runde Maid mit den Flammenaugen nicht ungern mein Bäschen nenne , « meinte Dagobert : » so begreife ich doch nicht , wie ein Mann von Eurer Würde und Heiligkeit sich zu dieser Unwahrheit herablassen konnte . « » Ach ! Du weißt es nicht , « seufzte der Ohm , wie die Welt im Argen lebt ; wie sie sich freut über den Fall des Gerechten , und aus seiner Unschuld die bittre Schuld saugt . Die Deutschen absonderlich , trotz ihrer Ruchlosigkeit , ihren unzüchtigen Tänzen und heidnischen Philosophemen ; Wer ist es , der das Leben des Priesters einer solch unchristlichen Untersuchung unterwirft , wie noch nie erhört worden ? Der Deutsche . Wer wagt es , Prälaten , Bischöfe , Kardinäle , und Gott sey es geklagt , den Unfehlbaren in Rom selbst in seinem häuslichen Thun zu meistern ? Der Deutsche . Wer schreit am ungestümsten nach einer allgemeinen Kirchenverbesserung ? der Deutsche . » O der Sünde ! die Kirche und ihre Satzungen will er umstürzen und erneuern , gleich als ob sie Menschenwerk wären , und nicht das Vollkommenste , Gottes und seines Sohnes Werk ! « Dagobert , der den Meinungen seines Oheims nicht offne Fehde bieten wollte , so sehr auch seine Ansichten von ihnen abwichen , betrachtete still lächelnd die Schnabelspitzen seiner Stiefel , und athmete freier , als endlich der Imbis aufgetragen war , und somit das ernstwerdende Gesprächsel ein Ende hatte . Bei Tische , während des Genusses der feinsten Speisen , die eines Erzbischofs Tafel zu Ehren gebracht haben würden , hatte der junge Mann Gelegenheit genug , zu bemerken , daß die Freundschaft seines Oheims zu Fiorillen wirklich eine Große war . Die leckersten Bissen legte sie dem Prälaten vor , und dieser schob das Leckerste von ihnen auf ihren Teller . Seinen und des Neffen Becher füllte er halb mit Wein , halb mit Wasser , in Fiorillens Kelchglase perlte der reine italienische Feuerwein . Während Dagobert zum Nachtisch mit vaterländischem Käse abgespeist wurde , fütterte Oheimchen Fiorillen mit dem schmackhaften in Honig gefaßten Ingwer , und mit der süßen Weichsellatwerge . Venedische Mandeln und Weinbeeren wurden aufgetragen , um von dem Hausherrn benascht , und an Fiorillen verschenkt zu werden . Endlich betheuerte die Letztere ernstlich , zur Genüge versorgt zu seyn , und bemitleidete scherzend den Gast , daß ihm nichts von diesen Leckereien beschieden gewesen . Dagobert lächelte Achselzuckend ; der Oheim sprach aber trocken : Mein Neffe macht sich sicher nichts aus diesen Süßigkeiten , denn er ist noch ein ächter Deutscher , und eine Ochsenkeule ihm lieber als eine seine Tafel , wär ' s auch die des Cardinals Zabrella , der auf das Essen etwas hält . » Alles gleicht sich aus ; « erwiederte Dagobert : » Derbe Kost gibt derbe Menschen . « » Richtig , « meinte der Prälat : » und feine Speise zieht den feinen Mann . « Fiorilla gab einige Worte dazwischen , die nicht undeutlich merken ließen , daß ihr eine kräftige Derbheit nicht mißfalle , indem sie Bürge eines kräftigen Gemüths sey . » Es muß mich wundern , « sprach sie endend : » Hochwürdiger Herr , daß Ihr an dem Neffen tadeln zu wollen scheint , was ihr an der Nichte gut heißt . « » An Euch , mein Bäschen ? « fragte Dagobert munter , und warf , dem eifersüchtig lauernden Ohm zum Trotze , einen seiner feurigsten Blicke in Fiorilla ' s Augen . » Nicht doch ; « antwortete diese erröthend : » Ich spreche von der Nichte Sr. Hochwürden . « Monsignore gab der Geschwätzigen mit verdrüßlicher Miene ein Zeichen zu schweigen . Dagobert , dem auch dieser Wink nicht entging , hatte Muthwillen genug , weiter zu forschen . » Seyd Ihr ' s also nicht , liebes Bäschen ? « fragte er ; - » oder - von welch andrer Nichte ist denn hier die Rede , Oheim . « » Von wem sonst , als von Deiner Schwester ? « brach der Letztere unmuthig los . » Von Wallraden ? « rief Dagobert . » Freilich von ihr ; « versetzte Fiorilla . » Was meint Ihr , - hochwürdiger Herr ? Sie wird viele Freude haben , ihren Bruder zu sehen , der gerade so muthig und entschlossen zu seyn scheint , wie sie . « » Wie ist mir denn ? « fragte Dagobert : » Wallrade wäre hier ? « » Ja doch ; « entgegnete Fiorilla unbefangen : » Ihr wußtet das nicht ? « » Verdrüßliche Schwätzerin ! « zürnte der Prälat gegen die Freundin : » Mulier taceat in ecclesiam ! « » In ecclesia ! « verbesserte Dagobert lächelnd : » Ein guter Spruch ! aber ich verstehe nicht , warum Ihr mir ein Geheimniß aus der Anwesenheit meiner Schwester machen wollt , guter Oheim ? Mir ist sie das gleichgültigste Ding von der Welt , macht mir nicht Liebe , nicht Haß . Wir Beide , Wallrade und ich , wir konnten uns von Jugend auf nicht leiden . Ich war ihr zu lustig , sie war mir zu rauh . Ein Glück , daß sie ein Mädchen und nicht ein Bube geworden . Es hätte alle Tage blutige Köpfe gesetzt . Seither sind wir auseinander gekommen , und haben uns natürlich nicht lieben gelernt . Sie wird mich nicht suchen , wie ich nicht sie . Wir würden uns fremd bleiben , wohnten wir auch unter einem Dache . « » Das wußt ich ja eben ! « fiel der Prälat ein : » Ich hatte mir ' s auch so schön ausgedacht , wie ich euch Trotzköpfe mit guter Art zusammenbringen und versöhnen wollte , ehe ihr noch von eurer gegenseitigen Anwesenheit gewußt hättet . Durch die Fiorilla Cicalonilla ist mir das gute Werk vereitelt . « » Es ist nicht meine Schuld , « schmollte die Gescholtene , » daß