches der Würde Abbruch that , in der sie dieselbe erhalten wissen wollte , selbst um den Preis , dadurch als Dienerin in schärfere Grenzen der Zurückhaltung gewiesen zu sein . Die alte kluge Dame hatte sicher für diesen Karakter das Passendste erdacht , denn die Lady fühlte sich sehr wohl mit Mistreß Morton und schien stets zu einer ruhigeren Betrachtung der Dinge in ihrer Gegenwart überzugehen . Auch heute ließ sie sich ihre stummen und angenehmen kleinen Dienste gefallen ; sie nahm ohne Widerstand einige Tropfen , die ihr wie absichtslos gereicht wurden , als ahne man kaum den Zweck . Der Sessel war bequem gegen die sanfte Glut des Kamins geschoben , die Füße ruhten gemächlich auf einem Polster , und leise legte Mistreß Morton einige Bücher , Arbeiten und kleine gebrauchte Geräthschaften bei Seite , wohl wissend , daß das Auge der Herzogin ihren Bewegungen unwillkürlich folgte , aufmerkend , ob jedes seinen Platz gewönne , wodurch sie sich endlich abziehen ließ und zu einer Art von Ruhe gelangte , fast zugleich mit der wiederkehrenden Ordnung ihres Zimmers . Mistreß Morton wollte nun eben ihren Platz einnehmen und eine Arbeit ergreifen , als die Herzogin mit freundlichem , sanftem Ton sich zu ihr bog : Du scheinst fertig zu sein mit Deiner geschickten Ordnungsgabe , und ich