. Ihr Väter der Wittwen und Waisen habet eure Kinder bestohlen , und den armen Leuten verschimmeltes Brod zugeworfen , während ihr aus ihrem Gute euch Wein und Braten auftischtet . Ihr habet den , der vom Felde zwo Rüben stahl , in den harten Kerker geworfen , aber euch weiche Betten gekauft vom Gelde , das ihr der Gemeinde geraubet . Ihr Ottergezücht , die ihr immer von Gerechtigkeit redet und in Ungerechtigkeit schwelget , die ihr immer die Religion im Maule habet und den Teufel in der Brust - wahrlich , wahrlich , ihr sollt ärnten , was ihr gesäet habt : Armuth für Hochmuth , Galgenholz für Räuberstolz ! « Als dies der Löwenwirth hörte , kam großes Entsetzen über ihn , daß er im Innersten erzitterte . Er schob die Schuld auf seine ehemaligen Beisitzer , und fiel vor Oswald weinend und heulend nieder , und beschwor denselben bei Allem , was heilig ist , ihn nicht unglücklich zu machen . Aber noch denselben Tag sendete Oswald einen Bericht an die hohe Obrigkeit , und deckte Alles auf . Und im ganzen Dorfe war großer Schrecken und allgemeine Bestürzung ; denn so viel Betrug hatte Keiner den ehemaligen Vorstehern zugetraut . Viele wollten es gar nicht glauben , und schalten den Oswald einen Verleumder und Bösewicht , der sich großes Ansehen geben und unschuldige Leute ins Verderben bringen wolle . Und der Löwenwirth lief umher im Dorfe und suchte bei seinen Freunden allerlei Zeugniß , um sich gegen die schwersten Beschuldigungen sicher zu stellen . Jedoch seine besten Freunde zuckten die Achseln , und wollten sich in das Geschäft nicht mischen . Und schneller , als er vermuthete , erschien eine Untersuchungskommission der Regierung . Da kam alle Schändlichkeit ans Tageslicht . Der Löwenwirth ward gefangen hinweggeführt , um vor Gericht beurtheilt zu werden . Er ward seiner Stelle entsetzt und kam ins Zuchthaus . Aus seinem Vermögen wurde Vieles von dem wieder ersetzt , um was er die Gemeinde betrogen hatte . So endete der stolze Löwenwirth ; denn unrecht Gut gedeihet nicht , und Hochmuth kommt vor dem Fall . Oswald aber wurde zum ersten Vorsteher der Gemeinde ernannt , und ihm ein Ehrenmann aus dem Dorfe zum dritten Beisitzer erwählt . Ueber diese schrecklichen Begebenheiten hielt der Pfarrer Roderich eine schöne lehrreiche Predigt . Er sagte : » Wenn Aeltern ungerathene Kinder haben , so muß man nicht nur die Kinder , sondern auch die Aeltern wegen schlechter Zucht anklagen . Und wenn in einer Gemeinde Schande , Armuth und Laster zunehmen , so ist es ein Beweis , daß die Vorgesetzten nichts taugen , sondern Schuld an dem Unglück sind . Aber Gott sendet Jedem seinen jüngsten Tag zu . « 23. Die Schulden müssen getilgt werden . Der Oswald hatte jetzt gar viel zu schaffen . Keiner wußte , was er trieb . Bald lief er in allen Feldern herum , bald tagelang in den Wäldern , bald wieder in die Stadt . » Ach , du armer Oswald ! « seufzte Elsbeth , wenn sie ihm am Abend vor dem Dorfe entgegenging und ihn mitleidig bewillkommte : » Warum kümmerst du dich so sehr , armer Oswald , und plagest dich ? Du wirst am Ende doch nur Undank und Verdruß von aller deiner Mühe haben . « Oswald sprach : » Undank ist die Münze , womit das Volk am liebsten zahlt . Wer aber einer Gemeinde vorsteht , der soll an seinen Gott und seine Pflichten denken , nicht aber auf Lohn und Dank . Siehst du , liebes Herz , Gott lohnt endlich auch gewiß alles Gute , gleich wie er Böses straft . « So redete Oswald , und that , was er sollte . Es ergab sich aber , daß die Gemeinde noch über sechstausend Gulden schuldig war , theils von den Zeiten des Krieges und der Theurung her , theils durch die schlechte Haushaltung der ehemaligen Vorgesetzten . - Und Oswald sann Tag und Nacht , wie er diese Last von dem armen Goldenthal nehmen , oder doch vermindern könne . Und als sein Plan endlich reif war , legte er ihn seinen Amtsgenossen vor ; die hießen ihn nach langer Berathschlagung gut , und sprachen : » Wollte Gott , die Schulden wären abgethan , so wüßte doch auch Jeder wieder , was er Eigenes hätte , und könnte frei athmen , und müßte nicht fort und fort an das Zinsen denken . « Darauf ward eine Besichtigung und Schätzung aller liegenden Gründe der Ortsbürger angeordnet , damit man ungefähr wisse , wie arm oder reich Jedermann sei ; und damit Jeder auf gerechte Weise in Zukunft wegen der Steuer angelegt werden könne . Und Jeder mußte bei den Gemeindevorstehern angeben und beweisen , wie viel Schulden er auf Haus und Gütern stehen habe ; und das ward treulich in ein Buch eingetragen und darnach Jedermann geschätzt . Dann trat Oswald am Sonntage nach der Kirche mit seinen zween Beisitzern vor die versammelte Gemeinde und sprach : » Ihr Männer , liebe Mitbürger , unser Dorf hat sechstausend vierhundert Gulden Schulden . Das Geld haben wir theils in den benachbarten Städten zu verzinsen , theils sind wir es hier im Dorfe uns selber für Heu , Haber , Fuhren und Requisitionen schuldig . Was wir auswärts zu zahlen haben , wollen wir ein andermal besprechen . Jetzt wollen wir abthun , was sich die Gemeinde selber schuldig geworden ist . « » Viele von uns haben an der Gemeinde noch beträchtlich für Stroh , Haber und andere Lieferungen aus dem letzten Kriege zu fordern . Man verzinset ihnen zwar jährlich , aber sie müssen doch allemal erst ihren Beitrag zur allgemeinen Zinssumme geben . Also verzinsen sich im Grunde Viele nur ihre Sache selber . Das ist mühsam und thöricht . Nun haben wir diese Schuld auf alle Bürger , nach Maßgabe ihres Vermögens , vertheilt . Den Reichen trifft davon mehr ,