allmächtigen Sohn bleiben Sie zurück . Sie hatte die letzten Worte mit bebenden Lippen in tödtlicher Seelenangst gesprochen . Alonzo war einen Augenblick wie gelähmt , dann stürzte er ihr nach , drängte und stürmte alles aus seinem Wege , doch sie war fort , wie durch höhere Gewalt seinen Blicken entrückt . Nun erst war es entschieden in ihm , nun wußte er bestimmt , was er immer gewollt hatte . Blansche sollte , mußte sein werden und ginge auch Ruhe und Frieden und seiner Seelen Seeligkeit drüber zu Grunde . Immer stachelnder und angstvoller wards nun in ihm . - Der Weltklugheit zum Trotz wollte er mit Gewalt besitzen , was man ihm listig entzog . Frau von Saint Alban , der Herzog , seine Mutter - es bestürmte und drängte ihn alles so wunderbar , Haß und Pflicht , und mitten inne die fressende , verlangende Liebe - ein kühner Schlag mußte die dumpfe Wetterschwüle auf einemmal auseinander reissen , er mußte Athem schöpfen , er hielt es so nicht aus . Ganz ermattet setzte er sich an seinen Schreibtisch . Der angefangene Brief an Philipp lag vor ihm . Er durchlas das Geschriebene noch einmal . Es schwirrte ihm confus durch die Sinne , er griff nach einer Feder , seine Seele durstete nach Mittheilung , Worte , dachte er , müssen die pressenden Bande lösen . Er las laut , was er niederschrieb : » Ich weiß nicht , Philipp , wie mir ist , noch was aus mir werden soll ! Hätte mir ein Sterblicher gesagt , es wird ein Augenblick kommen , wo Don Alonzo de Mendez schwankend zwischen Ehre und Liebe und Pflicht dastehn und nicht wissen wird , welchen Weg er einschlagen soll , ein Blick hätte den Frevler vernichtet . Und jetzt - mein Gott , was wolltest du mit deiner Creatur , als du an geweihter Stätte das schöne Mädchen in meine Arme legtest und von da den Zunder in die offne Seele warfst ! Sollte ich löschen , ehe ich brennen fühlte ? heimlich dämmerte die Gluth herauf , schlich langsam durch die Adern , bis plötzlich alle Pulse rascher schlugen , die Flamme aufblitzte , Erinnerung , Bewußtsein , ein ganzes hingeträumtes Leben verschlang . Warum ich Ihnen das sage ? Sie müssen alles wissen . Ich habe Blansche wiedergesehen , lieber Philipp , sie ist unschuldig , unschuldig wie ein Lamm , das man zur Schlachtbank führt . Soll ich sie fallen sehen , wenn ich sie retten kann ? Mitten aus dem fahlen Dunst , der das arme Herz beengt , reiße ich sie heraus , verlassen Sie sich darauf . Fragen Sie mich , ob ich das Blut der Mendez mit meiner Feinde Blut beflecken wolle ? Feinde - Philipp ? Wie sagte Sie doch einmal ? ich erinnere mich ! der Haß ist von dieser Welt , aber die Gerechtigkeit ist Gottes . - Ja , ja , mein Leidens- und Liebesgefährte , der Haß ist von dieser Welt ! lassen wir ihn da sein blutig Wesen treiben . Haben Sie nicht selbst dem Engel Blansche Schwingen gegeben , daß er über das trübe nächtige Meer hinaus den Blick versöhnend zum Himmel trage ? Hat die Kunst dem Gedanken Dasein verliehen , soll das Leben zögernd zurückesteh ' n ? Ich weiß nicht , weßhalb mich vor Ihnen bangt . Dürfen Sie tadeln , was Sie selbst thaten ? Philipp , es giebt Winke und Stimmen in der Natur , die wir nicht überhören dürfen . Umsonst trifft nicht Eines zum Andern , das Schicksal will etwas , es zwingt uns , denn über nichts spottet der Himmel so als über menschliche Absicht . Sie haben es ja erfahren , was wundern Sie sich über Andre ! Sein Sie nicht weiser in Worten als Gefühlen . Gefühle allein sind wahr , alles andre ist todtes , angelerntes Gesetz . Was wissen wir auch von Gesetzen ! Jedweder trägt einen eignen Schlüssel zu diesem Hieroglyphen in sich . Das ist die göttliche Freiheit . Ich folge ihr , Philipp . Leben Sie wohl ! « Er siegelte mit einer Hast , als wäre ihm um die Antwort zu thun gewesen , und ermahnte seine Leute zu schneller Besorgung . Philipp war noch nicht allzufern bei seinem Regimente . Alonzo hätte ihn gern hier gehabt und auch wieder nicht . Ihm war doch etwas leichter , nachdem er geschrieben hatte , nachdem er denken konnte , es werde ein menschliches Wesen fühlen , wie ihm zu Muthe sei . Erhält ein gefürchtetes Uebel gleich Riesengröße und Gewißheit durch das Wort , so mildert Klage und Mittheilung das schon vorhandene gekannte Leiden . Alonzo kam sich gestärkt und fest durch den Schluß seines Briefes vor . Eines war seinem Willen doch auch schon wirklich gelungen , er hatte Blansche gesehen und gesprochen . Sie liebt ihn , über sie war er beruhigt . Alles andre mußte ja auch kommen , wenn er es nur ernstlich wollte . So durch sich selbst gehoben und zuversichtlich geworden , ging er noch spät , um Luft zu schöpfen nach den Elisaischen Feldern . Schon von fern sahe er die kleine silberne Muschel und die vier Apfelschimmel des Herzogs , sie hielt an der Barriere , niemand war darin , ein paar müßige Knaben standen auf dem Lackaienbrett und schaukelten an den Riemen . Alonzo beeilte seine Schritte , doch ehe er heran kommen konnte , winkte ein Bediente , der Wagen bog in eine Allee , Frau von Saint Alban und nach ihr Blansche an der Hand ihres jungen Vetters , Louis de Bocourt , stiegen hinein . Dieser stand noch am Schlage , und gab Blansche einen Strauß wilder Kräuter und Blumen , die sie sehr sorgfältig zusammenfaßte und ihn damit grüßend beim Abfahren vertraulich winkte . Louis ging langsam nach der Seite , wo Alonzo stand . Er bückte sich von Zeit zu Zeit nach kleinen unscheinbaren