Liebe ? - so traurig ! « Eduard höhnte im Innern die welke Zartheit und spröde Resignation ; alles an diesem Wesen erschien ihm falsch , er sehnte sich nach der heißen , offenen Sinnlichkeit Era ' s. Mit Entzücken vernahm er den Abschiedsgruß der Damen , Ketten sanken von seiner Brust , und er eilte mit dem Baron über die vielen Brücken und Stiegen dem neuen lichten Gebäude zu , in dem er die erste Nacht nun zubringen sollte . Hier hatten alle Gegenstände ein durchaus verschiedenes Aeußere ; im Wohnzimmer , in welches der Freiherr ihn führte , war die Familie versammelt und begrüßte den Ankömmling offen und freundlich . Der Baron war Wittwer , seine Gemahlin hatte ihm eine Tochter und einen Sohn geschenkt . Die erste war ein kleines lebendiges Wesen mit hellbraunen , unstäten Augen ; sie besorgte die Wirthschaft , es zeigte sich jedoch bald , daß sie bei diesem Geschäft mit der größten Eilfertigkeit und Zerstreutheit zu Werke ging , und hundert Dinge vergaß oder falsch ausrichtete ; man sah ihr den Wunsch an , immer wieder so schnell als möglich ihren Platz einzunehmen bei einem Manne in den mittleren Jahren , der sich unserem Freunde als einen Journalisten aus der Residenz ankündigte . Den Bruder Sophiens , ein junger Mensch von blühendem Aussehen , bezeichnete seine Kleidung als einen Forstzögling aus einem nahen Waldstädtchen . Bei seiner kräftigen Jugend und männlichem Geschäfte trat eine große Weichheit seltsam contrastirend bei seinem Benehmen , so wie bei der Gesichtsbildung , deutlich hervor . Er stand lange , während ein munteres Gespräch in der Stube durcheinanderkreuzte , stillschweigend an ' s Fenster gelehnt und blickte hinaus auf das einsam erleuchtete Zimmer im Schlosse , welches in die Nacht herab glänzte ; sein Vater trat endlich zu ihm , und indem er etwas unsanft in die blonden Haare des Träumers fuhr , faßte er ihn um den Leib und zog ihn in die Stube hinein . » Mein Sohn August , « rief er Eduarden zu , den Jüngling vorstellend - » Forstkadet in R - . « Man setzte sich zum Nachtische , den Sophie besorgt hatte , und in dem Moment trat ein ältlicher Mann ein , den der Hausherr Ottfried nannte und als seinen jüngsten Bruder bezeichnete . » Ich bin mit meiner Familie , « fuhr der Baron fort , » in eine sonderbare Verwirrung gerathen ; ein Theil , zu dem mein Bruder auch gehört , ist offenbar zu alt , der andere - dort meine lieben Kinder , möchten fast ein wenig zu jung seyn , es fehlt an einem gewissen Mittelstand . « - » Den bildet doch wohl unser Freund dort , « sagte Ottfried , indem er auf den Journalisten zeigte . - » Gott behüte , « rief dieser , » ich gehöre unbedingt der neuen und neuesten Zeit an , es gibt kein Bündniß mit alten Irrthümern ; Krieg , offener Krieg und keine Vermittelung ist mein Wahlspruch . « Er sprach diese Worte wie im Scherze leicht hin , dennoch war es nicht zu verkennen , daß seine wahre Ansicht sich nur dürftig maskirte , um in Gegenwart eines Fremden , dessen Gesinnungen ihm noch ein Geheimniß waren , nicht zu entscheidend aufzutreten . Sophie ließ sich angelegen seyn , ihrem Freund allerlei Leckerbissen zuzuwenden , und dieser zog endlich zum Dank für diese zarte Aufmerksamkeit die neuesten politischen Blätter hervor , indem er sich anschickte , Einiges daraus vorzulesen . » Halt , halt , Theuerster , « rief der Baron , » lassen wir unsern jungen Freund nicht gleich zum Willkommen die alten kreischenden Trompeterstückchen hören , die jetzt alle Ohren gellen machen - nachher , nachher findet sich wohl ein Stündchen ; besser wird es seyn , etwas über unsere Bekannten in der Residenz zu vernehmen . « Der Doktor schlug seine Blätter mit merklichem Unwillen zusammen , und Eduard ward aufgefordert , zu erzählen . Das Gespräch kam auf die Poesie und die neuesten Erscheinungen in diesem Fach . » Wenn wir davon reden sollen , « nahm der Journalist wieder das Wort , » so ist die erste und wichtigste Frage , was suchen wir heutzutage in der Poesie ? « - » Zerstreuung , Erheiterung , Erhebung aus der verwirrten dumpfen Zeit , « rief der Baron mit Nachdruck . - » Freilich wohl , « nahm der Erstere wieder das Wort , » Erhebung - das soll sie uns geben und das wird sie . Gottlob , die Zeit ist vorüber , wo diese edle Kunst , wie alle übrigen , nur dem Kitzel der Höfe diente , und ein paar tausend Menschen mit ihr wie mit der Puppe spielten . Drum nichts von Zerstreuung , Erheiterung - wir sollen nicht zerstreut , erheitert werden ; eine finstere , thatendrängende Zeit fordert Arbeit , Mühe , schnelle begeisterte Wirksamkeit . Der Brand umgestürzter Reiche , der alten Gerüste und Satzungen hat , so wie das Blut untergegangener Generationen , den Boden gedüngt , und die hellstrahlende Sonne ächter Aufklärung zeitigt jetzt in jäher Schnelle die aufkeimende Saat ; alles ist Regung und Bewegung ; der scharfe tragische Dolch der Muse , mit dem die Hand früher gespielt , jetzt gilt es , in einer Männerfaust seine Schärfe , seine hartgeschliffene Spitze zu erproben . Hinweg mit der markausspülenden Weichlichkeit jener Poeten , deren Faunsgesichter , von Perückenlocken umschattet , mit lüsterner Gier in den Falten des alten Paradebetts lauschen , wo die alte buhlerische Koquette der Despotie sich ziert und winkt . Die morschen Pendülen mit den Porzellanmöpschen und Schäferinnen haben ihre letzte Stunde gewispert ; ein wunderbarer Sturm rauscht hinter jenen Tapeten und rüttelt an den versteckten Thüren , durch welche Wollust und Verrath einschlichen . Ein flammenschöner , in jungfräulicher Herbigkeit felsenharter Joseph reißt sich die junge Freiheit aus den verfolgenden Armen der alten Koquette , welche in welker Ohnmacht zurückbleibt ; gerne opfert er