dem Getümmel auf und nieder ging . » Gott sei Dank ! « hörte er zugleich draußen die Bauern rufen , » wenn die da ist , wird ' s bald besser gehn . « - » Wer ist die weiße Frau ? « fragte Leontin , der nicht ohne innerlichen Schauder auf sie hinblicken konnte . Julie , die ihr Gesicht fest an ihn gedrückt hatte , überhörte in der Verwirrung die Frage , und so trug er sie hoch durch das Feuer hindurch , ohne die Augen von der fremden Gestalt zu wenden . Kaum hatte er aber das Fräulein im Hofe niedergesetzt , als er selber , von dem Rauche , der Hitze und Anstrengung ganz erschöpft , bewußtlos auf den Boden hinsank . Jene seltsame Erscheinung hatte währenddessen alle mit frischem Mute beseelt , und so war es der verdoppelten Anstrengung gelungen , die Flammen endlich zu zwingen . Als Leontin die Augen wieder aufschlug , sah er mit Erstaunen alles ringsumher schon leer und ruhig . Die weiße Frau aber war mit dem Feuer verschwunden , wie sie gekommen war . Er selber lag neben der Brandstätte auf einem Kasten zwischen einer Menge geretteter Gerätschaften , die unordentlich übereinanderlagen . Julie saß neben ihm und hatte seinen Kopf auf ihrem Schoße . Alle andern hatten sich , von der Arbeit ermattet , nach und nach zerstreut , Herr v. A. und seine Schwester noch auf einige Stunden sich zur Ruhe begeben . Nur Viktor , der während des Brandes mehrere Male bis in die innersten Zimmer eingedrungen , und immer mitten zwischen dem zusammenstürzenden Gebälk erschienen war , sah er hoch auf einem halbabgebrannten Pfeiler eingeschlafen . Das prächtige Feuerwerk war nun in sich selber zusammengesunken , nur hin und wieder flackerte noch zuweilen ein Flämmchen auf , während einige dunkle Wachen an dem verwüsteten Platze auf und ab gingen , um das Feuer zu hüten . Leontin hatte den einen Arm um Julie geschlungen , die still neben ihm saß . Ihr Herz war so voll , wie noch niemals in ihrem ganzen Leben . Im Innersten aufgeregt von den raschen Begebenheiten dieser Nacht , war es ihr , als hätte sie in den wenigen Stunden Jahre überlebt ; was lange im stillen geglommen , war auf einmal in helle Flammen ausgebrochen . Müde lehnte sie ihr Gesicht an seine Brust und sagte , ohne aufzusehen : » Sie haben mir mein Leben gerettet . Ich kann es nicht beschreiben , wie mir damals zumute war . Ich möchte Ihnen nun so gern aus ganzer Seele danken , aber ich könnte es doch nicht ausdrücken , wenn ich es auch sagen wollte . Es ist auch eigentlich nicht das , daß Sie mich aus dem Feuer getragen haben . « - Hier hielt sie eine Weile inne , dann fuhr sie wieder fort : » Die Flamme ist nun verloschen . Wenn der Tag kommt , ist alles wieder gut und ruhig , wie sonst . Jeder geht wieder gelassen an seine alte Arbeit und denkt nicht mehr daran . Ich werde diese Nacht niemals vergessen . « Sie sah bei diesen Worten gedankenvoll vor sich hin . Leontin hielt sich nicht länger , er zog sie an sich und wollte sie küssen . Sie aber wehrte ihn ab und sah ihn sonderbar an . - So saßen sie noch lange , wenig sprechend , nebeneinander , bis endlich Julie die Augen zusanken . Er fühlte ihr ruhiges , gleichförmiges Atmen an seiner Brust . Er hielt sie fest im Arme und saß so träumerisch die übrige Nacht hindurch . Die Gewitter hatten sich indes ringsum verzogen , ein labender Duft stieg aus den erquickten Feldern , Kräutern und Bäumen . Aurora stand schon hoch über den Wäldern . Da weckte der kühle Morgenwind Julie aus dem Schlummer . Der Rausch der Nacht war verflogen ; sie erschrak über ihre Stellung in Leontins Armen und bemerkte nun , da es überall licht war , mit Erröten , daß sie halb bloß war . Leontin hob das schöne , verschlafene Kind hoch vor sich in den frischen Morgen hinein , während sie ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckte . Darauf sprang sie fort von ihm und eilte ins Haus , wo soeben alles anfing sich zu ermuntern . Neuntes Kapitel Am Morgen saßen alle in der Stube des Jägers beim Frühstück versammelt , die unruhigen Ereignisse dieser Nacht besprechend . Julie sah blaß aus , und Leontin bemerkte , daß sie oft heimlich über die Tasse weg nach ihm hinblickte , und schnell wieder wegsah , wenn sein Auge ihr begegnete . Alle untersuchten darauf noch einmal die Brandstätte , die noch immer fortrauchte . Man war allgemein der Meinung , daß ein Blitz gezündet haben müsse , so viele Mühe sich auch der dicke Gerichtsverwalter gab , darzutun , daß es boshafterweise angelegt sei , und daß man daher mit aller Strenge untersuchen und verfahren müsse . Herr v. A. verschmerzte den Verlust sehr leicht , da er ohnedies schon lange willens war , das alte Schlößchen niederreißen zu lassen , um ein neues , bequemeres hinzubauen . Leontin fragte endlich wieder um die weiße Frau . » Es ist eine reiche Witwe « , sagte Herr v. A. , » die vor einigen Jahren plötzlich in diese Gegend kam und mehrere Güter ankaufte . Sie ist im stillen sehr wohltätig , und , seltsam genug , bei Tag und bei Nacht , wo immer ein Feuer ausbricht , sogleich bei der Hand , wobei sie dann die armen Verunglückten mit ansehnlichen Summen unterstützt . Die Bauern glauben nun ganz zuversichtlich , sobald sie nur erscheint , müsse das Feuer sich legen , wie beim Anblick einer Heiligen . Übrigens empfängt und erwidert sie keine Besuche , und niemand weiß eigentlich recht , wie sie heißt , und woher sie gekommen ; denn sie selber spricht niemals von ihrem vergangenen Leben . « »