auf ganz verkehrten Wegen ! Seid Ihr ein geborner deutscher Edelmann und wißt noch nicht , daß in Eurem Land fast einzig und allein die rechte ernste Freudigkeit und Treue , vermöge deren man kunstreiche Arbeiten verfertiget , daheim sind ? Halte dafür , Eure fremden Nebenbuhler wissen besser Bescheid , und haben gewiß sämmtlich ihre Richtung nach der deutschen Gränze genommen . Herr Adelhof schämte sich sehr , daß er dieser Zurechtweisung bedurfte , und machte sich in aller Frühe und Eilfertigkeit auf den Weg nach Deutschland . In der That war er auch kaum einige Tage lang in dem guten Lande Tyrol , als er schon von einer wundersamen Frau hörte , welche Gewande zu weben und zu sticken verstehe , dergleichen man in der ganzen weiten Welt nicht finde . Sie wohne , sagte man ihm ferner , bei einer alten Hirtenfrau im Gebirge , welche ihr vor etwa zwei Jahren aus Erbarmen , fast ungern , Obdach gestattet habe , nun aber sich durch die Arbeiten der Fremden in einen großen Wohlstand versetzt befinde . Das meiste ihres reichlichen Gewinnstes wende jedoch die fromme Weberin auf Capellen und Kirchen , deren sie schon unterschiedliche in dem sonst wilden Thale mit aller Pracht und Zierlichkeit habe erbauen lassen . Sie selbst führe ein wahres Klosterleben , und erlaube nur ihrer alten Wirthin den Eintritt in ihre Zelle . Der Ritter , voller Ungeduld , das Ziel seines Suchens zu erreichen , kam noch selben Abends vor der Meierei der Hirtenfrau an , von welcher die Klause , darin die gottesfürchtige Fremde ihr einsames Wesen trieb , etwa fünfhundert Schritt oder mehr entlegen sein mochte . Die alte Wirthin nahm ihn zwar anfänglich ganz willig auf , als er aber sein Begehren nur kund zu thun anfing , unterbrach sie ihn sogleich , versichernd , die Gedanken daran könne er sich auf alle Weise vergehn lassen . Es seien schon viele reiche und edle Herren in der nämlichen Absicht hier gewesen ; da habe die fromme Dame erklärt : um kein Geld , noch Gut , noch Ehrenbezeigung , wolle sie die Hand für die Befriedigung solch toller Eitelkeit anlegen , die sich ja in der That an Uebermuth den Einfällen vergleiche , womit ehemals Feien und andre böse Heidinnen die Welt geplagt hätten , wie man davon manche furchtbare Geschichte vernehme . Der Ritter Adelhof ward zwar über diese Weigerung sehr bestürzt , jedoch wollte er nicht minder als seine Nebenbuhler versucht haben , und drang daher in die Alte , sein Anbringen doch wenigstens der Dame vorzutragen . Man müsse alles zu seinem Glücke aufs fleißigste anstellen , meinte er ; niemand wisse , was grade ihm aufgehoben sei , und schlage es auch alsdann gänzlich fehl , so dürfe man doch nicht auf sich selber schelten . Die Alte konnte ihm hierin nicht gänzlich Unrecht geben , und verfügte sich daher nach der Klause , wobei sie indeß beständig den Kopf als in vielem Zweifeln schüttelte . In der höchsten Verwundrung aber kam sie zurück , so schnell es ihre wenigen Kräfte erlaubten , die Hände zusammenschlagend , und ausrufend : Ihr thut wahrhaftig wohl , Eurer Fortuna zu vertrauen , denn Ihr seid ein unstreitiges Glückskind . Zum erstenmale , seit ich die fromme Dame kenne , hat sie ihren Entschluß geändert . Sobald ich Euren Namen und Begehr vorgetragen hatte , entgegnete sie : sag ' ihm , daß ich in diesem Augenblick an die Arbeit gehe , daß ein tadelfreies Gewebe binnen neun Tagen vollendet sein soll , und daß er so lange bei Dir herbergen mag , um es alsdann gleich mitzunehmen und seiner wunderschönen Braut zu überbringen . Störe mich aber in dieser Zeit mit keinem Worte . Ich bedarf eines frommen , gesammelten Gemüthes und vieles Betens , um eine solche Arbeit zu Ende zu führen . Der Ritter wunderte sich selbst über die unvermuthete Gewährung seiner Wünsche ; da ihn aber eine große Ungeduld nach Welschland zurück trieb , dachte er nur daran , es ins Ungewisse stellend , woher ihm ein so großes Glück aufgegangen sei , und ergab sich während der langen neun Tage fast in einem fort dem Zeitvertreib des Jagens , wie es denn einem so rüstigen und vornehmen Herrn auch wohl geziemte . Eines Abends kam er ganz spät aus dem Forste zurück , und , indem ihn sein Weg zufälliger Weise an der Klause vorbei führte , hörte er darin singen . Er stand neugierig still und vernahm folgende Worte : O schwacher Sinn ! O falsches Herz ! Du wählst und giebst für Freude Schmerz . Warst doch allein all ' meine Lust , Drug nur Dein Bildniß in der Brust , Und soll Dich nun so gar entbehren , Trüb scheiden , der so fröhlich kam . Ach Gott , erstärk ' nur meinen Gram , So wird er früher mich verzehren . Er wußte nicht , ob er wache oder träume , denn ihm waren diese Verse , welche er am Abende seines Abschieds von der Königstochter gesungen hatte , noch wohl im Sinn geblieben . Nach Endigung des Liedes hörte er die Dame bitterlich weinen und sagen : o mein herzallerliebster Freund , wie großes Unrecht hast Du mir mit solchen Klagen gethan , und wie viel besser passen sie nun für mich . Damit ward sie wieder stille , und man vernahm nichts mehr , als den Gang des fleißig angeregten Webestuhls . Es ward dem Ritter unheimlich zu Muth ; er mußte beinah glauben , daß die Königstochter vielleicht gestorben sei , und ihm nun mit gespenstischem Treiben verfolge , denn wie sollte sie lebendig , von Vater und Bräutigam weg , allein in dieses Gebirge gekommen sein , und wem hinwiederum war das Abschiedslied bekannt , als ihm und ihr ? - In solcher Zweifelhaftigkeit verging ihm die Nacht , und auch ein Theil des folgenden Tages , ohne daß er sich der Klause wieder