- Sage mir doch , ist noch Niemand in der Stadt angekommen ? Er wollte doch schon Ende vorigen Monats dort sein . Statt von dem langweiligen Leontin zu schreiben , hättest Du mir etwas Interessanteres mittheilen können . Verbrenne um Gotteswillen dies Blatt , damit es kein Mensch sieht , am wenigsten - Du verstehst mich wohl . Ich schließe hier , der Bote eilt . Mein Himmel , Du wirst ja doch noch zeitig genug zu Deinem brillanten Dejeuner fertig werden . Geh nur ! geh ! Du bist nicht halb so gefühlvoll , als ich . Das ist auch mein einziger Trost . Die Besten müssen immer am meisten leiden ! Adieu ! Elise an Sophie Ich schreibe Ihnen mit Bleistift auf einer sehr lustigen Jagdparthie zwei Worte durch Curd , der durch alle erdenkliche Mittel imponiren will , in der Geschwindigkeit eine Reise nach Italien macht , und noch diesen Abend dahin abgeht . Er trifft Sie in Florenz , und bringt Ihnen mit tausend warmen , zärtlichen Grüßen dies Blatt . Mögen Sie lesen können , was es enthält . Ich fürchte , die Schriftzüge werden ziemlich verwischt zu Ihnen gelangen . Nun auf gut Glück ! Zuerst , was Sie interessirt . Ihre jungen Freunde sind hier , gefallen beide , sind liebenswürdig , und scheinen glücklich . Ich bin ihnen von Herzen ergeben . Emma bezwingt mich durch etwas Unwiderstehliches , das ich nicht nennen kann . Es ist viel stille , geistige Fühlbarkeit in ihr . Die dunkeln Augen werden eben so oft feucht , wie der allerliebste Mund lächelt . Alles an ihr ist leise , unkörperlich möchte ich sagen . Der dicht umschlossene , ruhig bewegte Waldsee , an dem ich hier sitze , giebt mir das beste Bild von ihr . So erscheint sie mir . Dem sonderbaren Hugo fällt das Meiste im Leben von selbst zu . Er bemüht sich nicht darum . Er hat es . So auch die Aufmerksamkeit , die Theilnahme , die Bewunderung der hiesigen Gesellschaft . Ich hatte Unrecht gethan , Absicht bei ihm vorauszusetzen . Was er sagt und thut , ist immer unwillkührlich . Das Außerordentliche liegt ihm vielleicht näher , als Andern ! Ich kann nicht eben finden , daß er mich blende . Im Gegentheile , es ist das Unscheinbare in seiner Art und Weise , wodurch er die Gedanken frei an sich heraustreten , und sie in ihrer Natürlichkeit jedem verwandt , empfinden läßt . Es liegt hierin eine Magie , das ist wahr ! Aber der Genius der Natur giebt sie allein . Gewöhnliche Taschenspielerkünste würden es nicht so weit bringen . Ich gerathe zu tief in den Text hinein . Das Blatt ist zu Ende . Leben Sie wohl , geliebte Ungetreue ! Sein Sie gewiß , Sie fehlen mir gerade jetzt am meisten . Apropos , Eduard läßt Sie grüßen . Auch Georg , der allerliebste kleine Junge ! Beide trugen es mir schon längst auf . Noch einmal , leben Sie wohl ! Der Geistliche an Emma Vor allem , meine gnädige Frau , empfangen Sie den innigsten Glückwunsch zu Ihrer Rückkehr in die Heimath . Ich weiß Sie gern an dem Ort Ihrer Bestimmung . Es ist mir so gewiß , daß Sie dort , wo Beruf und Wirksamkeit Ihrer warten , auch Zufriedenheit finden werden , daß ich gern noch einen zweiten Brief kommen ließe , ehe ich den ersten beantwortete . Gleichwohl scheinen Sie dieser Antwort , als etwas entgegen zu sehen , von dem Sie besondere Aufschlüsse über sich und Ihre Verhältnisse erwarten . Sie mißtrauen Empfindungen , bei denen Sie gleichwohl viel zu lange verweilen , wenn Sie Ihnen gefährlich dünken . Kurz , Sie sind noch von den Erschütterungen der Reise aufgeregt , und wünschen wieder in Ruhe zu kommen . Liebe , gnädige Frau , ich war vor einiger Zeit Abends bei einer Augenkranken . Das Zimmer , in welchem sie sich befand , war so dunkel , daß man sich nur mühsam darin zurecht fand . Gleichwohl warf die dichtverhangene Lampe ihren schwachen Schein auf naheliegende Gegenstände , welche bei der leisesten Verrückung scharfe Lichtstrahlen zurückspiegelten , und den Sehenerv schneidend trafen . Die Kranke schrie , so oft der Fall eintrat , unwillkührlich hell auf ; besonders übermannte sie der empfindlichste Schmerz , wenn die weißlakirte Thüre eines Seitenzimmers aufging , und die Bewegung des hellen Körpers blendend die Nacht umher theilte . Ich litt um so mehr mit der Armen , als mein gesundes Auge von dem jähen , durchfahrenden Schimmer afficirt ward . Mit der innigsten Theilnahme verließ ich sie später . Ich konnte lange nicht ohne eine gewisse Beklemmung an den Abend denken . Wie groß war deshalb meine Freude , als ich , nach nicht gar langer Zeit , fast um die nämliche Stunde , vor dem Hause vorbeigehe , und die Fenster desselben erleuchtet finde . Ueberrascht bleibe ich stehen , betrachte mir die Lage des Krankenzimmers , und kann nicht zweifeln , daß ein , im Mittelpunkt desselben angebrachter Kronleuchter seine brennenden Kerzen unverhüllt flammen lasse . Ich eile nun hinauf , gewiß , das Uebel gehoben zu sehen . Allein ich fand meine Erwartung getäuscht . Meine arme Freundin saß noch mit dem grünen Augenschirm , unfähig , den Blick frei zu bewegen . Ihr Zustand war leider ungefähr derselbe , doch mit dem Unterschiede , daß sie in einem gleichmäßigeren Empfinden des Schmerzes , seiner mehr Herr ward , ja , in der ruhigen Helle des Gemaches den wohlthuenden Einfluß des Lichts im Allgemeinen genoß , ohne den leidenden Theil dadurch verletzt zu fühlen . Ich äußerte ihr meine Verwunderung hierüber , hinzusetzend , daß mich eben diese Helle getäuscht habe , indem ich sie nicht mit der Natur ihres Unwohlseins zu vereinigen gewußt hätte . » Das macht , « entgegnete sie , » das Licht kommt von oben , so ergießt es sich ohne Abschattung