ein Zeichen gegeben , wie genußreich und erquickend es mir ist , das reiche Leben Deines Herzens überschauen zu dürfen . Wenn es auch ein Mangel in mir ist , daß ich Dir nur wenig sagen kann , so ist es Mangel an Fassung über alles , was Du mir gibst . Ich schreibe Dir diesen Augenblick im Flug ; denn ich fürchte da zu verweilen , wo so viel Überströmendes mich ergreift . Fahre fort , Deine Heimat bei der Mutter zu befestigen ; es ist ihr zu viel dadurch geworden , als daß sie Dich entbehren könnte , und rechne Du auf meine Liebe und meinen Dank . G. An Goethe Frankfurt , am 29. Juni Wenn ich alles aus dem Herzen in die Feder fließen ließ , so würdest Du manches Blatt von mir beiseite legen , denn immer von mir und von Dir , und einzig von meiner Liebe , das wär doch nur der bewußte ewige Inhalt . Ich hab ' s in den Fingerspitzen und meine , ich müßte Dir erzählen , was ich nachts von Dir geträumt habe , und denk nicht , daß Du für anders in der Welt bist . Häufig hab ich denselben Traum , und es hat mir schon viel Nachdenken gemacht , daß meine Seele immer unter denselben Bedingungen mit Dir zu tun hat ; es ist , als solle ich vor Dir tanzen , ich bin ätherisch gekleidet , ich hab ein Gefühl , daß mir alles gelingen werde , die Menge umdrängt mich . - Ich suche Dich , dort sitzest Du frei mir gegenüber ; es ist , als ob Du mich nicht bemerktest und seiest mit anderem beschäftigt ; - jetzt trete ich vor Dich , goldbeschuhet , und die silbernen Ärme hängen nachlässig , und warte ; da hebst Du das Haupt , Dein Blick ruht auf mir unwillkürlich , ich ziehe mit leisen Schritten magische Kreise , Dein Aug verläßt mich nicht mehr , Du mußt mir nach , wie ich mich wende , und ich fühle einen Triumph des Gelingens ; - alles , was Du kaum ahnest , das zeige ich Dir im Tanz , und Du staunst über die Weisheit , die ich Dir vortanze , bald werf ich den luftigen Mantel ab und zeig Dir meine Flügel und steig auf in die Höhen ; da freu ich mich , wie Dein Aug mich verfolgt ; dann schweb ich wieder herab und sink in Deine umfassenden Arme ; dann atmest Du Seufzer aus und siehst an mir hinauf und bist ganz durchdrungen ; aus diesen Träumen erwachend , kehr ich zu den Menschen zurück wie aus weiter Ferne ; ihre Stimmen schallen mir fremd und ihre Gebärden auch ; - und nun laß mich bekennen , daß bei diesem Bekenntnis meiner Traumspiele meine Tränen fließen . Einmal hast Du für mich gesungen : » So laßt mich scheinen , bis ich werde , zieht mir das weiße Kleid nicht aus . « - Diese magischen Reize , diese Zauberfähigkeiten sind mein weißes Kleid ; ich flehe auch , daß es mir bleibe , bis ich werde , aber Herr : diese Ahnung läßt sich nicht bestreiten , daß auch mir das weiße Kleid ausgezogen werde , und daß ich in den gewöhnlichen des alltäglichen gemeinen Lebens einhergehen werde , und daß diese Welt , in der meine Sinne lebendig sind , versinken wird ; das , was ich schützend decken sollte , das werde ich verraten ; da , wo ich duldend mich unterwerfen sollte , da werde ich mich rächen ; und da , wo mir unbefangne kindliche Weisheit einen Wink gibt , da werd ich Trotz bieten und es besser wissen wollen ; - aber das Traurigste wird sein , daß ich mit dem Fluch der Sünde belasten werde , was keine ist , wie sie es alle machen ; - und mir wird Recht dafür geschehen . - Du bist mein Schutzaltar , zu Dir werd ich flüchten ; diese Liebe , diese mächtige , die zwischen uns waltet , und die Erkenntnis , die mir durch sie wird , und die Offenbarungen , die werden meine Schutzmauern sein ; sie werden mich frei machen von denen , die mich richten wollen . Dein Kind An Goethe Vorgestern waren wir im » Egmont « , sie riefen alle : » Herrlich ! « Wir gingen noch nach dem Schauspiel unter den mondbeschienenen Linden auf und ab , wie es Frankfurter Sitte ist , da hört ich tausendfachen Widerhall . - Der kleine Dalberg war mit uns ; er hatte Deine Mutter im Schauspiel gesehen und verlangte , ich solle ihn zu ihr bringen ; sie war eben im Begriff , Nachttoilette zu machen , da sie aber hörte , er komme vom Primas , so ließ sie ihn ein ; sie war schon in der weißen Negligéjacke , aber sie hatte ihren Kopfputz noch auf . Der liebenswürdige feine Dalberg sagte ihr , sein Onkel habe von oben herüber ihre freudeglänzenden Augen gesehen während der Vorstellung , und er wünsche sie vor seiner Abreise noch zu sprechen , und möchte sie doch am andern Tag bei ihm zu Mittag essen . Die Mutter war sehr geputzt bei diesem Diner , das mit allerlei Fürstlichkeiten und sonst merkwürdigen Personen besetzt war , denen zulieb die Mutter wahrscheinlich invitiert war ; denn alle drängten sich an sie heran , um sie zu sehen und mit ihr zu sprechen . Sie war sehr heiter und beredsam , und nur von mir suchte sie sich zu entfernen . Sie sagte mir nachher , sie habe Angst gehabt , ich möge sie in Verlegenheit bringen ; ich glaube aber , sie hat mir einen Streich gespielt , denn der Primas sagte mir sehr wunderliche Sachen über Dich , und daß Deine Mutter ihm gesagt habe , ich habe einen erhabenen ästhetischen Sinn . Da nahm er einen schönen Engländer bei der