ich ihn von allen Männern für den gehalten hätte , mit dem es am gleichgültigsten wäre , sich zu unterhalten , und , in ihm eine ähnliche Ansicht voraussetzend , wäre mir es nie eingefallen , in seinen Reden einen ernsthaften Sinn zu suchen . Mit Heftigkeit klagte er mich jetzt an , ihm in den Augen der Welt Hoffnungen gegeben zu haben , die nun seine Ehre in Gefahr brächten , in unsern nähern Verhältnissen Vorschläge nicht unwiederruflich verworfen zu haben , die nur die Liebe genehmigt . - Diese Vorwürfe riefen mir jenen unseligen Maskenball zurück , wo der Leichtsinn meines Betragens den Lord damals zu dem Vorschlag einer Entführung nach Schottland veranlassen konnte ; zugleich hatte mir aber Herrn Maitlands Charakter die Gewohnheit erhalten , dem Wort » Ehre « , in dem Munde eines Mannes einen höhern Werth beizulegen , als der Gebrauch der Modewelt ihm ertheilt . Ich schauderte vor dem Gedanken , Lord Friedrichs Ehre durch meine gefallsüchtige Laune Anfällen ausgesetzt zu haben , und fand deshalb nicht den Muth in mir , seine flehenden Bitten , ihm noch jetzt nach Schottland zu folgen , so wie ich hätte thun sollen , abzuschlagen . Ich ließ mich auf Gründe meiner Weigerung ein : meines Vaters bestimmte Abneigung gegen eine Verbindung mit dem Lord war der erste , und wenn meine Denkart klar und mein Sinn edel gewesen wäre , hätten die abgedroschnen und herzlosen Gründe , mit denen er das väterliche Ansehen zu schwächen suchte , mir den Unwerth des Mannes und die Gefahr , mich ihm anzuvertrauen , ins hellste Licht stellen müssen . Aber er bewies mir , daß meine persönlichen Vorzüge allein mich emancipirten , daß meines Vaters Weigerung meine Rechte schmälerten , daß allgemeine Regeln einen höhern Geist nicht bänden , und mein Vater nach dem ersten Aufbrausen seines Unwillens einer Verbindung , die in jeder Rücksicht angemessen sey , seinen Beifall nicht versagen würde . - Diese Schmeichelreden beschwichtigten meine Unruhe , aber dennoch empfand ich eine große Erleichterung , als Lady St. Edmonds Rückkehr dem Gespräch ein Ende machte . Ohne eine entschiedene Neigung für den Mann , dem ich die tägliche Gelegenheit , meine Schwäche zu benutzen , zugestanden hatte , ohne einen klaren moralischen Sinn , welcher mir einen deutlichen Begriff von den Bedingungen zu meinem wahren Glück geben konnte , theilte ich Miß Arnold meine Verlegenheit mit und bat Lady Edmond um Rath . Die Erstere schien blos Theilnahme , Mitgefühl zu zeigen , und bewies mir doch , daß , bei dem nachtheiligen Eindruck , den Lady Maria ' s Darstellung meiner Thorheit am Ballabend gegen mich erregt , eine Heirath mit Lord Friedrich der sicherste und für mich der schmeichelhafteste Weg sey , meine Unruhe zu beendigen . Lady St. Edmond fand Mittel , mir in einer Wolke von Weihrauch über meine Vorzüge , meine Empfindungsart , meinen Geist zu beweisen , daß ich mich in den Fall gesetzt hätte , wo nur meine Heirath mit Lord Friedrich mein Betragen zu rechtfertigen im Stande sey . Während es mir so von allen Seiten an einer weisen Einwirkung gebrach , da mein thöricht eitles Herz sich vor der einzig rettenden , der meiner verehrten Miß Mortimer , fürchtete , weil es sich bewußt war , dort keine Schmeicheleien , keinen in Lob gehüllten Tadel , sondern strenge Mahnung an die Pflicht zu hören , versäumte Lord Friedrich nicht , bei jeder Gelegenheit die Sprache der Leidenschaft gegen mich zu führen . Eines Tags fand ihn mein Vater zu meinen Füßen , in einer feurigen Rede begriffen . Im Gefühl seines verletzten Hausrechts , da er sich seine Besuche verbeten , mit der Erbitterung , die ihm Einer aus der verhaßten Kaste erregen mußte , der in dem zarten Punct der väterlichen Gewalt seinen Absichten zu widerstreben suchte , verabschiedete er ihn mit mehr Bestimmtheit , wie gutem Ton . Der Auftritt war empörend für mich , weil mein Vater , indeß vier starke Lakaien an der Saalthür standen , sein Hausrecht gegen den einzelnen Mann übertrieb ; er war höchst erschütternd , weil ich den ernsten Mann noch nie so von Zorn übermannt gesehen hatte . Wie Lord Friedrich das Zimmer verließ , stieß mein Vater die Thür mit einem gewaltigen Fußtritt zu , nahte sich mir heftig , faßte gewaltsam meine Hand und rief : » Hattet Ihr vergessen , Ellen Percy , daß diesem Glücksjäger mein Haus verschlossen seyn sollte ? Fortan geschehe das nicht wieder ! Ich kann Euch dreimalhunderttausend Pfund hinterlassen und arbeite an einem Project , die Summe zu verdoppeln ; aber Euer ältester Sohn soll John Percy heißen , und eben so seines Sohnes Sohn , und Ihr sollt keinen unverschämten aristokratischen Bettler heirathen , der sich unterstehen möchte , den Mann , dem er sein Daseyn zu verdanken hätte , über die Schultern anzusehen . Gott verdamme mich , wenn ich das je zugebe ! Versteht Ihr mich , Ellen Percy ? « - Bei diesen Worten schüttelte er meine Hand und schleuderte sie so gewaltsam von sich , daß ich wankend mich an einem Stuhl halten mußte , indeß er zornglühend das Zimmer verließ . In der Jugendzeit , wo Mangel an erduldeten Leiden uns Muth gibt , und die Einfachheit unsrer Verhältnisse unsre Urtheilskraft noch gar nicht geprüft hat , kann ein besser geordnetes Gemüth , wie das meine , durch Heftigkeit zum Widerstand gereizt werden . Mir erschien meines Vaters Betragen so despotisch , daß es mich aufforderte , alle Rechte der Natur für mich geltend zu machen . Ungewohnt , mein Betragen tadeln , noch weniger , meiner Neigung Verbote auflegen zu sehen , suchte ich zu meines Vaters Widerwillen gegen eine Heirath mit Lord Friedrich nun eine besondre Ursache und fand sie durch die Bedingung erklärt , unter welcher er meine Hand zu vergeben gedachte . Einem Mann ohne Namen wollte er mich geben , einem untergeordneten , nüchternen , anspruchbaren Geschöpf