Kreise drehte es sich mit mir herum und warf mich endlich unter dem schallenden Gelächter der Bauern dem herbeieilenden Richter und dem Wirte in die Arme . » Das ist ein böses Pferd « , sagte der Richter mit unterdrücktem Lachen . - » Ein böses Pferd ! « wiederholte ich , mir den Staub abklopfend . Sie halfen mir wieder herauf , aber von neuem bäumte sich schnaubend und prustend das Pferd , durchaus war es nicht durch das Tor zu bringen . Da rief ein alter Bauer : » Ei seht doch , da sitzt ja das Zeterweib , die alte Liese , an dem Tor und läßt den gnädigen Herrn nicht fort , aus Schabernack , weil er ihr keinen Groschen gegeben . « - Nun erst fiel mir ein altes zerlumptes Bettelweib ins Auge , die dicht am Torwege niedergekauert saß und mich mit wahnsinnigen Blicken anlachte . » Will die Zeterhexe gleich aus dem Weg ! « schrie der Richter , aber die Alte kreischte : » Der Blutbruder hat mir keinen Groschen gegeben , seht ihr nicht den toten Menschen vor mir liegen ? Über den kann der Blutbruder nicht wegspringen , der tote Mensch richtet sich auf , aber ich drücke ihn nieder , wenn mir der Blutbruder einen Groschen gibt . « Der Richter hatte das Pferd bei dem Zügel ergriffen und wollte es , ohne auf das wahnwitzige Geschrei der Alten zu achten , durch das Tor ziehen , vergeblich war indessen alle Anstrengung , und die Alte schrie gräßlich dazwischen : » Blutbruder , Blutbruder , gib mir Groschen , gib mir Groschen ! « Da griff ich in die Tasche und warf ihr Geld in den Schoß , und jubelnd und jauchzend sprang die Alte auf in die Lüfte und schrie : » Seht die schönen Groschen , die mir der Blutbruder gegeben , seht die schönen Groschen ! « Aber mein Pferd wieherte laut und kurbettierte , von dem Richter losgelassen , durch das Tor . » Nun geht es gar schön und herrlich mit dem Reiten , gnädiger Herr , nach allen Qualitäten « , sagte der Richter , und die Bauern , die mir bis vors Tor nachgelaufen , lachten noch einmal über die Maßen , als sie mich unter den Sprüngen des muntern Pferdes so auf und nieder fliegen sahen , und riefen ; » Seht doch , seht doch , der reitet wie ein Kapuziner ! « - Der ganze Vorfall im Dorfe , vorzüglich die verhängnisvollen Worte des wahnsinnigen Weibes , hatten mich nicht wenig aufgeregt . Die vornehmsten Maßregeln , die ich jetzt zu ergreifen hatte , schienen mir , bei der ersten Gelegenheit alles Auffallende aus meinem Äußern zu verbannen und mir irgend einen Namen zu geben , mit dem ich mich ganz unbemerkt in die Masse der Menschen eindrängen könne . - Das Leben lag vor mir wie ein finstres , undurchschauliches Verhängnis , was konnte ich anders tun , als mich in meiner Verbannung ganz den Wellen des Stroms überlassen , der mich unaufhaltsam dahinriß . Alle Faden , die mich sonst an bestimmte Lebensverhältnisse banden , waren zerschnitten und daher kein Halt für mich zu finden . Immer lebendiger und lebendiger wurde die Heerstraße , und alles kündigte schon in der Ferne die reiche , lebhafte Handelsstadt an , der ich mich jetzt näherte . In wenigen Tagen lag sie mir vor Augen ; ohne gefragt , ja ohne einmal eben genau betrachtet zu werden , ritt ich in die Vorstadt hinein . Ein großes Haus mit hellen Spiegelfenstern , über dessen Türe ein goldner geflügelter Löwe prangte , fiel mir in die Augen . Eine Menge Menschen wogte hinein und hinaus , Wagen kamen und fuhren ab , aus den untern Zimmern schallte mir Gelächter und Gläserklang entgegen . Kaum hielt ich an der Türe , als geschäftig der Hausknecht herbeisprang , mein Pferd bei dem Zügel ergriff und es , als ich abgestiegen , hineinführte . Der zierlich gekleidete Kellner kam mit dem klappernden Schlüsselbunde und schritt mir voran die Treppe herauf ; als wir uns im zweiten Stock befanden , sah er mich noch einmal flüchtig an und führte mich dann noch eine Treppe höher , wo er mir ein mäßiges Zimmer öffnete und mich dann höflich frug , was ich vorderhand beföhle , um zwei Uhr würde gespeiset im Saal No. 10. erster Stock u.s.w. » Bringen Sie mir eine Flasche Wein ! « Das war in der Tat das erste Wort , das ich der dienstfertigen Geschäftigkeit dieser Leute einschieben konnte . Kaum war ich allein , als es klopfte und ein Gesicht zur Türe hereinsah , das einer komischen Maske glich , wie ich sie wohl ehemals gesehen . Eine spitze rote Nase , ein paar kleine funkelnde Augen , ein langes Kinn und dazu ein aufgetürmtes gepudertes Toupet , das , wie ich nachher wahrnahm , ganz unvermuteterweise hinten in einen Titus ausging , ein großes Jabot , ein brennend rotes Gilet , unter dem zwei starke Uhrketten hervorhingen , Pantalons , ein Frack , der manchmal zu enge , dann aber auch wieder zu weit war , kurz mit Konsequenz überall nicht paßte ! - So schritt die Figur in der Krümmung des Bücklings , der in der Türe begonnen , herein , Hut , Schere und Kamm in der Hand , sprechend : » Ich bin der Friseur des Hauses und biete meine Dienste , meine unmaßgeblichen Dienste gehorsamst an . « - Die kleine winddürre Figur hatte so etwas Possierliches , daß ich das Lachen kaum unterdrücken konnte . Doch war mir der Mann willkommen , und ich stand nicht an , ihn zu fragen , ob er sich getraue , meine durch die lange Reise und noch dazu durch übles Verschneiden ganz in Verwirrung geratene Haare in Ordnung zu bringen . Er sah meinen Kopf mit kunstrichterlichen Augen an und sprach , indem er die rechte Hand